Anzeige


BVB-Frauen stellen Weichen für neue Saison

Kapitänin Potocki verlässt die Borussia

Fünf Niederlagen in Serie - manche davon waren zu erwarten - haben das schöne Gesamtbild der Handballerinnen von Borussia Dortmund zuletzt ein wenig getrübt. Gerd Strohmann und Vanessa Dumke sprachen mit BVB-Trainerin Ildiko Barna und dem Sportlichen Leiter Jochen Busch über den bisherigen Saisonverlauf des Aufsteigers und die Perspektive fürs nächste Jahr.

Dortmund

, 20.04.2016, 12:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sally Potocki        BVB-Frauen          31.10.2015
Foto: Peter Ludewig

Sally Potocki BVB-Frauen 31.10.2015 Foto: Peter Ludewig

Die Begeisterung rund um die BVB-Frauen hat zuletzt ein paar Kratzer bekommen.

Barna: Mit Platz sieben können wir als Aufsteiger sehr gut leben. Wir haben zwar drei Nationalspielerinnen verpflichten können, die anderen Spielerinnen müssen in der ersten Liga erst einmal ankommen. Die Erfolgsserie zuvor hat uns alle ein wenig verwöhnt, die Erwartungen, die da vielleicht geweckt wurden, können wir noch nicht erfüllen. Und die Misserfolge zuletzt, die können wir nicht so einfach von den Schultern werfen.

Busch: Wir sind voll im Soll. Manche haben offenbar gedacht, wir könnten sofort um den Titel mitspielen. Wir konnten das immer richtig einordnen, es war uns klar, dass es nach unserer Siegesserie so nicht weitergeht, dass auch Rückschläge kommen. Wir werden jetzt auch ernster genommen, das darf man nicht vergessen. Wichtig aber ist, der Funke muss von uns wieder aufs Publikum überspringen. Ich sehe viele neue Gesichter in der Halle, wir dürfen schon stolz sein auf das, was wir in den vergangenen knapp zwei Jahren erreicht haben. Vielleicht haben wir Anfang des Jahres ein wenig über unsere Verhältnisse gespielt.

Jetzt lesen

 

Aber die Stimmung innerhalb des Teams hat arg gelitten.

Barna: In guten Zeiten hat man mehr Freude als in schlechten. Natürlich zweifelt die Mannschaft an sich, stellt mehr Fragen, bekommt von mir mehr Kritik. Aber Tragödien spielen sich nicht ab!

Busch: Klar ist die Stimmung bei Siegen besser, und bei Frauen ist es noch schwieriger als bei Männern. Derzeit ist die mentale Stärke nicht da, und sicher stellt sich auch die Qualitätsfrage.

 

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus der Saison mit?

Busch: Ganz einfach: Um den nächsten Schritt zu gehen, müssen wir die Qualität erhöhen. Klar würden wir auch gern auf den Spielerinnen-Markt gehen, aber wir sind an unseren Etat gebunden, der sich nicht erhöht. Wir müssen die Sache vorsichtig angehen und haben mit Svenja Huber bereits die vielleicht stärkste Rechtsaußen der Liga verpflichtet.

Barna: Wir müssen Träume und Realität auf eine Ebene bringen. Natürlich wollen wir uns weiterentwickeln, aber das geht nur mit einem vernünftigen Aufbau, mit punktuellen Verstärkungen.

Jetzt lesen

 

Wo genau?

Barna: Der rechte Rückraum hat sicher nicht überzeugt, da waren wir viel zu wechselhaft. Rafika Ettaqi war leider häufiger verletzt. Es sieht jetzt auch so aus, dass uns Sally Potocki, mit der wir uns nicht einigen konnten, und Sarolta Selmeci verlassen werden.

Busch: Wir sind in konkreten Verhandlungen mit einer starken ungarischen Spielerin, mit großer Qualität in der Abwehr, erfahren und intelligent.

Barna: Und wir werden weiter die von Dr. Reinhard Rauball gewünschte Schiene fahren, junge Talente hochzuziehen, sie einzubinden, eine gewisse Nachhaltigkeit im Verein zu schaffen. Aber da muss man Geduld haben. Wir freuen uns, dass wir die Juniorinnen-Nationalspielerin Leonie Oehme von Blomberg-Lippe verpflichten konnten, ein großes Talent, das auch bei anderen Bundesligisten sehr begehrt war.

Jetzt lesen

 

Am Ende der Saison, am 20./21. Mai, wartet das Final Four in Leipzig noch auf die BVB-Frauen.

Barna: Ja, und wir haben damit auch etwas Besonderes geschafft. Es wäre sehr schön, wenn wir mit ein paar Siegen im Rücken und so mit einem guten Gefühl nach Leipzig fahren könnten. Aber wir haben mit der Qualifikation schon eine Menge für unseren Ruf und unser Image getan.

Busch: Schon jetzt sind 400 Karten für den BVB-Block verkauft. Eine tolle Bilanz, unsere Fans freuen sich auf das Event.

Barna: Und auch wenn zuletzt vielleicht ein paar Zweifel gekommen sind, die Spielfreude ein wenig gelitten hat: In Leipzig haben wir nichts zu verlieren, da müssen wir nicht verkrampft auflaufen. Ich hoffe, das hilft uns.

BVB verpflichtet Bleckmann
In Dana Bleckmann vom TV Aldekerk wird zukünftig ein hochveranlagtes Nachwuchstalent ins Trikot der Drittliga-Formation des BVB schlüpfen. Nicht zuletzt dank der herausragenden linken Rückraumspielerin schaltete Aldekerk Borussias C-Jugend aktuell im Halbfinale um die westdeutsche Meisterschaft aus. Das hoffnungsvolle Talent, selbst Jahrgang 2001, beim DHB aber bereits mit den Spielerinnen des Jahrgangs 1998 unterwegs, wird mit einem Zweitspielrecht ausgestattet. Weiterhin bleibt sie ihrem Heimatklub treu und spielt dort in der B-Jugend. Bleckmann, die schon mehrfach am Training der BVB-Frauen teilnahm, soll von allen Seiten ganz behutsam an höhere Aufgaben herangeführt werden.  PL

 

Lesen Sie jetzt