Zwei junge Ärzte übernehmen Praxis in Wessum

Gegen den Trend

Ärztemangel, Nachwuchssorgen, Überalterung – Dr. Wolf Rommel und Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus strafen diese Begriffe zur Beschreibung der Hausärztesituation auf dem Land Lügen. Die beiden Mediziner haben sich gerade in Wessum niedergelassen. Seit gestern verfügt die Praxis an der Hamalandstraße über zwei Arztsitze.

WESSUM

, 04.10.2016, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus (l.) und Dr. Wolf Rommel haben betont: Die hausärztliche Versorgung im Ort in Wessum ist gesichert.

Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus (l.) und Dr. Wolf Rommel haben betont: Die hausärztliche Versorgung im Ort in Wessum ist gesichert.

Den Anfang hatte im Mai Wolf Rommel gemacht. Der 39-Jährige trat in die Fußstapfen seines Schwiegervaters Dr. Mohamed Abu Tair, der die Praxis seit 1980 geführt hatte. „Die Idee ist seit Anfang des Jahres gereift“, sagt Rommel gestern. Nach eher akademischen Stellen – unter anderem an der Mathias-Hochschule in Rheine oder der Ärztekammer in Münster – wollte er sich selbstständig machen. „Eben mein eigener Chef sein“, so Rommel.

Geteilte Verantwortung

Es blieb noch die Suche nach einem Partner, den er schließlich in Akin Yilmaz-Neuhaus fand. „So können wir uns die Verantwortung und die Arbeit teilen“, so der 41-jährige Akin Yilmaz-Neuhaus. Er ist seit August mit einem halben und seit gestern mit einem ganzen Sitz Teil der Praxis. In Wessum fühlen sich beide sehr gut angenommen. „Den Menschen scheint bewusst zu sein, dass die Nachfolge eines Arztes nicht unbedingt einfach ist“, erklärt Rommel. In Wessum wollen beide groß einsteigen: Ab 2017 wollen sie zwei Assistenzärzte beschäftigen. „Die Verträge sind unterschrieben“, erklärt Akin Yilmaz-Neuhaus. Er war vorher in einem Krankenhaus in Münster als Internist beschäftigt.

In ihrer Tätigkeit als niedergelassener Arzt fühlen beide sich wohl – trotz vorheriger Stellen in Kliniken oder an Hochschulen: „Natürlich bekommt man es hier in der Praxis auch mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit zu tun“, so Yilmaz-Neuhaus. Unter den Patienten aber genau die herauszufischen, die weitere medizinische Hilfe benötigen, sei das Spannende. „Wir müssen die Mosaiksteinchen zusammensetzen“, erklärt Wolf Rommel.

Herausforderung

Und dafür blieben ihnen nur ihr Stethoskop, ihr Instinkt und ihre Erfahrung – unter anderem auch als Notärzte. Basismedizin sei viel herausfordernder, als eine Tätigkeit in einem spezialisierten Klinikum. „Man muss hier vor Ort den Überblick behalten“, sagt Yilmaz-Neuhaus.

Eine Herausforderung, der sie sich stellen wollen. Aber auch die Verdienstmöglichkeiten seien nicht so schlecht, wie es immer heiße. Was in der Ausbildung junger Ärzte fehle, seien die Bereiche Jura und Betriebswirtschaft. „Wir sind ja praktisch nichts anderes, als ein Handwerksbetrieb“, erklärt Wolf Rommel. Dieser Bereich werde in der medizinischen Lehre aber vernachlässigt. Auch darin sieht er einen Grund dafür, dass sich weniger junge Mediziner niederlassen wollen.

Auf lange Sicht könnten sich beide sogar vorstellen, nach Ahaus zu ziehen. „Das muss sich aber erst entwickeln“, sagt Akin Yilmaz-Neuhaus.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ist für die Bedarfsplanung von Arztpraxen zuständig und führt auch Statistiken.
Der Mittelbereich Ahaus – umfasst neben der Stadt und den Ortsteilen auch Heek, Legden und Schöppingen. Hier gibt es aktuell 39 Hausärzte für 62 316 Einwohner.
Die Versorgungsquote liegt damit im Mittelbereich Ahaus zurzeit bei 107,1 Prozent. „Ein sehr guter Wert“, heißt es dazu von der KV.
Große Sorgen machen sich die Planer allerdings wegen der Altersstruktur dieser Mediziner: Ein Drittel der Hausärzte ist zwischen 60 und 69 Jahren alt. Ein Arzt ist sogar älter als 70 – und praktiziert trotzdem noch. Nur 28,6 Prozent der Hausärzte sind momentan jünger als 50 Jahre. 35,9 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahren alt.
Der Mittelbereich Ahaus steht allerdings noch nicht auf der Förderliste.

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