Die Bergwerksdirektorenvilla am Ostenhellweg in Bergkamen erstrahlt wieder in neuem Glanz. Im Vergleich zu früher hat sich viel verändert. © Stephanie Tatenhorst
Immobilie der Woche

Wohnen wie ein Bergwerksdirektor: „Die Decke ist 3,85 Meter hoch“

Halb hinter einer dicken Hecke versteckt, schien sie über Jahrzehnte im Dornröschenschlaf zu liegen. Nun herrscht wieder Leben in der alten Bergwerksdirektorenvilla. Aus der Reihe „Immobilie der Woche“.

Jahrelang hatte jeder Vorbeifahrende Mitleid mit der alten Villa am Ostenhellweg in Bergkamen, bei der Putz und Farbe von der Fassade blätterten, deren Fenster marode wirkten und deren Garten verwildert war. Bis sie Ende der 1990er Jahre verkauft wurde. Über Jahre renovierten und sanierten die neuen Besitzer das Gebäude und verwandelten das einstige Gutshaus und die spätere Bergwerksdirektorenvilla in ein Prachtstück.

Ein großer Kamin beherrscht den Wintergarten.

Inzwischen hat das denkmalgeschützte Haus wieder den Besitzer gewechselt: Hans-Ulrich Vahlbruch und seine Frau Brigitte schalten und walten hier nun. „Ich erinnere mich noch gut an das heruntergekommene Gebäude“, sagt Vahlbruch. Damals fuhr er auf dem Weg zur Arbeit täglich daran vorbei und hatte einen Traum: „Einmal in so einem Gebäude wohnen dürfen.“ Dass es ihm inzwischen gehört, ist fast schon ein Zufall.

Einst riesiges Anwesen am Ostenhellweg

Einst war das Gebäude Zentrum eines riesigen Anwesens, das sich durch den Bau des Ostenhellwegs verkleinerte. „Heute würde das nicht mehr genehmigt“, ist sich Vahlbruch sicher. Er steht auf der Treppe des einstigen Haupteingangs des herrschaftlichen Hauses – und keine fünf Meter hinter ihm donnert lärmend ein schwerer Lastwagen vorbei. Lediglich die breite Hecke bietet optischen Schutz vor der Lärmquelle. Man braucht Phantasie, um sich die halbrunde Vorfahrt vorzustellen, die es hier laut Vahlbruch einst gegeben haben soll und über die Kutschen und erste moderne Fahrzeuge Besucher zum Haus brachten.

Die Laterne über dem einstigen Haupteingang. Mit der Struktur der Decke wollte man bereits hier Eindruck schaffen. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Heute wird der Haupteingang kaum noch genutzt. Die Familie Vahlbusch betritt die Villa über den einstigen Dienstbotengang. Im Inneren führt eine schlichte Holztreppe nach oben. Vahlbruch hat noch die Originalpläne des Hauses, und weiß, wie es damals im Inneren aussah. Am Zuschnitt der Räume hat sich bis heute fast nichts verändert. An der Nutzungsart schon.

Im Erdgeschoss waren ursprünglich nur die Salons

„Früher bestand das gesamte Erdgeschoss aus Salons und Empfangsräumen“, weiß Brigitte Vahlbruch. Einer dieser Salons ist heute die riesige, aber dennoch gemütliche Wohnküche des Ehepaares. Die Schlafräume der Herrschaft waren früher im Obergeschoss, das Gesinde war unter dem Dach untergebracht. Die Fenster sind so hoch angebracht, dass die Bediensteten den Herrschaften im Garten nicht zuschauen konnten.

Aus der einstigen Wirtschaftsküche wurde das Badezimmer – und wer darin steht, muss die Sanitäranlagen schon fast suchen, stünde nicht mitten im Raum eine riesige Badewanne. Das legten die Vorbesitzer so an, sagt Brigitte Vahlbruch lachend und verrät, dass die Enkelkinder diesen Raum gerne zum Versteckspiel nutzen.

Die Zeche Werne (hier in den 1940er Jahren) war das Revier des Bergwerksdirektors. © Archiv © Archiv

Um aus der unteren Etage eine Wohnung zu machen, wurde eine Wand eingezogen – und zwischenzeitlich gab es mal Pläne, einen Kachelofen einzubauen. Das weiß Hans-Ulrich Vahlbruch aus den Plänen von 1914 und schätzt, dass der Krieg den Plänen einen Strich durch die Rechnung machte. Ein wenig bedauert er es, dass das nie umgesetzt wurde. „Ich liebe Kachelöfen, aber dass es ihn nicht gibt, ist Klagen auf hohem Niveau“, sagt er augenzwinkernd. „Man muss auch noch ein paar Träume haben.“

Stuckdecke im Schlafzimmer ist noch original

Denn tatsächlich verfügt die Wohnung des Ehepaares über viel Platz. Es sind die hohen Decken, die den unglaublichen Raum schaffen. Brigitte Vahlbruch muss sich deutlich recken, um an die oberen Etagen der Hängeschränke in der Küche zu kommen – aber trotzdem hängen darüber noch in zwei Reihen Bilder. In einer Ecke steht eine alte Anrichte. „Die ist 2,60 Meter hoch“, weiß der Hausherr. „Aber die Decke ist 3,85 Meter hoch“, sagt Vahlbruch. Dabei ist die Decke abgehängt, genau wie nebenan im Wohnzimmer.

Die Stuckdecken im Schlafzimmer sind noch original. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst
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„Ich habe Angst, sie herunterzunehmen“, gesteht der Hausherr. Denn er glaubt, dass das Abhängen nicht ohne Grund geschah. Im Schlafzimmer, das noch die Originaldecke hat, ist nämlich eine wunderbare Stuckdecke. „Wenn es die noch überall gäbe, dann wäre das toll“, sagt Ulrich Vahlbruch.

Original dürfte noch der Fußboden sein. „Das ist zentimeterdickes Echtholz“, sagt Vahlbruch mit Blick auf das im Fischgrätmuster verlegte Parkett. Vor einiger Zeit fiel ein riesiger Spiegel um und zerschellte auf dem Boden in tausend Splitter. „Das Parkett hat davon nicht einen einzigen Kratzer bekommen“, staunt der Eigentümer und geht weiter in den Wintergarten, in dessen Ecke ein gemauerter Kamin zu finden ist. Diesen Raum musste das Ehepaar als einzigen beim Einzug sanieren – unter Denkmalschutzauflagen. Durch die neuen Sprossenfenster wandert der Blick automatisch in den parkähnlichen Garten.

Im Garten wurde viel entfernt

Dort wurde in den 70er Jahren viel verändert und abgebaut. Betonsockel weisen noch auf eine schmiedeeiserne Pergola hin. Auch das große Zufahrtstor verschwand zu der Zeit und das Jugendstilgeländer wurde ebenfalls abgebaut. „Das ist eine Schande“, empfindet Vahlbruch.

Durch die Sprossenfenster des Wintergartens fällt der Blick in den parkähnlichen Garten. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

An das Haus der einstigen Zeche Werne kamen das Ehepaar über ihren Sohn, der einst in der oberen Etage der Villa zur Miete wohnte. Doch der Vermieter wollte zunächst das gesamte Anwesen verkaufen. „Das waren 12.000 oder 15.000 Quadratmeter“, erinnert sich Vahlbruch. Für das Lehrerehepaar utopisch. „Ich wollte auch eigentlich mit 60 kein Haus mehr kaufen“, gibt Vahlbruch zu. Aber dann wurde das Grundstück geteilt, und Vahlbruch schlug doch zu. Aus der Altbauwohnung ging es in die Villa. „Viel hat sich nicht verändert“, sagt Brigitte Vahlbruch mit Blick auf Wohnverhältnisse und Mobiliar. Außer, dass das Ehepaar nun einen riesigen Garten hat, und das Gärtnern erst lernen muss.

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