Handball

Chef der BVB-Handballerinnen kritisiert Spielplan: „Das ist ein Rätsel für mich“

Andreas Heiermann, Chef der Handballerinnen von Borussia Dortmund, ärgert sich über den Spielplan. Er nimmt die Handball-Bundesliga Frauen (HBF) in die Pflicht.
BVB-Abteilungsvorstand Andreas Heiermann steht in der Halle und spricht in ein Mikrofon.
BVB-Abteilungsvorstand Andreas Heiermann ist mit dem Spielplan nicht zufrieden. © Ludewig

Das Thema lässt Andreas Heiermann nicht los. Und das seit Jahren. Als am Montagnachmittag der neue Spielplan der Handball-Bundesliga Frauen durch die Handball-Bundesliga Frauen (HBF) veröffentlicht wurde, war der Chef der Handballerinnen von Borussia Dortmund, alles andere als erfreut, wie er im Interview mit den Ruhr Nachrichten verrät. Da hatte die HBF den 9. Spieltag ausgerechnet auf den 2. Weihnachtstag gelegt. Nicht zu vergessen, dass nach nur fünf Spieltagen eine einmonatige EM-Pause eingelegt wird. Der Dortmunder Handball-Chef nimmt die HBF in die Pflicht, hinterfragt sogar das eigene Engagement.

Herr Heiermann, was stört Sie an dieser Planung?

Das ist ein Rätsel für mich, wie die HBF so entscheiden kann. Ich finde das einfach nicht in Ordnung. Es geht hier nicht um mich, sondern um die Spielerinnen und deren Familien oder Kinder. Und natürlich auch um die Betreuer. Schon in der Vergangenheit, als wir immer am 27. Dezember spielen mussten, kamen die Spielerinnen ganz unglücklich zu uns und erklärten uns, dass sie nicht mit ihren Familien Weihnachten feiern konnten. Dass sie natürlich einen Tag vor dem Spiel anreisen mussten.

In diesem Jahr heißt das also, die Spielerinnen müssen am 25. Dezember, dem 1. Weihnachtstag, ihre Familien verlassen und in Dortmund sein.

Ja, absolut richtig. Und ich finde das sozial nicht verträglich. Wir reden doch von Weihnachten über ein sogenanntes Brauchtumsfest. Für Handballerinnen scheint das nicht zu gelten. Und vielleicht treffen wir uns sogar am Heiligabend zum Training wegen der großen Bedeutung des Spiels in Bietigheim.

Als Gegenargument könnte man einwerfen, dass viele Spielerinnen ja Profis sind.

Das stimmt aber noch nicht einmal zur Hälfte. 70 bis 80 Prozent der Spielerinnen im HBF-Bereich bewegen sich im Amateur-Bereich. Ich setze mich für diese Spielerinnen ein, aber genauso auch für die Profi-Spielerinnen. Man kann Frauenhandball doch nicht mit dem Boxing Day in England vergleichen, wo traditionell am 2. Weihnachtstag Sportveranstaltungen laufen. Da geht es um Millionengehälter der Spieler.

Was befürchten Sie ganz konkret?

Das kann ich ganz einfach sagen. Dass am 1. Weihnachtstag oder Heiligabend junge Spielerinnen, die gerade erst 19 oder 20 Jahre alt geworden sind, mit Tränen in den Augen zum Training erscheinen und Heimweh zu ihren Familien haben. Oder unsere ausländischen Spielerinnen vielleicht erst gar nicht nach Hause fliegen, weil sie über Weihnachten keine Flüge bekommen. Und wenn, nur extrem teure. Für eine Woche lohnt sich das einfach nicht, wahrscheinlich bleiben einige sogar über Weihnachten in Dortmund und werden ihre Familien gar nicht besuchen. Ich wiederhole mich nochmal. Das ist sozial unverträglich. Mir tun die Mädels total leid. Und genau deshalb spreche ich das an.

Werden Sie als Verein eigentlich von der HBF mit einbezogen in die Entscheidung, wann gespielt wird?

Nein, in keiner Weise. Dann hätten wir das Thema sicherlich auf den Tisch gebracht. Man muss sich das mal vorstellen. Unser Weihnachten sieht so aus. Wir treffen uns alle am 1. Weihnachtstag oder sogar am Heiligabend zum Training, fahren ganz früh am 2. Weihnachtstag mit dem Bus 450 Kilometer nach Bietigheim, spielen dann und setzen uns danach wieder für 450 Kilometer in den Bus. Das sind zehn bis zwölf Stunden Busreise und dazwischen das vielleicht wichtigste Spiel des Jahres beim Deutschen Meister.

Und dann ist da noch die EM-Pause, die nach nur fünf Spielen vom 23. Oktober bis 26. November geht. Was ist daran zu kritisieren. Immerhin läuft in dieser Zeit die Europameisterschaft.

Das stimmt natürlich. Und wir wissen natürlich alle um den Wert der Nationalmannschaft. Dennoch frage ich mich, wie ich das Produkt Frauenhandball eigentlich vermarkten soll? Wir haben am 21. Mai unser letztes Bundesligaspiel absolviert, starten erst nach 16 Wochen Pause wieder am 10. September in die neue Saison und hören nach fünf Spielen wieder für fünf Wochen auf. Unter diesen Umständen kann ich als Vereinsvorstand doch keine Fan-Base aufbauen, keine Sponsoren akquirieren. Von Anfang September bis Ende Dezember haben wir nur fünf Heimspiele. So werden wie ein starkes „Produkt Frauen-Handball“ nicht hinbekommen. Wir haben momentan nicht nur Stillstand in der Entwicklung, sondern einen klaren Rückgang.

Ihre Einwände sind einerseits professioneller Natur, was die lange Pause angeht, andererseits auch sehr emotional wegen Weihnachten. Was bezwecken Sie damit?

Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen bei der HBF mit der gleichen Leidenschaft und den gleichen Emotionen das Produkt Frauenhandball-Bundesliga weiterentwickeln wie wir. Wenn das nicht passiert, sehe ich keine gute Zukunft für den Frauenhandball in Deutschland. Wir als Borussia Dortmund müssen uns dann Gedanken über unser Engagement machen.

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