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Abteilungsspitze spricht über Stolz und Ziele

BVB-Handball

Als Aufsteiger in Deutschlands Eliteklasse gleich auf Platz sechs und im Final Four des DHB-Pokals - die Erstliga-Handballerinnen von Borussia Dortmund dürfen bisher zufrieden sein. Über ihre weiteren Ziele haben BVB-Abteilungsleiter Andreas Heiermann, Sportleiter Jochen Busch, Trainerin Ildiko Barna und Kapitänin Sally Potocki mit Gerd Strohmann und Dirk Krampe gesprochen.

DORTMUND

, 15.02.2016, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Abteilungsspitze spricht über Stolz und Ziele

Trainerin Ildiko Barna, Abteilungsleiter Andreas Heiermann, Kapitänin Sally Potocki und Sportleiter Jochen Busch (v.l.) beim Redaktionsbesuch.

Haben Sie in der Hinrunde Ihre Erwartungen übertroffen? Ildiko Barna: Mit diesen vielen neuen Spielerinnen und einem neuen Abwehrsystem bin ich stolz auf die Hinrunde. Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen, wie schnell sie sportlich und menschlich zusammengewachsen sind. Das hatte keiner so erwartet.Ihre Mannschaft ist zuletzt von Sieg zu Sieg geeilt...Barna: Nach der WM-Pause haben wir uns noch einmal gestrafft, das stimmt. Wir haben Selbstvertrauen, wir gewinnen auch Spiele, in denen wir nicht so gut spielen. Aber wir dürfen auf der anderen Seite nicht erwarten, dass das einfach so weitergeht jetzt.  

Im vergangenen Jahr war es Ihre Hauptaufgabe, bei den vielen Verletzungen die Moral hochzuhalten. Was war jetzt die große Herausforderung? Barna: Der Wechsel auf die höheren Anforderungen. Dazu kamen viele neue Gesichter, zum Teil Spielerinnen, die aus Profiklubs kamen. Die trafen auf Halbprofis. Das zusammenzufügen war die wichtigste Aufgabe neben der Stabilisierung der Abwehr.

Was war für Sie der größte Unterschied zur letzten Saison, Frau Potocki? Sally Potocki: Ich habe ja meistens zweite Liga gespielt, der Sprung war für mich sehr groß. Und dann brauchst du jemanden, der dir hilft, der dir Tipps gibt. Die erfahrenen Neuzugänge wie Anne Müller, Clara Woltering oder Nadja Nadgornaja haben da sehr wertvolle Arbeit geleistet. Wir sind wirklich eine Mannschaft, und wie schnell das geklappt hat, das hat mich schon überrascht.Andreas Heiermann: Ich hätte auch nicht erwartet, dass das so reibungslos läuft. Da kommt die für mich beste Torhüterin Europas zu mir und fragt, wie sie im Verein helfen kann. Das ist Teamgeist, da kriege ich jetzt gerade Gänsehaut, wenn ich drüber rede. Da haben die Trainerin und Sportleiter Jochen Busch großartige Arbeit geleistet.

Kam dieses schnelle Zusammenwachsen für sie überraschend, Herr Busch? Jochen Busch: Um ehrlich zu sein, nein. Wir haben die Herkulesaufgabe in der vergangenen Saison bewältigt. Da sind wir zusammengewachsen. Und ich kenne die Trainerin ja mittlerweile auch lange genug. Ich wusste, dass sie die Spielerinnen so auswählt, dass sie auch charakterlich passen.Barna: Ich bin nur ein Teil, ohne die Einstellung der Mädchen hätte das nicht funktioniert.

Sally, welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der Hinrunde, was kann man für die Rückrunde erwarten? Potocki: Wir haben schon noch Luft nach oben. Das Spiel gegen Celle zum Beispiel hätten wir deutlicher gewinnen müssen. Stattdessen kassieren wir am Ende doofe Gegentore. Wir haben uns auch gesagt, dass wir das rausbekommen müssen aus unserem Spiel, gegen eine Spitzenmannschaft wie Thüringen würde so ein Spiel dann noch kippen.

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Haben Sie als Abteilungsleiter genau deshalb in der Rückrunde vor allem die Entwicklung der Mannschaft im Auge, unabhängig von einem Tabellenplatz? Heiermann: Ob wir Fünfter, Sechster oder Siebter werden, spielt für mich nicht so eine große Rolle. Wir wollen Nachhaltigkeit, wir wollen etwas entwickeln. Dazu gehört, dass unsere Zweite die Klasse hält. Das sieht auch unsere Trainerin so.

Wie gut tut das Erreichen des Final Four, Herr Busch? Busch: Man kann jetzt schon sagen, dass die Saison ein Erfolg ist. Wir wollten nichts mit dem Abstieg zu tun haben, dieses Ziel ist schon erreicht. Das Final Four erreicht zu haben, kommt oben drauf. Wir müssen uns jetzt neue Ziele setzen. Wir können ja jetzt keinem mehr erzählen, uns reicht nur ein Nichtabstiegsplatz. Rechnen können die Spielerinnen auch.

Welches Ziel wäre das? Busch: Wenn wir am Ende Platz 6 bestätigen könnten, wäre das klasse. Dass wir eine erfolgreiche Saison haben, kann uns aber ohnehin keiner mehr kleinreden.

Sie sind in Reichweite der Europapokal-Plätze. Käme das zu früh? Barna: Wir bräuchten sicher eine größere Breite im Kader, wir bräuchten eine Zweite, in der wir Spielerinnen entwickeln, die aber in der Not auch sofort helfen könnten. Es wäre nicht einfach, weil wir schlicht auch Spielerinnen haben, die noch arbeiten. Die Belastung mit vielen Englischen Wochen und Reisestrapazen kennen wir nicht.Potocki: Als Spielerin muss ich sagen, das wäre schön (lacht). Wir reden im Team darüber auch, wir wissen, dass das nicht einfach würde.Heiermann: Wir müssen die wirtschaftliche Komponente im Auge behalten. Handball-Herren verdienen gutes Geld international. Im Frauen-Handball ist das umgekehrt. Da haben wir ein großes Struktur-Problem. Warum ist die HBF (Bundesliga Frauen) nicht in der Lage, diese internationalen Spiele so zu vermarkten, dass es zumindest am Ende ein Nullsummen-Spiel ist? Ich bin enttäuscht, wie viel da im Argen liegt.

Hieße, der BVB würde einen Verzicht erwägen? Heiermann: Wir sind da ja noch im Konjunktiv. Aber ich glaube, die Trainerin würde mich steinigen. Und Präsident Dr. Rauball auch.

Was sagen Sie den Spielerinnen, die Sie nach den Perspektiven für die nächste Saison fragen? Busch: Wir wollen unseren Weg weitergehen. Eigentlich sind wir unserem Dreijahresplan schon voraus.Barna: Aus meiner Sicht wäre es wichtig, die Strukturen zu verbessern. Wir können jetzt sportlich nicht immer weiter wachsen, wenn das Umfeld nicht mitwächst.

Womit wir beim Thema Halle wären... Heiermann: Ich würde dazu grundsätzlich gern etwas sagen. Es geht um Angebot und Nachfrage. Für 500 Zuschauer brauche ich keine neue Halle. Wir freuen uns über die Steigerung bei unseren Zuschauerzahlen. Aber da kann noch mehr kommen. Haben wir 1500 oder 2000 im Schnitt, haben wir ganz andere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Aber dafür brauchen wir Nachhaltigkeit, nicht Einmal-Effekte. Deshalb brauchen wir keinen Sponsor, der vielleicht in zwei, drei Jahren keine Lust mehr hat. Wir müssen uns entwickeln, auch die HBF muss sich entwickeln.

Wie kann diese Entwicklung vonstatten gehen? Busch: Ich bin gefragt worden, ob der EM-Erfolg der Männer positive Effekte haben wird. Ich habe gesagt, nein. Denn das ist nicht vergleichbar. Der Damen-Handball hinkt hinterher mit seiner Nationalmannschaft. Du brauchst ein Leitbild, ein Team mit Vorzeigecharakter.Barna: Du musst gute Leistungen auch gut verkaufen. Da sind wir beim Marketing. Wir haben die beste Torhüterin Europas, ich würde mir einfach wünschen, dass wir da beim BVB auch unsere Ressourcen des BVB nutzen.

Herr Heiermann, Sie hätten beim Thema Halle gern auch die Stadt im Boot... Heiermann: Ich finde es generell klasse, dass sich Borussia Dortmund Gedanken über eine neue Halle macht, aber eigentlich ist es doch auch ein Problem der Stadt. Was gibt Dortmund für ein Bild ab, wenn da in einer Zeitung in Ostwestfalen steht, wir hätten eine schmuddelige Halle. Mein Wunsch ist: Wir wissen, dass unsere Halle schmuddelig ist, aber lasst uns die schmuddelige Halle doch erst einmal vollkriegen. Nur 1000 Zuschauer bei dem tollen Sport, den wir bieten: Das ist eigentlich peinlich!

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Handball, Bundesliga: Frisch Auf Göppingen - BVB 20:26 (8:14)

Bilder der Bundesliga-Partie zwischen Frisch Auf Göppingen und Borussia Dortmund.
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Bilder der Partie Göppingen gegen BVB.© Foto: Stummbillig
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Wie könnte man Synergien der BVB-Familie nutzen? Heiermann: Man kann sicher in ein paar Dingen besser zusammenarbeiten, um Öffentlichkeits-Wirksamkeit zu erzielen. Aber es ist nicht so, dass da nichts versucht wird. Denken Sie an die Video-Botschaft der Fußball-Profis vor unserem ersten Heimspiel. Das war richtig klasse, solche Aktionen bringen uns weiter. Warum nicht einmal unsere Spielerinnen als Models für den Fanartikel-Katalog? Solche Maßnahmen stärken auch die Marke Borussia Dortmund.

Und wie weit sind Sie mit der Kaderplanung? Barna: Wir sind auf einem guten Weg. Ich würde gerne die Breite stärken. Mein Wunsch ist, Stella Kramer auf Rechtsaußen nicht länger allein zu lassen. Einen großen Umbruch wie im vergangenen Jahr wird es nicht geben. Mit der Mannschaft, wie sie gerade zusammen ist, bin ich zufrieden.

Wird der Etat steigen? Heiermann: Wir müssen auf dem Teppich bleiben. Das Gute bei unserer Trainerin ist, dass sie meistens Wünsche äußert, die man auch erfüllen kann (lacht).

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