Neuer BVB-Trainer André Fuhr im Interview: „Ich glaube an meine Qualität“

rnBVB-Handball-Frauen

André Fuhr ist der neue starke Mann beim BVB. Der Trainer soll den Handball-Bundesligisten unter die Top drei in Deutschland führen. Und hofft dabei auf Kontinuität, wie er im Interview verriet.

Dortmund

, 06.06.2019, 18:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Dienstag steht auch offiziell fest: André Fuhr ist neuer Trainer bei den Bundesliga-Handballerinnen von Borussia Dortmund. Wir haben mit dem neuen starken Mann über sein Engagement, die neue Mannschaft und die Ziele gesprochen.

Nach ihrem Aus bei der TuS Metzingen ging ja alles ganz schnell mit dem Wechsel zu Borussia Dortmund. Wann genau gab es die erste Kontaktaufnahme seitens des BVB?

Die erste Kontaktaufnahme fand kurz vor dem Final Four (26./26. Mai, Anm. d. Red.) statt.

Nicht einmal zwei Wochen später sind Sie schon Trainer beim BVB. Kann man so eine Entscheidung so schnell treffen?

Für mich war klar, dass ich weiter in der Bundesliga arbeiten möchte. Wir haben ja jetzt auch schon Juni, und es war nicht selbstverständlich, dass überhaupt noch so eine Möglichkeit entsteht. Zudem ist es ist ja auch nicht irgendein Verein. Sondern ich bin bei Borussia Dortmund.



Wie sehen Sie den Klub?
Das ist ein hervorragender Verein mit großem Potenzial. Dieses Potenzial ist im vergangenen Jahr nicht direkt abgeschöpft worden, das wissen wir alle, und da trete ich auch, glaube ich, niemandem zu nahe. Es ist einfach eine sehr gute Möglichkeit.
„Das Potenzial ist im vergangenen Jahr nicht direkt abgeschöpft worden.“
André Fuhr

Die Mannschaft wurde noch in enger Abstimmung mit Ihrem Vorgänger Gino Smits zusammengestellt. Wie bewerten Sie den Kader?

Wir haben alle Positionen doppelt und gut besetzt. Wir haben eine Mischung aus Jugend und Erfahrung. Und die Erfahrenen sind auch noch jung, hier ist keine Spielerin, die am Ende ihrer Karriere ist. Ob man jetzt Dinge hätte anders machen können? Darüber zu spekulieren, wäre müßig. Selbst wenn ich den Kader zusammengestellt hätte, würden wir vielleicht im September oder Oktober sagen: Dieses oder jenes hätten wir anders machen können.

Hatten Sie bereits Kontakt zu Spielerinnen aus Ihrer neuen Mannschaft?
Ich bin dabei, mit der ein oder anderen zu sprechen. Ich denke, es ist wichtig, sich darüber auszutauschen, was jetzt kommt - ohne dabei groß zurückzugucken.

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie gesagt, Sie hätten keine Lust, nach einem Jahr Metzingen noch einmal so schnell umziehen zu müssen. Was stimmt Sie zuversichtlich, gerade vor dem Hintergrund der doch recht hohen Trainer-Fluktuation der vergangenen Monate beim BVB, hier länger zu bleiben?

Es ist Sport. Und da weiß man bekanntlich nie, was morgen kommt. Das muss man ehrlicherweise sagen. Und es kann immer sein, dass es nicht funktioniert. Aus welchen Gründen auch immer. Dessen bin ich mir schon bewusst. Aber generell glaube ich erst einmal an meine Qualität. Und ich glaube auch an den Verein.



Was kann der Verein anders machen?
Ich denke, dass man bei Borussia weiß, dass man nur mit Kontinuität erfolgreich sein kann. Das hat in den vergangenen zwölf Monaten sicherlich nicht so gut geklappt. Davor allerdings mit Ildiko Barna auch eine ganze Zeit sehr gut. Es ist nunmal so, dass sich manche Entscheidungen im Nachhinein als nicht optimal herausstellen. Das kann man nur in den Momenten, in denen sie getroffen werden, nicht wissen. Aber ich bin optimistisch, dass wir das gemeinsam schaffen.

Sie standen bereits im vergangenen Jahr in Kontakt mit dem BVB, haben sich dann aber für Metzingen entschieden. War es am Ende vielleicht sogar eine glückliche Fügung, dass Sie jetzt mit einer rundum erneuerten Mannschaft beginnen können?

Das kann sein. Aber es ist schwierig, darüber im Nachhinein urteilen zu müssen. Ich finde, Borussia hatte in der vergangenen Saison auch sehr großes Pech mit Verletzungen. Nadja Mansson ist ausgefallen. Linda Mack ebenso wie Mira Emberovics. Am Ende fehlte noch Alina Grijseels. Also viele wichtige Spielerinnen. Da war es dann auch schon schwer, die Punkte zu holen, die man gerne gehabt hätte. Und dann waren es am Ende halt ein paar zu wenig. Wir hoffen jetzt, von einer solchen Verletzungsmisere verschont zu bleiben. Und dass wir Verletzungen durch die bessere Breite im Kader im Fall der Fälle besser kompensieren können.

„Ich sehe das als Nachteil, und wir sind sehr traurig, international nicht vertreten zu sein.“
André Fuhr

Sehen Sie es als Vorteil an, in Ihrem ersten Jahr nicht im Europapokal spielen zu müssen und damit keine Mehrbelastung zu haben?

Ich sehe das eher als Nachteil, und wir sind sehr traurig, dort nicht vertreten zu sein. Gerade die Nationalspielerinnen würden sich gerne auf internationaler Bühne präsentieren. Wir haben in Metzingen in der Gruppenphase nochmal sechs Spiele auf höchstem Niveau gehabt. So etwas tut der Entwicklung unheimlich gut.

Der Verein hat ambitionierte Ziele, will sich unter den Top drei in Deutschland etablieren. Das wollen Sie auch. Immer mal wieder fällt auch der Satz, man wolle auf absehbare Zeit auch mal einen Titel gewinnen. Wie weit sind denn Bietigheim und Thüringen weg?

Borussia war im vergangenen Jahr Siebter, ist also noch ein ganzes Stück weit weg. Selbst der Abstand zu Metzingen war ja sehr groß (15 Punkte, Anm. d. Red.). Das muss man erst einmal ausgleichen. Thüringen und Bietigheim haben überragend gespielt und sich überhaupt keine Blöße gegeben. Da muss man schon Geduld haben. Bietigheim ist eine unglaublich erfahrene Mannschaft, bei der aber auch irgendwann ein Umbruch kommen muss. Thüringen hat das schon geschafft und unter anderem mit Alicia Stolle und Emily Bölk zwei herausragende Talente im Kader.

Ziel dürfte also zunächst Platz drei sein. Wen erwarten Sie als ärgsten Konkurrenten? Ihre ehemalige Mannschaft vielleicht?

Metzingen hat einen Umbruch, aber eine gute Mannschaft. Davon bin ich überzeugt. Buxtehude hat den Umbruch bereits hinter sich. Die werden auch eine gute Rolle spielen. Leverkusen ebenso. Das werden unsere Hauptkonkurrenten sein.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt