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Alina Grijseels: „Weiß nicht, ob man sich vernünftig verabschieden kann“

BVB-Handball-Frauen

BVB-Handballerin Alina Grijseels erholt sich gerade von ihrer Verletzung. Der Liga-Abbruch hat ihre Comeback-Pläne aber genauso durchkreuzt wie Abschiede und Geburtstagspläne.

Dortmund

, 02.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
In den letzten Spielen des BVB vor dem Ligaabbruch musste Alina Grijseels (2.v.r.) wegen ihrer Verletzung auf der Tribüne Platz nehmen.

In den letzten Spielen des BVB vor dem Ligaabbruch musste Alina Grijseels (2.v.r.) wegen ihrer Verletzung auf der Tribüne Platz nehmen. © Ludewig

Eigentlich hätte Alina Grijseels gerade alle Hände voll zu tun. Am Wochenende sollte die Handballerin des BVB gegen den Buxtehuder SV wieder in den Kampf um die Meisterschaft einsteigen – würde also genau jetzt in der heißen Vorbereitungsphase nach ihrer Verletzung stecken. Und auch der 24. Geburtstag nächste Woche Sonntag müsste eigentlich vorbereitet werden. Eigentlich.

Aber wie für Millionen Menschen auf der Welt ist auch für Alina Grijseels das Leben gerade alles andere als normal. Keine Comebackziele nach der Verletzung. Keine Spielvorbereitung. Keine Geburtstagspläne. Und vor allem: Kein Deutscher Meister-Titel mehr am Ende des Weges nach dem Abbruch der Handball Bundesliga Frauen (HBF).

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„So richtig angekommen ist es bei mir in der Tat noch nicht“, gibt die Kapitänin der Borussinnen zu. Im Endeffekt hätten die Verantwortlichen bei der HBF aufgrund der Corona-Pandemie wahrscheinlich keine andere Lösung als den Abbruch für sich gesehen, erklärt Grijseels, aber: „Ich hätte mir eine Aussetzung des Spielbetriebs und damit verbunden eine ruhige Bewertung der Lage gewünscht“, ergänzt die 23-Jährige. „Aus sportlicher Sicht ist es für uns natürlich schon sehr enttäuschend.“

Immerhin hätte Grijseels mit dem BVB in ein paar Wochen Deutscher Meister werden können – das erste Mal in ihrer noch jungen Karriere, das erste Mal in der langen Vereinsgeschichte. „Aber die Gesundheit und das Wohl aller hat natürlich oberstes Gebot“, sagt die Rückraumspielerin, die über die sozialen Medien vom Ende des Titeltraums erfahren hat.

Alina Grijseels äußert sich zum Ringen um den Champions-League-Platz

Die HBF kommunizierte den Ligaabbruch am Mittag des 18. März, die Meldung kam auch schnell bei Alina Grijseels an, „wie das in den sozialen Medien nunmal so ist, ging das ganz schnell über Whatsapp, Facebook und Instagram, wir wurden aber natürlich auch vom Verein informiert.“ Auch wenn die meisten Handballerinnen den Ligaabruch mit zwei Wochen Abstand mehr oder weniger verdaut haben – eine wichtige Entscheidung der HBF steht für die Borussinnen noch aus: Der Champions-League-Platz, der normalerweise an den Meister geht, wurde von der HBF noch nicht zugeteilt.

Der BVB beansprucht den Startplatz eindeutig für sich, aber auch der Deutsche Meister von 2019, Bietigheim, will in der kommenden Saison in der Königsklasse spielen. Das bekräftigte der Sportliche Leiter Torsten Nick in einem Interview mit der „Bietigheimer Zeitung“. „Für die Startplätze in die internationalen Wettbewerbe sollte der letzte juristische Stand gelten – und das ist die Abschlusstabelle der Vorsaison“, sagte Nick.

„Dass die Bietigheimer“, die zum Zeitpunkt des Abbruchs nur zwei Punkte hinter dem BVB standen, „den Platz für sich beanspruchen, nun gut“, sagt Alina Grijseels, „aber aus sportlicher Sicht sollte uns der Champions-League-Platz zustehen“. Die Borussinnen haben Bietigheim in dieser Saison wettbewerbsübergreifend bereits zweimal geschlagen und außerdem auch beide Duelle gegen den Thüringer HC gewonnen. Die Situation sei jetzt extrem schwierig, vor der Aufgabe eine abgebrochene Saison zu bewerten, „stand die HBF ja noch nie“, so die BVB-Spielerin.

BVB-Kapitänin: „Im Gegensatz zur Situation jetzt wirkt die Verletzung wie ein kleines Problem“

Eine Frage, über die sich Grijseels bedingt durch die Corona-Krise erstmal keine Gedanken mehr machen muss, ist ihr Comeback nach ihrem Außenbandriss Anfang Februar. „Im Gegensatz zur Situation jetzt wirkt die Verletzung natürlich wie ein kleines Problem“, erklärt die 23-Jährige, die dem von Trainer André Fuhr ausgegeben Trainingsplan so gut es geht folgt. „Ich habe das Glück, dass ich vom Verein bestens betreut werde. Dazu gehört auch die physiotherapeutische Behandlung bei unserem Partner Orthomed.“

Auf ihr Comeback in der Halle wird Alina Grijseels vorerst noch warten müssen.

Auf ihr Comeback in der Halle wird Alina Grijseels vorerst noch warten müssen. © Stephan Schuetze

Bei den Besuchen in der Praxis ist die schwarzgelbe Kapitänin mit Desinfektionsmittel, Mundschutz und Handschuhen ausgestattet und versucht, vor Ort möglichst keinen Kontakt zu anderen Patienten zu haben.

Trotz Trainingsplan und den Besuchen bei Orthomed – die freie Zeit ist ungewohnt für die deutsche Nationalspielerin. „Sonst habe ich allerhöchstens mal vier Wochen Pause, aber auch in denen muss ich mich fit halten.“ Sollte die kommenden Saison normal im September starten können, liegen jetzt aber noch ganze vier Monate Pause vor den Bundesliga-Handballerinnen. „Das ist schon komisch“, sagt Grijseels, die trotzdem versucht, der Situation etwas Positives abzugewinnen: „Diese Zeit jetzt muss ich für mich nutzen, um wieder richtig fit zu werden.“

BVB-Handball-Frauen stehen vor ungewissen Abschieden

Und was macht eine Profi-Handballerin sonst in der Zeit von Kontaktverboten und Quarantäne-Maßnahmen? „Ich versuche im Moment, ein bisschen was von den Uni-Sachen nachzuholen“, erklärt Grijseels, die in Dortmund Lehramt studiert. „Ansonsten“, so die 23-Jährige mit einem Schmunzeln, „mache ich alles, was sonst liegenbleibt. Putzen, Sortieren, Unterlagen durchgehen.“

Ihr Team versuche auch gerade, einen Video-Chat für alle einzurichten, damit sich die Kommunikation nicht nur auf die Mannschafts-Whatsapp-Gruppe beschränke. Es könnte nämlich auch sein, dass Spielerinnen wie Bogna Sobiech, Asuka Fujita und Saskia Weisheitel, die den Verein offiziell Ende Juni verlassen werden, ihre Teamkolleginnen gar nicht mehr sehen werden – je nachdem wie lange die Corona-Pandemie andauern wird.

„Das ist schade, dass man nicht genau weiß, ob man sich vernünftig verabschieden kann, aber irgendwas werden wir uns schon einfallen lassen“, sagt Grijseels, die auch noch nicht genau weiß, wie ihr 24. Geburtstag nächste Woche Sonntag aussehen wird.

Geplant war eigentlich eine Familienfeier mit Kaffee und Kuchen, aber: „Im Moment sehe ich auch meine Eltern nicht persönlich, weil ich auch da kein Risiko eingehen möchte“, sagt Grijseels. Eins stehe in dieser ungewissen Zeit aber fest: „Das wird auf jeden Fall ein außergewöhnlicher Geburtstag.“

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