Auf der Jahnstraße in Oberaden gibt es lange Rückstaus auf der Lünener Straße. So lang, dass die Ampel an der Kreuzung mit der Jahnstraße noch gar nicht zu sehen ist. © Stephanie Tatenhorst
Verkehr

Mit Video: Verkehrschaos rund um Oberaden noch schlimmer als befürchtet

Seit die Erich-Ollenhauer-Straße gesperrt ist, herrscht im Westen von Bergkamen ein Verkehrschaos, das schlimmer ist als befürchtet. Nicht nur Autofahrer beschweren sich. Die Stadt sucht nach einer Lösung.

Wer Schlimmes befürchtet hatte, weil Straßen NRW wegen der Arbeiten an der L 821n die Erich-Ollenhauer-Straße komplett gesperrt hat, der kann sich nur eingeschränkt bestätigt fühlen: In Wirklichkeit kam es noch schlimmer.

Seit die wohl wichtigste Verbindung zwischen Bergkamen-Mitte und dem zweitgrößten Stadtteil der Stadt, Oberaden, gekappt ist, herrscht im Westen von Bergkamen das blanke Chaos. Besonders im Berufsverkehr überschwemmt ein Fahrzeugstrom die Ortsdurchfahrt Weddinghofen auf der Schulstraße und der Kampstraße.

Autofahrer haben Probleme, von der Goekenheide auf die Jahnstraße zu kommen, weil sich auch dort der Verkehr staut. Auch dort gibt es rund um die Kreuzung Lünener Straße/ Jahnstraße /Mühlenstraße zeitweise kaum ein Fortkommen.

Die VKU berichtet zwar von keinen Beschwerden, aber auch der neue Schnellbus S 40, der seit Montag Lünen und Unna verbindet, dürfte seinem Motto „Schnell, schneller, S40“ zurzeit auf dem Streckenabschnitt durch Bergkamen keine Ehre machen. Auch Autofahrer im Osten Lünens spüren die Auswirkungen der Vollsperrung.

Dabei ist die Situation der Fahrradfahrer noch gar nicht berücksichtigt. Schüler, die im herbstlichen Dunkel zur Schule müssen, werden auf die Umleitung über die Kuhbachtrasse oder den Pantenweg geschickt. „Zwischen der letzten Laterne am Pantenweg und der ersten an der Erich-Ollenhauer-Straße liegen 1,3 Kilometer“, hat Marcus Schalow nachgemessen, dessen Sohn mit dem Rad zum städtischen Gymnasium fährt. Dazwischen eine Piste voller Schlaglöcher und Matsch, zumindest wenn es geregnet hat. „Die Strecke nehme ich als Erwachsener im Dunkeln schon nicht gerne. Wie sollen sich da erst Kinder fühlen?“, fragt der besorgte Vater.

Die Erich-Ollenhauer-Straße ist gesperrt, weil der Kreisverkehr für die L 821n gebaut wird. © Stefan Milk © Stefan Milk

Er versteht nicht, warum die Stadt die Erich-Ollenhauer-Straße nicht zumindest für Radler freigibt. Platz genug sei trotz Baustelle da, meint er. „Ohne Autoverkehr ist die Straße sogar sicherer als sonst“, sagt Schalow. So werde Bergkamen dem Anspruch, eine „fahrradfreundliche Stadt“ zu sein, jedenfalls nicht gerecht.

Der Landesbetrieb Straßen NRW weist die Schuld an der Komplett-Sperrung zurück. Das sei nie die Absicht gewesen, sagte Sprecherin Nilgün Ulbrich auf Anfrage. Der Landesbetrieb habe eigentlich geplant, zumindest eine Spur auf der Erich-Ollenhauer-Straße offenzuhalten und den Verkehr über eine Baustellenampel zu regeln. Dagegen habe jedoch die Feuerwehr Bedenken gehabt: Sie befürchtete, dass Rettungsfahrzeuge im Stau vor der Ampel steckenbleiben könnten.

Nur deshalb sei es zu der jetzigen Regelung gekommen: Die Erich-Ollenhauer-Straße ist für den Verkehr komplett gesperrt. Nur Rettungsdienst, Polizei und Linienbusse können die Baustelle passieren, indem sie an einer Ampel grünes Licht anfordern. Das soll übrigens einige Autofahrer nicht hindern, die Spur ebenfalls zu nutzen, haben Oberadener schon beobachtet.

Der Stau beginnt schon an Kreuzung mit „Am langen Kamp/Buckenstraße“. Autofahrer kommen kaum auf die Goekenheide Richtung Weddinghofen und Mitte. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Die Spitze der Stadtverwaltung, die der Sperrung noch vor wenigen Tagen zähneknirschend zugestimmt hatte, sucht jetzt angesichts des Chaos auf den Straßen nach einer Lösung. Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD) hat sie für die kommende Wochen angekündigt. Bis dahin hofft er, dass das Wochenende und der Feiertag am Montag zumindest für eine Entspannung sorgen.

Hoffnung setzt Schäfer auch darauf, dass die Stadtwerke (GSW) bis zum Jahresende damit fertig sind, eine neue Gasleitung auf der Erich-Ollenhauer-Straße zu verlegen. Das sind dann noch acht Wochen – lange, aber nicht so lange wie die sieben Monate Komplett-Sperrung, die eigentlich angekündigt sind.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann