Champions League

0:4 – Amsterdam zeigt dem BVB in allen Bereichen die Grenzen auf

Borussia Dortmund ist zurück auf dem Boden der Tatsachen. Beim 0:4 in Amsterdam ist der BVB in allen Belangen unterlegen und geht unter. Der Gruppensieg in der Champions League rückt in weite Ferne.
Mats Hummels kassierte mit dem BVB in Amsterdam einen herben Rückschlag. © imago / Revierfoto

Zweimal, dreimal, viermal blickte Marco Rose mit entsetztem Blick und fragenden Händen zu seinen Spielern, ehe der vierte Offizielle Borussia Dortmunds Trainer von der Außenlinie zurück in seine Coaching Zone schickte. Rose kehrte nach 60 Minuten ohne Antwort um, so wie seine Mannschaft die Herausforderungen, vor die Ajax Amsterdam sie stellte, nicht parieren konnte. Bei einer der schwächsten Auswärtsleistungen der jüngeren Vergangenheit geriet der BVB mit 0:4 (0:2) bei ganz starken Niederländern unter die Räder. Fußball total gegen totale Hilflosigkeit.

Hummels-Grätsche verhindert den sicheren Einschlag im BVB-Tor

Die „Ajacieden“ unter den 55.000 Fußballfans beklatschten und bejubelten nach einer Stunde jeden Pass ihrer Lieblinge, die Höchststrafe für den BVB, der sich nach diesem kollektiven Aussetzer gehörig wird schütteln müssen. In der ausverkauften und äußerst atmosphärischen Johan-Cruyff-Arena sorgten schon zu Beginn eine Lichtshow, Pyrotechnik und Feuerwerkskörpern für eine brisante Stimmung. Brenzlig wurde es auch gleich auf dem Platz.

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„Wir wissen, was da auf uns zurollt“, hatte Rose angekündigt und sah sich noch früher bestätigt, als ihm lieb war: Mit Ein-Kontakt-Fußball verlagerte Ajax auf die blanke linke BVB-Seite, nur eine Alles-oder-Nichts-Grätsche von Mats Hummels gegen Antony verhinderte den sicheren Einschlag (9.). Dann rettete Torhüter Gregor Kobel mit einem Reflex gegen Daley Blind (10.), eine Minute später schepperte es doch: Hummels verursachte gegen den flinken Antony unnötig einen Freistoß an der Strafraumkante, die scharfe Flanke von Dusan Tadic verlängerte BVB-Kapitän Marco Reus unglücklich per Kopf ins eigene Tor (11.). „Das nehme ich auf meine Kappe. Ich habe den Ball total falsch eingeschätzt“, sagte er nach der Partie.

Gregor Kobel bewahrt den BVB vor einem Desaster

Der Qualm im Stadion hatte sich verzogen, Dortmund sah klarer. Gegen das dynamische, flexible und passsichere Spiel der Niederländer benötigte es vor allem defensiv eine Top-Leistung. Rose schnappte sich nach 20 Minuten Hummels für eine Korrektur der taktischen Ausrichtung, von der Raute ging es situativ in ein 4-3-3 über, die Unterlegenheit auf den Flügeln, die Harmlosigkeit im Konterspiel blieb.

Denn es half nichts: Ein einfacher Doppelpass am BVB-Strafraum, Blind zog mit links ab und der Ball prallte vom Innenpfosten ins Tor – 0:2, gespielt waren noch keine 25 Minuten – und auch weiter keine Besserung in Sicht. Steven Berghuis zielte knapp daneben (29.), Sebastian Haller scheiterte an Kobel (32.), den Freistoß von Ryan Gravenberch drehte der BVB-Tormann an den Pfosten (41.). Strafstoß (Akanji gegen Haller, 44.) hätte es auch noch geben können. Die „gut geölte Maschine“ (Rose) der Platzherren entpuppte sich für den BVB als eine Achterbahn ohne Nothalteknopf. Oder anders: Dortmund wurde von Ajax weggeputzt.

Der BVB in Amsterdam: Fehlende Abstimmung und frustrierte Körpersprache

Als Haaland seinen ersten Torschuss abgab, war schon Halbzeit (45.). Die individuelle und mannschaftstaktische Überlegenheit von Ajax spiegelte sich da unter anderem in 11:2 Torschüssen wider. Borussia Dortmund beförderte das durch technische Unzulänglichkeiten, fehlende Abstimmung und eine zunehmend frustrierte Körpersprache.

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Champions League, 3. Spieltag: Ajax Amsterdam – BVB 4:0 (2:0)

Nach Wiederanpfiff ersetzte Emre Can den überforderten Nico Schulz, kurz darauf Thorgan Hazard den unsichtbaren Donyell Malen. Haaland hätte nach Hummels-Pass den Anschluss herstellen können, doch Remko Pasveer lenkte den Ball an den Querbalken (47.). Borussias Bester, Gregor Kobel, vereitelte gegen Gravenberch zunächst die Vorentscheidung (49.), das erledigte dann der herausragende Antony: Can und Julian Brandt schauten tatenlos zu, wie sich der Brasilianer den Ball zurechtlegte und ihn ins Tor drapierte (56.).

In zwei Wochen kommt es zum Wiedersehen in Dortmund

Haaland (67.) fand in Paasver einmal mehr seinen Meister. Sein Torjäger-Kontrahent Haller ließ sich von Hummels und Can nicht aufhalten, das 4:0 (73.). Damit hatte der Schrecken ein Ende, die Nachwirkungen dieses Albtraums dürften noch länger zu spüren sein. Zum Wiedersehen kommt es in zwei Wochen, der BVB muss dann zusehen, die gute Ausgangslage in der Königsklasse nicht vollends zu verspielen.