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Operation Abschied: Woltering, Müller & Co. sagen unter Tränen auf Wiedersehen

BVB-Handball-Frauen

Mit großen Emotionen haben Clara Woltering und Anne Müller am Samstag ihre langen, erfolgreichen Karrieren beendet. Der 25:20-Sieg gegen Halle-Neustadt geriet zur Nebensache.

Dortmund

, 18.05.2019, 21:47 Uhr / Lesedauer: 3 min
Operation Abschied: Woltering, Müller & Co. sagen unter Tränen auf Wiedersehen

Die BVB-Spielerinnen feierten den Saisonabschluss mit ihren Fans. © Oliver Brand

Eine Minute und 14 Sekunden waren noch zu spielen, als Gino Smits seine Mannschaft noch ein letztes Mal in dieser Saison zu einer Auszeit bat. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt längst entschieden, der BVB führte mit 25:20, doch der Trainer wollte all jenen Spielerinnen die Gelegenheit geben, sich ihren verdienten Applaus abzuholen und sich zu verabschieden. „Das haben sie sich verdient“, sagte Smits. „Wenn Spielerinnen mit solch einer Karriere aufhören, dann muss man ihnen so einen Moment geben. Ich glaube, es war eine gute Auszeit. Vielleicht die beste der Saison.“

Es war eine dieser Situationen, die Clara Woltering später als „einen von ganz vielen Gänsehaut-Momenten“ bezeichnen sollte. Die Torhüterin stand gemeinem mit Anne Müller und Mira Emberovics auf der Platte, winkte ins Publikum. Keine von ihnen konnte die Tränen zu diesem Zeitpunkt noch wirklich unterdrücken. Von den Rängen der Bleichsteinhalle ertönte tosender Applaus, der kurz darauf orkanartige Lautstärke erreicht hatte.

Der Frauenhandball über ein Jahrzehnt geprägt

Jeder in der Bleichsteinhalle wusste es, in Woltering und Müller „verlieren wir zwei Typen, die den deutschen Frauenhandball über mehr als ein Jahrzehnt geprägt haben“, wie Torwart-Legende Andreas Thiel in einem emotionalen Abschiedsvideo, das nach der Partie in der Halle gezeigt wurde, erklärte. „Der deutsche Frauenhandball sagt Danke“.

Auch nach der Partie endete der Applaus von den Tribünen nicht, die große Abschiedszeremonie lief auf vollen Touren. Denn die, die da unten standen, waren in den vergangenen Jahren so etwas wie das Herz des Vereins gewesen. Nicht einfach nur Namen, zusammengewürfelt aus Buchstaben. Sie waren der Puls der vergangenen Jahre mit und seit dem Aufstieg der Borussia.

Dieses Herz, mit Woltering, Müller und all den anderen, wird nun in einem anderen Rhythmus schlagen oder eben ganz damit aufhören. Weil ein Teil des Herzens es selbst so will, und weil der Verein es in den vergangenen Wochen und Monaten - zum Teil notgedrungen - herausgeschnitten hat, um dem zuletzt oft kränkelnden Patienten Borussia Dortmund ein Stück weit neues Leben einzuhauchen.

Acht Spielerinnen verlassen den Verein

Acht Spielerinnen wechseln der Verein oder beenden ihre Karriere, sieben neue kommen im Sommer. Alle, die gehen, erhielten in einem emotionalen Video mit Grußbotschaften ehemaliger und aktueller Weggefährten ein großes Dankeschön. „Ich bin wirklich baff, das Video war überragend“, sagte Anne Müller, die wegen ihrer Bänder-Verletzung nicht auflaufen konnte. „Ich bin traurig, dass ich nicht gespielt habe, aber ich bin auch stolz darauf, was ich erreicht habe. Aber nun ist es Zeit zu gehen.“

Auch Woltering war zeitweise übermannt von ihren Gefühlen. „Ich habe es in den vergangenen Wochen versucht, vor mir wegzuschieben“, sagte die 36-Jährige. Die Partie am Samstagabend sei „kein leichter Ritt“ gewesen. Und dann schickte sie noch ein paar Worte an die Fans. „Tausend Dank an dieses phänomenale Publikum. Ich habe auf dem Feld schon Gänsehaut bekommen und mir ist es gar nicht so leicht gefallen, die Konzentration hochzuhalten.“

Sie habe vor dem Spiel noch gehofft, dass die 60 Minuten schnell vorbei seien. „Während des Spiels wollte ich es dann genießen, aber ich hatte ja da hinten auch noch eine Aufgabe zu erledigen.“ Und die verrichtete sie mit Bravour. Denn Handball, das mag man bei all den Feierlichkeiten und Verabschiedungen ja fast vergessen haben, wurde am Samstagabend ja auch noch gespielt.

BVB schließt die Saison auf Platz sieben ab

25:20 (11:8) gewann der BVB die Partie gegen den SV Union Halle-Neustadt. Weil gleichzeitig Leverkusen gegen Neckarsulm und Blomberg-Bloomberg-Lippe gegen Metzingen gewannen, schließen die Schwarzgelben auf Platz sieben ab.

Aber zurück zum Spiel und damit auch zu Clara Woltering: Acht Bälle parierte die Torhüterin allein in der ersten Halbzeit. Am Ende waren es 19. Jede einzelne Parade davon honorierte das Publikum mit einem Sonderapplaus. Dass der erste Durchgang kaum nennenswerte Szenen mit sich brachte - geschenkt. Ein 6:2-Lauf zwischen der 30. Und 40. Minute brachte die Vorentscheidung. Angeführt wurde dieser übrigens, und das ist auch eine dieser schönen Geschichten des Spiels, von Svenja Huber.

Die Rechtsaußen gehört zu den Spielerinnen, die den Verein ebenfalls verlassen. Huber wechselt zu Bayer Leverkusen. Gino Smits brachte sie über kompletten zweiten 30 Minuten. Huber dankte es mit drei Toren. „Man hat schon die ganze Woche gemerkt, dass die Emotionen bei jedem Training überschwappen. Das hat auch heute wieder gezeigt, was für ein gutes Team wir waren“, sagte Huber. Mit ihr gehen neben Woltering, Müller, Emberovics auch Hildigunnur Einarsdottir, Linda Mack, Nadja Mansson und Harma van Kreij.

Abschiedsspiel für Müller und Huber

Der Verein hatte am Ende noch eine Überraschung für Woltering und Müller parat. „Beide werden ein Abschiedsspiel bekommen“, sagte Andreas Heiermann, Abteilungsvorstand des BVB. „Wir wollen uns bedanken, weil beide mega Sportlerinnen sind.“ Zudem werde Borussia Dortmund die Trikotnummern 8 (Müller) und (16) in der kommenden Saison nicht vergeben. Ein gebührender Abschied für zwei große Sportlerinnen.

BVB: Woltering, ten Holte, Duijndam, Weisheitel (3), C. Müller (3), Kockel, Einarsdottir, Stockschläder (4), Fege (1), van Kreij (5), Huber (3), Fujita (2/1), Emberovics, Wulf, Bleckmann (3/2), Kriese (1)
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