Anzeige


Nach Topspiel-Sieg der BVB-Frauen: „Euch kann nur die HBF stoppen“

BVB-Handball-Frauen

Nach dem deutlichen Sieg über Titelkonkurrent SG BBM Bietigheim ist die Freude bei den BVB-Frauen groß - weckt aber auch Erinnerungen an das dramatische Ende der vergangenen Saison.

Dortmund

, 01.11.2020, 19:52 Uhr / Lesedauer: 3 min
Andreas Heiermann ist nach dem Sieg in Bietigheim am Freitagabend „ein Stein vom Herzen gefallen“.

Andreas Heiermann ist nach dem Sieg in Bietigheim am Freitagabend „ein Stein vom Herzen gefallen“. © BVB/Stummbillig

Die BVB-Handball-Frauen haben mit dem eindrucksvollen 28:22-Sieg über die SG BBM Bietigheim die Tabellenspitze in der Handball Bundesliga Frauen (HBF) übernommen. Mit 14:0-Punkten sind die Borussinnen das einzige noch verlustpunktfreie Team in der Bundesliga, dahinter folgen Bietigheim (13:3) und die HSG Blomberg Lippe (12:4). Ein Bild, das Andreas Heiermann natürlich gerne sieht. Der Abteilungsleiter des BVB bleibt nach dem imposanten Sieg seiner Handball-Frauen aber auf dem Teppich.

Herr Heiermann, ist Ihr Adrenalinspiegel mittlerweile wieder unten?

(lacht) Der war extrem hoch vor dem Anpfiff. Aber während des Spiels wurde ich von Minute zu Minute ruhiger – und hinterher war ich umso glücklicher, mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Die Mädels haben im Bus noch richtig getanzt und gefeiert.

Hätten Sie denn damit gerechnet, dass es am Ende so deutlich ausgeht?

Nein. Aber wir hatten wirklich einen sehr guten Tag, die Mannschaft hat überragend gespielt, alle haben das Maximum rausgeholt. Bietigheim war dagegen von Anfang an sehr nervös, hat viel verworfen. Wir wissen, dass sie noch viel besser spielen können.

Riesiger Jubel: Die BVB-Frauen nach ihrem Sieg über Bietigheim.

Riesiger Jubel: Die BVB-Frauen nach ihrem Sieg über Bietigheim. © BVB/Stummbillig

Wer soll Sie nach diesem Auftritt jetzt noch schlagen?

Ich glaube, dass wir schon noch ein paar schwierige Spiele haben. Wir müssen noch zwei Mal gegen Thüringen und jeweils einmal gegen Metzingen und Bietigheim ran. Auch die anderen Gegner muss man ernst nehmen. Aber wir sind natürlich der Favorit, das können wir jetzt nicht mehr leugnen.

Ist der Sieg auch eine Bestätigung dafür, dass Sie im Vorstand in den letzten beiden Jahren alles richtig gemacht haben?

Diese Arroganz habe ich nicht. Ich würde sagen, wir haben viel richtig gemacht. Aber wir haben so viele Top-Spielerinnen bei uns, die muss man auch bei Laune halten. In der Champions League müssten wir zum Beispiel drei, vier Punkte mehr haben, so etwas diskutieren wir natürlich auch intern. Also es ist nicht nur alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber es stimmt, wir haben ein super Team, die Betreuung klappt hervorragend. So gut war das noch nie, seit ich beim BVB bin. Da greift ein Rad ins andere.

Mit Blick auf die vergangene Saison: Ist der Sieg auch ein Beweis dafür, dass Sie in der vergangenen Saison den Titel verdient gehabt hätten?

Das ist natürlich eine Bestätigung. Wir haben jetzt die letzten drei Spiele gegen Bietigheim gewonnen. Ich würde mir einfach ein bisschen mehr Respekt und Anerkennung von deren Seite wünschen. Unser Respekt vor der SG ist wesentlich größer als der, den die vor uns haben. Entscheidend ist nunmal auf der Platte. Und da haben wir jetzt gezeigt, wer die beste Mannschaft in Deutschland ist.

Bei Bietigheim hat allerdings noch ein Top-Spielerin gefehlt. Die SG hatte am Donnerstag noch Weltmeisterin Danick Snelders verpflichtet. Die Niederländerin hatte sich auch mit warm gemacht, wegen eines fehlenden negativen Corona-Tests aber doch nicht gespielt.

Die ganze Geschichte ist ein Skandal. Eigentlich müssen einen Abend vor dem Spiel alle Tests vorliegen. Eine halbe Stunde vor Anpfiff haben wir dann erfahren, dass Danick Snelders nur einen Schnelltest gemacht hatte, der wird aber nicht anerkannt. Eigentlich hätte sie ohne einen negativen PCR-Test gar nicht auf das Spielfeld gedurft. HBF-Geschäftsführer Christoph Wendt hat dann vor Ort entschieden, dass er Bietigheim bis kurz vor Anpfiff Zeit dazu gibt, den negativen Test nachzureichen. Der Test wurde dann nicht mehr vorgelegt und Snelders durfte nicht spielen. Sie hätte sich aber gar nicht erst mit warmmachen dürfen, so sind die Regeln. Das war einfach verantwortungslos. Wir wollen uns in der Sache auch noch an den Verband wenden.

Bei all dem Wirbel um Danick Snelders: Vor Ort wurde am Freitagabend auch noch die neue Meisterschale präsentiert. Haben Sie die schonmal mit nach Dortmund genommen?

Ich saß hinter dem Tor, von da aus konnte man die Schale leider gar nicht sehen. Aber um die mit nach Dortmund zu nehmen, ist es noch viel zu früh. Vergangene Saison hatten wir auch drei Punkte Vorsprung, dann haben wir das Spiel gegen Metzingen verloren und es war wieder eng. Es sieht Stand jetzt gut aus, es fühlt sich gut an, aber ich will nicht zu früh jubeln. Wir werden einfach so weitermachen wie bisher. Bislang haben wir mit Delaila Amega auch nur eine Verletzte. Wenn es so weiterläuft, haben wir gute Karten.

In der vergangenen Saison lief es auch richtig gut – bis die Saison abgebrochen wurde: Haben Sie Angst davor, dass das wieder passieren könnte?

Ja, in jedem Fall. Nach dem Spiel haben mir am Freitag auf dem Weg zum Bus drei Fans gesagt: Euch kann nur die HBF stoppen.

Gibt es denn von Seiten der Liga einen Plan, wie die Saison bei einem erneuten Abbruch gewertet wird?

Nein, wir wissen da von nichts. Obwohl die HBF nach den Erfahrungen mit dem letzten Abbruch intern etwas hätte erarbeiten müssen. Aber noch einmal: Ich glaube, wir haben am Freitag gezeigt, wer die Nummer eins in der Liga ist.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Die BVB-Handball-Frauen haben das Bundesliga-Spitzenspiel gegen die SG BBM Bietigheim ganz sicher und souverän gewonnen. Vor der Partie gab es einen zusätzlichen Motivationsschub. Von Nina Bargel

Lesen Sie jetzt