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Woltering: "Wir wollen in die Hauptrunde"

Handball: Nationalmannschaft

An ihr geht kein Weg vorbei. Mit ihrer sportlichen Klasse, ihrer Mentalität, ihrer Emotionalität ist Clara Woltering ein ganz wichtiger Rückhalt in der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Gerd Strohmann sprach mit der 33-jährigen Torhüterin von Borussia Dortmund vor der Europameisterschaft in Schweden vom 4. bis 18. Dezember.

Dortmund

, 02.12.2016, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Woltering: "Wir wollen in die Hauptrunde"

DHB-Torhüterin Clara Woltering will mit dem deutschen Nationalteam bei der EM an die Leistungsgrenze gehen.

Seit 2003 sind Sie bei jedem internationalen Großereignis eine feste Größe in der Mannschaft. Kribbelt es vor dieser Woche auch noch?

Natürlich kribbelt es, die Vorfreude und die Anspannung sind groß. Es ist ja nicht immer die gleiche Mannschaft, der gleiche Trainer. Es muss einfach kribbeln, sonst kann ich meine Leistung nicht abrufen. Und es wird spannend sein zu sehen, wie wir uns weiterentwickelt haben.

Bundestrainer Michael Biegler versucht, den Druck von der Mannschaft zu nehmen, wenn er sagt, bei dieser EM sei ein Fehlschuss erlaubt, 2017 bei der WM im eigenen Land aber müsse die Patrone sitzen!

Es geht darum, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Wir sind noch nicht ganz soweit, wir brauchen mehr Spielpraxis, mehr Trainingslager. Aber wir können hoffentlich einige Gegner richtig ärgern.

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Worauf wird es ankommen?

Wir müssen dahinkommen, dass wir den Fokus auf uns richten, dass wir das spielen, was wir spielen wollen. Wir müssen versuchen, dem Spiel unseren Stempel aufzudrücken. Dann erst kommt der Gegner.

Wo sehen Sie noch Luft nach oben?

Wir machen noch zu viele technische Fehler, das müssen wir unbedingt abstellen. Und wir müssen auch ballsicherer werden. Wichtig ist es, dass wir die Qualitäten der Einzelnen auch ausspielen, dass sie zum Tragen kommen. Und die Abwehr muss flexibel denken und handeln.

Vor allem auch in Sachen Harmonie hat man schon lange nicht mehr so gute Botschaften aus der Mannschaft gehört.

(lacht) Ja, vieles passt derzeit auch zusammen. Alle kommen mit Freude, alle ziehen mit, alle sind bereit, sich gemeinsam etwas zu erarbeiten. Die Stimmung ist wirklich hervorragend, alle sind konzentriert und fokussiert, eine steht für die andere ein. Es ist wirklich ein Miteinander. Kurz gesagt: Der Teamspirit stimmt.

Was ist also möglich mit der Mannschaft?

Das lässt sich kaum beantworten. Wir haben sicher einen Schritt nach vorn gemacht, wir haben uns gegen tolle Schwedinnen nach einem 10:20-Rückstand zurückgekämpft und ein Remis geholt. Es war beeindruckend anzusehen, dass wir nicht eingeknickt sind. Wir müssen nun noch lernen, Fehler nicht zweimal zu machen.

Wann fährt Clara Woltering zufrieden von der EM nach Hause?

Wenn wir alles in den Topf geschmissen, aber dann gegen stärkere Mannschaften verloren haben, dann muss man das akzeptieren. Aber wenn wir nicht an unsere Leistungsgrenze herangekommen sind, auch das gab es in der Vergangenheit ja schon, das ist für mich dann sehr schwer zu verdauen.

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Das bedeutet für diese EM?

Ich will nicht nur mit Niederlagen heimreisen, ich will auch Spiele gewinnen. Ja, wir wollen in die Hauptrunde, dann hätten wir ein großes Ziel erreicht. Und irgendwie gehört es dann auch dazu, zumindest in einem Spiel mal über dem eigenen Limit zu spielen.

Hilft es, wenn alle von dem Projekt 2017, der WM im eigenen Land, reden?

Das heißt ja nicht, dass wir Fehler durchgehen lassen dürfen. Das geht so schnell bis 2017, jede Einzelne von uns muss schon jetzt voll konzentriert sein. Vielleicht können wir noch nicht ganz oben anklopfen, aber wenn wir einen Lauf bei dieser EM haben, dann sagen wir sicher auch nicht Nein.

Mit 17 Spielerinnen reist die deutsche Frauen-Nationalmannschaft zur Handball-EM in Schweden. Aus dem bisher 21-köpfigen Aufgebot wurden die Außen Maria Kiedrowski und Maike Schirmer sowie die Rückraumspielerinnen Caroline Müller und Jennifer Rode gestrichen.
Als zweite Rechtsaußen steht Stella Kramer von Borussia Dortmund im Kader, die sich gegen ihre Konkurrentin Schirmer durchgesetzt hat. „Eine Bauchentscheidung“, sagte Bundestrainer Michael Biegler. Für Kramer, die bisher sieben Länderspiele bestritten hat, ist es das erste Turnier.
Am Samstag muss Biegler seinen Kader noch einmal auf 16 Spielerinnen reduzieren. Ein Fragezeichen steht noch hinter Torfrau Dinah Eckerle, die sich im Training am Knie verletzte. „Da müssen wir die Diagnosen und Entscheidungen der Ärzte abwarten“, sagte Biegler.
Die DHB-Auswahl trifft in Gruppe B zum Auftakt am Sonntag auf den WM-Zweiten Niederlande. Weitere Gegner sind der Olympia-Zweite Frankreich (6. Dezember) und der WM-Vierte Polen (8. Dezember). Die drei besten Teams qualifizieren sich für die Hauptrunde.

 

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