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Kramer: Ich habe seit Monaten dieses Ziel vor Augen

BVB-Rechtsaußen im Interview

Rechtsaußen Stella Kramer von Borussia Dortmund steht im erweiterten WM-Kader. Ob sie im ersten Spiel am Freitag auf der Platte steht? Wir haben mit der 28-Jährigen über ihre Erwartungen gesprochen.

Dortmund

, 26.11.2017 / Lesedauer: 5 min
Kramer: Ich habe seit Monaten dieses Ziel vor Augen

Tempogegenstöße versenkt Stella Kramer mit Vorliebe. Die Rechtsaußen von Borussia Dortmund ist durch ihre bisher 20 Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft „ein Stück gewachsen“, sagt sie. © imago

Vor zwei Jahren lag diese WM in weiter Ferne, jetzt stehen Sie im 24er-Kader. Können Sie das fassen?
Es ist total krass, wenn ich mir überlege, was in den letzten zwei Jahren passiert ist. Durch den Aufstieg mit dem BVB in die Bundesliga 2015, und wie meine persönliche Entwicklung in etwas höherem Alter (lacht) noch weitergegangen ist … Es ist allein großartig, hier bei der Nationalmannschaft dabei zu sein. Ich sauge alles auf, was ich mitnehmen kann.


Was saugen Sie auf?
Es gibt so viele Impulse, ich lerne unendlich viel vom Trainer und den anderen Spielerinnen. Sowohl handballerisch als auch menschlich. Diese Chance, ein Teil dieses Kreises zu sein, bekommt ja nicht jeder.


Wie groß ist die Nervosität im Kader? Noch muss der Trainer ja aussieben …
Wir ziehen trotzdem alle an einem Strang, ehrlich. Wir wollen eine unglaublich gute WM spielen. Natürlich gibt es einen gewissen Druck, man zittert, weil keiner weiß, ob er dabei bleibt oder nicht. Wir sind Teamplayer, wir brauchen für die WM Training auf hohem Niveau. Daran hat jeder seinen Anteil, egal ob er später auf der Platte steht oder nicht.

Was sagt Ihr Gefühl, bleiben Sie im Kader?
(überlegt) Das steht noch nicht fest. Es kann viel passieren, ich muss gesund bleiben. Ich denke, es ist alles offen.


Die Euro in Schweden vor einem Jahr war Ihr erstes großes Turnier, da haben Sie gesagt, dass Ihnen das Herz schon auch in die Hose gerutscht ist vorher. Wie sieht das aus mit der Erfahrung von jetzt 20 Länderspielen?
Ich bin einen Schritt weiter in meiner Entwicklung. Und eine WM im eigenen Land, das ist noch einmal eine andere Hausnummer. Ich gebe seit Wochen und Monaten sehr viel Kraft da hinein. Ich wünsche mir, auch für meine sportliche Laufbahn, dass ich die WM erleben darf.


Über wie viel Aufwand sprechen wir?
Sieben bis acht Einheiten pro Woche müssen es schon sein. Plus Spiel am Wochenende.


Wie oft gehen Sie „nebenbei“ noch arbeiten?
Ich arbeite drei volle Tage pro Woche bei Borussia Dortmund im Marketing. Das ist schon anstrengend im Gesamtpaket. Urlaub gab es in diesem Jahr nicht viel. Aber das war auch alles nachrangig, weil ich dieses Ziel, die WM, vor Augen hatte. Umso schöner wäre es, dabei zu sein.


Es bietet sich bei dieser WM auch die Chance, für den Frauen-Handball zu werben.
Das ist uns bewusst. So ein Großereignis bringt Aufmerksamkeit und vielleicht Sponsoren für uns und die Bundesliga, wirkt aber auch bis hinein in den Breitensportbereich. Wenn Kinder wieder zum Sport finden durch uns, wäre das fantastisch. Wir spielen also nicht nur für uns persönlich, sondern auch für unseren Sport.


Was trauen Sie Ihrer Mannschaft zu?

Wir müssen uns in der Vorrunde Selbstvertrauen holen und mit einer guten Platzierung in die K.o.-Spiele einziehen. Ab da sind alle Gegner stark. Unglaublich gerne möchten wir es bis ins Halbfinale schaffen. Aber das ist ein weiter Weg.


Sie spielen in der Vorrunde vor 6500 Zuschauern in Leipzig. Ist das großer Druck?
Mich spornt das zusätzlich an. Vor einer großen Kulisse zu spielen, motiviert mich.


Bundestrainer Michael Biegler arbeitet mit großer Hingabe an diesem Projekt. Wie würden Sie ihn und sein Verhältnis zur Mannschaft beschreiben?
Er ist ein super guter Trainer. Er sagt uns genau, was wir zu tun haben. Wir können ihm das volle Vertrauen geben, und wenn wir das tun, dann spielen wir gut. Er ist in der Ansprache sehr konkret. Er hat immer Lösungen für die Probleme, die wir auf dem Spielfeld erleben. Unsere 20 gemeinsamen Monate sind nicht viel Zeit. Wir werden am Ende sehen, ob es für den großen Wurf reicht. Definitiv ist jeder von uns ein Stück gewachsen.

Zur Person und zum WM-Fahrplan
Stella Kramer (28) von Borussia Dortmund ist in Herdecke geboren und aus ihrem Heimatort Marienheide über die HSG Blomberg-Lippe und den TV Beyeröhde 2009 zum BVB gekommen. Die Rechtsaußen ist 1,68 Meter groß, schnell sowie spiel- und abwehrstark. Sie kommt auf 21 Länderspiele. Beim BVB und in der Nationalmannschaft teilt sie sich ihre Position mit Svenja Huber. Auch die Borussinnen Nadja Mansson und Clara Woltering gehören zum 24er-Kader, der bis zum Turnierbeginn am 1. Dezember verkleinert wird.
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