„Zurück zu Inhalten!“

Ingo Woolderink

Ingo Woolderink, 43 Jahre alt, aufgewachsen in Ottenstein, Vater eines dreijährigen Sohns, Polizist, stellt sich dem Rennen um das Amt des Bürgermeisters. Er will die Politik in Ahaus und das Amt des Bürgermeisters verändern. Auf die Unterstützung von Parteien oder Spendern verzichtet er.

AHAUS

, 07.07.2015, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
„Zurück zu Inhalten!“

Ingo Woolderink, parteiloser Kandidat für das Bürgermeisteramt, glaubt fest daran, die Wahl zu gewinnen.

Was muss sich in Ahaus ändern?

Wir müssen von der Befindlichkeitspolitik weg kommen und wieder über Inhalte reden. Das hat die sogenannte Gestaltungsmehrheit bisher nicht geschafft. Sie funktioniert nicht. Nach Jahrzehnten der CDU-Vorherrschaft sind die Fronten im Rat verhärtet. Wir müssen in Ahaus wieder sehen, worum es im Rat eigentlich geht: nämlich um das Wohl der Menschen in Ahaus.

Ein anderer Kandidat verspricht, dass mit ihm als Bürgermeister keine Atomtransporte mehr nach Ahaus rollen werden. Was sagen Sie dazu?

Ich kann nur etwas versprechen, was ich später auch halten kann. Das gilt für alle Bereiche. Der Bürgermeister der Stadt Ahaus hat bei den geplanten Atomtransporten kaum etwas zu sagen. Trotzdem bin ich natürlich gegen unnötige Atomtransporte.

Ihr großes Ziel ist die Bürgerbeteiligung. Wie wollen Sie den Ahauser in die politischen Entscheidungen einbinden?

In dem man politische Fragen zum Beispiel über digitale Medien auch den Bürgern stellt. Ich will die Bürger über Veränderungen und Entscheidungen frühzeitig informieren und sie daran beteiligen.

Also soll der Rat weniger direkt entscheiden?

Nein. Das ist ja seine Aufgabe. Ich möchte den Politikern aber eine bessere Grundlage für ihre Entscheidungen bieten. Das kann durch eine Onlineabstimmung oder auch eine Umfrage passieren. Ich will den Rat aber auf keinen Fall entmachten und die Ahauser jede Woche zur Wahlurne zwingen.

Und wie wollen Sie die Ahauser wieder für Politik begeistern? Ein Blick auf die Zuschauertribüne im Ratssaal verrät doch schon, wie es aussieht. Meistens herrscht dort kein Gedränge.

Die Politikverdrossenheit ist auch in der Kommunalpolitik in Ahaus ein Riesenthema. Das kommt daher, dass die Leute unzufrieden sind und davon ausgehen, dass "Die da oben" sowieso machen, was sie wollen. Der Bürger hat ein Anrecht darauf, vor Entscheidungen informiert und gehört zu werden. Die digitale Kommunikation ist inzwischen so einfach geworden. Das würde ich noch viel stärker nutzen.

Und wie definieren Sie da Ihre Rolle als Bürgermeister?

Ich möchte als unabhängiger Moderator zwischen Parteien, Verwaltung und den Menschen vermitteln. Dabei möchte ich mich als Bürgermeister selbst bewusst zurücknehmen und nicht im Mittelpunkt stehen. Ich sehe mich eher als Mahner, der darauf hinweist, worum es eigentlich geht. Und ich will einen Blick von außen in die Verwaltung und die Politik in der Stadt tragen.

Welche Chancen rechnen Sie sich als Einzelkämpfer aus?

Ich habe weder eine Partei noch einen Spender oder ein Unternehmen hinter mir. Gleichzeitig bin ich als Polizist im Schichtdienst eng eingebunden. Ich bin auf Verwandte, Freunde, Bekannte und meine Kollegen angewiesen, die mir den Rücken frei halten. Das macht es natürlich nicht unbedingt einfach. Dafür kann ich von mir sagen, dass ich wirklich absolut unabhängig bin und bleibe.

Warum sollte der Ahauser ausgerechnet Sie wählen?

Weil ich im Kandidatenfeld der bodenständige und ehrliche Bürger der Stadt bin und Ahaus ganz einfach durch und durch kenne.

Ingo Woolderink gewinnt die Stichwahl. Was wäre Ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister?

Erst einmal möchte ich das Rathaus von innen kennenlernen. Ich kenne natürlich viele Menschen in der Verwaltung schon. Trotzdem will ich sie zunächst einmal als Mitarbeiter kennenlernen. Ich halte es da mit einer Anweisung aus dem Polizeidienst: Ruhe bewahren, Überblick verschaffen.

Sie haben fünf Gegenkandidaten. Das sah bei Ihrer Kandidatur im Dezember noch anders aus. Würden Sie jetzt trotzdem wieder antreten?

Auf jeden Fall. Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet. Trotzdem würde ich auch jetzt noch antreten, weil ich einfach glaube, die richtige Wahl zu sein.

Die Wahl kann noch viele Überraschungen bringen. Haben Sie sich ein Ziel gesetzt?

Auf jeden Fall möchte ich die Stichwahl erreichen. Da werden die Karten noch einmal komplett neu gemischt. Ich glaube, dass es dann ganz extrem auf die Personen und nicht mehr auf deren Parteizugehörigkeit ankommt.

Und was passiert, wenn das nicht klappt?

Dann werde ich mich bestimmt nicht auf den Boden werfen und weinen, sondern ganz normal in meinem Beruf weiterarbeiten.

Sie haben einen dreijährigen Sohn. Wie ist das mit dem enormen Zeitaufwand für das Bürgermeisteramt unter einen Hut zu bringen?

Meine Familie unterstützt mich. Anders wäre das gar nicht zu leisten.

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