Anzeige



Das sind die Erwartungen an die Saison 16/17

BVB-Interview

Vier Monate Pause neigen sich dem Ende zu, am Samstag (19.30 Uhr) fliegt in der Halle Wellinghofen wieder der Handball. Borussia Dortmunds Frauen empfangen Frisch Auf Göppingen, im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die 1. Bundesliga ist der Vorjahres-Rang sechs der Maßstab. Gerd Strohmann, Thomas Schulzke und Dirk Krampe sprachen mit Trainerin Ildiko Barna, den Spielerinnen Nadja Zimmermann und Svenja Huber sowie Sportleiter Jochen Busch.

DORTMUND

, 08.09.2016 / Lesedauer: 6 min
Das sind die Erwartungen an die Saison 16/17

Daumen hoch vor der Saison: Trainerin Ildiko Barna, die Spielerinnen Nadja Zimmermann und Svenja Huber sowie Sportleiter Jochen Busch (v.l.).

Acht Wochen Vorbereitung liegen hinter Ihnen. Wie fällt Ihr Fazit aus? Ildiko Barna: Es war schon sehr lang, das merkt man dann auch. Aber ich kann sagen, dass die Mannschaft hervorragend gearbeitet hat. Wir hatten das Problem, dass uns oft Spielerinnen gefehlt haben und die Belastung im Training für die anderen dadurch gestiegen ist. Jetzt ist jede froh, dass es endlich richtig losgeht.

Es gab am vergangenen Wochenende einen kleinen Dämpfer beim Turnier in Blomberg … Barna: Ja, das hat uns sicher nicht gefehlt. Aber vielleicht war es ein Weckruf, der uns sogar ganz gut tut. Man muss sagen, dass es sehr stressige Wochen waren, viele Reisen zu Testspielen und Turnieren. Wir haben bei fast allen einen guten Eindruck gemacht. In einer Vorbereitung gibt es immer Höhen und Tiefen, bei uns ist die Delle jetzt gerade am Ende gekommen. Wichtig ist, dass ich weiß, warum es so passiert ist.  

Lässt sich sagen, wo die Mannschaft steht? Barna: Das ist schwer. Die Spiele waren zum Teil sehr gut, fast schon zu gut. Das Turnier in Blomberg hat uns gezeigt, dass es noch Arbeit gibt, das ist sicher nicht verkehrt. Das größte Problem derzeit ist sicher die Kadergröße. Die Verletzten vermissen wir sehr.

Frau Huber, Sie sind neu in der Mannschaft. Wie groß ist das Kribbeln? Svenja Huber: Klar, alle warten auf den Samstag, dass es endlich losgeht. Keiner hat mehr Lust auf die Lauferei und den Kraftraum (lacht).

Wie sind sie aufgenommen worden in Dortmund, was ist das Besondere am BVB? Huber: Ich nenne das mal eine ganz spezielle Harmonie. Die Mannschaft hat es mir richtig leicht gemacht, hier Fuß zu fassen und reinzukommen.

Kann zu viel Harmonie auch störend sein, Frau Zimmermann? Nadja Zimmermann: Wir haben für jede Position zwei Spielerinnen. Man gönnt der anderen zwar auch den Erfolg, aber am Ende möchte man selbst natürlich auch spielen. Es gibt also einen gesunden Konkurrenzkampf. Aus meiner Sicht ist es perfekt so.Barna: Es ist wichtig, dass man sich versteht. Wenn es zu viele Grüppchen und Streit gibt, leidet die Konzentration auf die Aufgabe. Gerade wenn es mal nicht läuft, muss man als Gruppe zusammenrücken. Untereinander ist das bei uns gut, das Verhältnis zur Trainerin ist dann wieder eine andere Geschichte. Ich schimpfe halt öfter, aber dann halten die Mädchen umso mehr zusammen (lacht).

Einen besonderen Konkurrenzkampf gibt es auf Rechtsaußen. Zwei Nationalspielerinnen, die um Anteile buhlen. Wie nehmen Sie das wahr, Frau Huber? Huber: Ich kenne das nicht anders, auch in Erfurt war meine Konkurrentin eine Nationalspielerin. Es sollte ja so sein, dass man dann erst Recht das Letzte aus sich herausholt.  

Sie kommen von einer Spitzenmannschaft zu einer, die sich im zweiten Jahr in der Liga beweisen muss. Wie sieht aus Ihrer Sicht der nächste Schritt für den BVB aus? Huber: Ich finde es total richtig, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und nicht überhastet etwas übers Knie zu brechen. So wie ich es erlebt habe, haben wir noch einmal einen großen Schritt gemacht, was Trainingsintensität angeht. Zwei Mal täglich, daran muss man sich ja auch erst einmal gewöhnen.

Was erwarten Sie von Ihrer Mannschaft? Barna: In Sachen Training sind wir an einer Grenze angekommen, weil bei uns keine Vollprofis spielen. Die müssen alle noch arbeiten oder studieren. Von den Ergebnissen erwarte ich ehrlich gesagt keine signifikanten Steigerungen. Es war nicht damit zu rechnen, dass uns Nadja Nadgornaja komplett fehlen wird, auch wenn der Grund ein sehr schöner ist. Die weiteren Verletzungen von Clara Woltering und Alina Grijseels haben die Situation nicht verbessert. Da müssen wir ständig flicken. Und wenn du flickst, kann der Anzug nicht erster Klasse sein.

Welche Platzierung wäre demnach ein Erfolg? Barna: Vom Potenzial der Mannschaft ist ein gesicherter Mittelfeldplatz realistisch. Und damit würde sich niemand schlecht fühlen.Jochen Busch: Es hat sich gezeigt, wie schnell Pläne durch Verletzungen über den Haufen geworfen werden. Ich traue der Mannschaft einiges zu, aber andere, die hinter uns waren, haben einiges investiert. Wir müssen schauen, dass wir diesen Mittelfeldplatz bestätigen.

Frau Zimmermann, nach Alina Grijseels‘ Verletzung werden Sie noch schmerzlicher vermisst. Wie sehr müssen Sie sich bremsen? Zimmermann: Ich kann es nicht erzwingen. Ich merke die Fortschritte, aber das Werfen funktioniert noch nicht ganz so, wie ich es mir wünsche. Vielleicht klappt es in drei Wochen mit ersten Einsätzen.  

Es gibt einige Regeländerungen. Welche ist die gravierendste? Zimmermann: Für mich sicherlich das Spiel mit sieben Feldspielern. Einige Gegner werden das praktizieren. Darauf muss man sich als Abwehr erst einmal einstellen. Man darf auch nicht kopflos agieren, wenn man dann den Ball gewonnen hat.Barna: Wir haben es nicht so häufig trainiert, ich bin auch kein großer Freund davon. Es ist ein gutes taktisches Mittel für ein paar Minuten, um den Gegner zu überraschen. Um in Unterzahl wieder ein Sechs gegen Sechs zu schaffen, ist es okay. Es gab mal Überlegungen, im Männerhandball nur fünf Spieler auf dem Feld zu haben, jetzt spielen da sieben.

Herr Busch, der BVB konnte mit dem Aufstieg auch die Zuschauerzahlen steigern. Wie sieht der nächste Schritt aus? Busch: Es hat gegen Ende der Saison dann leider ein wenig nachgelassen. Aber wenn ich daran zurückdenke, wie voll mit Dortmunder Fans die Halle beim Final Four in Leipzig war und wie wir uns da präsentiert haben, stimmt mich das schon positiv. Leider gibt es gleich am Samstag wieder eine Überschneidung mit den Fußballern. Das kostet uns 200, 300 Zuschauer.

Wie sehr hat die Teilnahme am Final Four geholfen? Busch: Sehr. Wir haben es sicher schon geschafft, dass in der Stadt wieder über uns gesprochen wird. Auch bei uns im Haus. Ich weiß, dass der Vorstand beim DFB-Pokalfinale in Berlin im Hotel den Livestream geschaut hat. Die Akzeptanz ist sicher gestiegen. Wir bieten ab dem zweiten Heimspiel in dieser Saison auch einen Livestream im Internet an. Davon erhoffen wir uns weiteren Zuwachs und Bekanntheitsgrad.

Jetzt lesen

Die Fußballer des BVB sind mittlerweile ein echter Pokal-Klub geworden. Wie groß ist denn bei Ihnen als Spielerin die Sehnsucht nach einer Rückkehr ins Final Four? Zimmermann: Bei mir speziell natürlich groß, ich war ja verletzt. Ich würde gern mal teilnehmen und nicht nur auf der Tribüne mitfiebern. Mal sehen, es wird nicht leicht gleich mit dem Los Bad Wildungen. Aber wir haben ja auch im vergangenen Jahr starke Erstligisten geschlagen.Huber: Ich war mit dem Thüringer HC zwei Mal dabei und bin zwei Mal kläglich im Halbfinale gescheitert. Es ist eine ganz spezielle Atmosphäre, vier Fan-Lager, und dann beim Finale unterstützen einen auch mal Fans eines der ausgeschiedenen Klubs. Das gibt es ansonsten ja nicht.

Wird das zweite Jahr schwerer als das vergangene? Barna: Das vermute ich. Man kennt uns jetzt, niemand wird uns unterschätzen. Dazu kommen aktuell die Verletzungsprobleme. Ich glaube daher, dass unsere Hinrunde sicher schwierig wird und wir in der Rückserie mehr Punkte holen werden. Aber das ist nur mein Gefühl.

Ist es von daher sinnvoll, dass Sie nicht international vertreten sind? Barna: Eindeutig ja. Die Belastungen mit den Reisen und zusätzlichen Spielen sind immens. Nehmen wir nur unseren Neuzugang Harma van Kreij. Die wollte ich behutsam aufbauen. Jetzt ist sie schon im tiefen Wasser. Da gibt es kein peu a peu. Und in der nächsten Woche beginnt sie ihr Studium, hetzt zur Uni und abends zurück zum Training. Da muss ich immer lachen, wenn ich die Beschwerden der Fußballer höre.

Ohne eine große Portion Idealismus geht es nicht … Barna: Ich beschwere mich auch nicht. Bei uns ist es gut, nur sind die Voraussetzungen ganz andere. Diese Professionalität ist bei uns nicht möglich. Die Spielerinnen müssen arbeiten. Und gehen dann trainieren. Ihr Privatleben bin ich.

Lesen Sie jetzt