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BVB-Frauen vor Topduell in Bietigheim: Last-Minute-Neuzugang und Zuschauerchaos

BVB-Handball-Frauen

In der HBF steht das absolute Spitzenspiel an. Die BVB-Frauen sind bei der SG BBM Bietigheim zu Gast. Vor dem Spiel gibt es Verwirrung um die Zuschauer – und einen Neuzugang beim Gegner.

Dortmund

, 29.10.2020, 19:33 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schon in der vergangenen Saison lieferten sich der BVB und die SG Bietigheim, hier mit Nationalspielerin Kim Naidzinavicius (l.), ein umkämpftes Duell in der Bundesliga – am Ende hatten die Borussen um Kapitänin Alina Grijseels (M.) mit dem 38:32-Sieg die Nase vorne.

Schon in der vergangenen Saison lieferten sich der BVB und die SG Bietigheim, hier mit Nationalspielerin Kim Naidzinavicius (l.), ein umkämpftes Duell in der Bundesliga – am Ende hatten die Borussen um Kapitänin Alina Grijseels (M.) mit dem 38:32-Sieg die Nase vorne. © Ludewig

Bietigheim gegen den BVB. Mehr geht im deutschen Frauen-Handball nicht. Passend dazu wird das Prestigeduell um die Vormachtstellung in der Handball Bundesliga Frauen (HBF) am Freitag um 19.30 Uhr auch live im Free-TV bei Eurosport übertragen.

Doch nicht nur das Duell an sich sorgt im Handball für Aufsehen – schon im Vorfeld der Partie gab es Aufregung. Bietigheim, das am vergangenen Sonntag bei der Champions-League-Niederlage gegen CSM Bucuresti noch vor leeren Rängen in der Ludwigsburger MHPArena spielen musste, verkündete am Montagnachmittag, dass die örtlichen Behörden 500 Zuschauer für das Spiel gegen den BVB genehmigt haben. Die Karten gingen in den Verkauf. Auch nachdem am Mittwoch die Bund-Länder-Runde beschließt, dass der Profi-Sport ab dem 2. November ohne Zuschauer auskommen muss, bleibt Bietigheim bei den 500 Zuschauern im BVB-Spiel. „Das ist doch Wahnsinn“, kommentierte BVB-Abteilungsvorstand Andreas Heiermann.

Am Donnerstagmittag bestätigt die Stadt Ludwigsburg gegenüber den Ruhr Nachrichten als Vermieter der MHP Arena dann plötzlich, dass doch keine Zuschauer erlaubt seien. Auf der Bietigheimer Geschäftsstelle gehen die Mitarbeiter am Abend vor der Partie aber immer noch davon aus, dass 500 Fans die SG unterstützen werden. Auf der Homepage sind bis zum späten Donnerstagabend immer noch Tickets zu haben. Der Verein war danach nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bietigheim holt einen Tag vor dem BVB-Spiel einen Neuzugang

Aber das ist noch nicht alles: Am Donnerstagnachmittag verkündet die SG plötzlich, dass sie kurz vor dem Topspiel noch eine neue Spielerin geholt hat. Die niederländische Weltmeisterin und Kreisläuferin Danick Snelder wechselt vom ungarischen Klub Siofok KC nach Bietigheim, nimmt schon am Abschlusstraining in der MHP-Arena teil.

Merel Freriks und die BVB-Frauen erwartet ein hartes Spiel in Bietigheim.

Merel Freriks und die BVB-Frauen erwartet ein hartes Spiel in Bietigheim. © Ludewig

„Wir müssen versuchen, uns auf das Spiel zu konzentrieren und alles andere ausblenden“, kommentiert BVB-Trainer André Fuhr die ganze Aufregung – alles andere als leicht: Die SG BBM Bietigheim ärgert sich über den DHB-Lehrgang von Montag bis Mittwoch, bei dem sieben Bietigheimerinnen und drei Dortmunderinnen eingeladen waren – „eine zusätzliche Belastung“ und eine „große Herausforderung“ heißt es im Vorbericht auf der SG-Homepage.

„Lächerliches Rumgeplänkel“, sagt André Fuhr, die Maßnahme hätte Bundestrainer Henk Groener mit Fuhr und Bietigheim-Trainer Markus Gaugisch abgesprochen. „Wenn man nach einer Ausrede sucht, findet man immer eine“, sagt Andreas Bartels, stellvertretender Abteilungsvorstand des BVB, der den Druck auf Seiten der Gastgeberinnen sieht.

Der BVB ist bisher ungeschlagen, Bietigheim hat durch ein Remis gegen den Thüringer HC bereits einen Minuspunkt auf dem Konto. Das war übrigens auch die Ausgangslage vor dem Hinspiel in der vergangenen Saison, das der BVB dann für sich entschied. „Sollten wir verlieren, können wir den Tabellenstand immer noch aus eigener Kraft wenden“, so André Fuhr, der seinen Kader durch Neuzugänge wie Jennifer Gutiérrez Bermejo vor der Saison noch einmal verstärkt hat. Aber auch in Bietigheim war man nicht untätig.

André Fuhr: „Vielleicht fehl ihnen ein bisschen die Stabilität“

Die SG hat Topspielerinnen wie die Niederländerin Angela Malestein verloren, dafür aber auch starke Zugänge wie Xenia Smits dazu bekommen, die in Blomberg unter André Fuhr zu einer internationalen Topspielerin reifte. Sind die Bietigheimer also stärker als in der vergangenen Saison? „Das ist schwer zu sagen“, bewertet Fuhr, „sie haben starke Typen in der Mannschaft, vielleicht fehlt ihnen aber noch ein wenig die Stabilität.“ Trotzdem, das weiß auch der BVB-Trainer, wird die SG im Topspiel hochmotiviert sein und – das Phrasenschwein lässt grüßen – „es wird auf die Tagesform ankommen“.

Bei aller Brisanz, die in dem Spiel steckt – für die BVB-Frauen ist es erst das siebte Saisonspiel. Von einer Vorentscheidung kann also noch keine Rede sein. Oder?

Der BVB würde mit einem Sieg wenigstens schonmal einen großen Schritt in Richtung Herbstmeisterschaft machen. Drei Punkte Vorsprung hätten die Schwarzgelben dann auf Bietigheim und Thüringen, hätten dazu bereits die SG und Metzingen geschlagen. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt André Fuhr nach einer langen Pause. „Aber ja, das stimmt, ich kann da ein Stück weit mitgehen.“ Trotzdem, schiebt der 49-Jährige hinterher, „es gibt für die Herbstmeisterschaft ja keinen Teller oder so etwas.“

Damit hat der BVB-Coach Recht – trotzdem wird das Duell am Freitagabend gegen Bietigheim ein ganz besonderes. „Es geht einfach um die Vormachtstellung im deutschen Frauenhandball“, erklärt Andreas Bartels. Und ein ganz kleines bisschen geht es auch um eine offene Rechnung: Einer der Gründe, warum die HBF dem BVB im vergangenen März nicht den Meistertitel zugesprochen hatte, war, dass noch das Rückspiel in Bietigheim ausgestanden hätte. „Auch deshalb wollen wir unbedingt gewinnen“, sagt Bartels.

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