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Kein Meistertitel für den BVB: Dr. Rauball spricht von Diskriminierung

Handball

Die beiden Verbände der höchsten deutschen Ligen treffen unterschiedliche Entscheidungen in der Meisterfrage und sorgen für Unverständnis.

Dortmund

, 21.04.2020, 16:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Handball-Damen von Borussia Dortmund müssen auf ihre Meisterfeier verzichten.

Die Handball-Damen von Borussia Dortmund müssen auf ihre Meisterfeier verzichten. © Stephan Schuetze

Die Coronavirus-Pandemie hat die Handball-Bundesliga der Herren (HBL) und Frauen (HBF) zum Saisonabbruch gezwungen. Aber nur in einer der beiden Ligen-Verbänden kürt einen Meister.

Bei den Herren hat Rekordmeister THW Kiel den wohl ungewöhnlichsten Titel seiner Vereinsgeschichte zugesprochen bekommen. Bei den Frauen ist Borussia Dortmund über die Entscheidung, nicht als Meister ernannt worden zu sein, einfach nur enttäuscht.

BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball zeigt sich fassungslos ob der Entscheidung der HBF, die Borussia trotz 17 Siegen aus 18 Partien nicht zum Meister zu küren. „Ich habe kein Verständnis dafür. Der Sport wird mit Füßen getreten“, sagte Rauball am Dienstag im Gespräch mit dieser Redaktion.

„Bei den Männern wird der Spitzenreiter zum Meister ausgerufen, bei den Frauen aber nicht. Das hat Anzeichen einer Diskriminierung, denn es gibt keine sportlichen Argumente für diese Entscheidung.“ Für die Spielerinnen und die Verantwortlichen des BVB sei das ein herber Tiefschlag, „der nicht leicht zu verarbeiten sein wird“.

Auch Andreas Heiermann, Abteilungsleiter Handball beim BVB, zeigt sich fassungslos. „Die Entscheidung wird einen nachhaltigen negativen Touch für den Damenhandball hinterlassen. Es gibt beim Handball keine Gleichbehandlung zwischen Mann und Frau. Das halte ich für dramatisch.“

Die Bundesliga der Frauen wurde schon Mitte März abgebrochen. Erst gestern veröffentlichte der Ligen-Verband dann, dass der aktuelle Tabellenführer Borussia Dortmund nichts als Meister gekürt wurde.

Die offizielle Begründung der HBF lautete: „Maßgeblich für diese Entscheidung war, dass zum Zeitpunkt des Abbruchs noch fast ein Drittel der Saison zu spielen war und u. a. auch das direkte Duell zwischen dem Tabellenzweiten SG BBM Bietigheim und Tabellenführer Borussia Dortmund ausstand“, heißt es in der Pressemitteilung der HBF.

Ein Punkt Unterschied

Beide Mannschaften trennte zum Abbruch ein Zähler. Das Hinspiel hatte der BVB (34:2 Zähler) gegen Bietigheim (33:3 Punkte) deutlich mit 38:32 gewonnen. Auch im DHB-Pokal hatte Borussia Dortmund das Duell gegen Bietigheim mit 29:27 gewonnen. Der BVB bekommt als Spitzenreiter den Champions-League-Platz zugesichert. Für Bietigheim beantragt die HBF eine Wildcard für die Champions League. Für Borussia Dortmund wäre es der erste Deutsche Meister-Titel im Frauenhandball gewesen.

Harmonischer lief es bei den Herren ab. Mit großer Mehrheit beschlossen die 36 Klubs der 1. und 2. Herren-Liga am Dienstag das vorzeitige Ende der Spielzeit 2019/20 in beiden Klassen. HBL-Präsident Uwe Schwenker bezeichnete den Abbruch als „sehr bitter, aber alternativlos“.

Kurz darauf bescherte das HBL-Präsidium mit seiner Festlegung auf die sogenannte Quotientenregelung dem THW die erste Meisterschaft seit 2015 und die insgesamt 21. in seiner Historie. „Wir freuen uns. Es ist eine große Bestätigung, eine große Anerkennung für das Geleistete“, sagte Kiels Sport-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Eine Party mit den Fans bleibt allerdings aus.

Die Quotientenregelung wertet die Abschlusstabelle nach einem bestimmten Modus: Bei jedem Team wurde die Anzahl der Pluspunkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt und anschließend mit 100 multipliziert. „Die Quotientenregelung ist von allen Szenarien die gerechteste Lösung“, sagte Schwenker. Absteiger gibt es keine.

Liga mit 20 Teams

Die weiteren internationalen Startplätze gehen an Vizemeister SG Flensburg-Handewitt, der wie Kiel in der Champions League starten wird, sowie den SC Magdeburg, die TSV Hannover-Burgdorf und die Rhein-Neckar Löwen (Euro League). Der HSC 2000 Coburg und TuSEM Essen steigen aus der 2. Liga auf, sodass die kommende Erstliga-Saison mit 20 Mannschaften bestritten wird. Wann wieder gespielt werden kann, ist aber noch unklar. „Im Moment ist der 31.8. der Fixpunkt, bis zu dem Großveranstaltungen verboten sind. Das ist ein gutes Datum für uns“, sagte Schwenker.

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