16 BVB-Nationalspieler unterwegs: In Dortmund beginnt das Zittern

rnBorussia Dortmund

Wenn am Montag gleich 16 Nationalspieler des BVB zu ihren Auswahlteams reisen, beginnt in Dortmund das Zittern. Die aktuelle Corona-Lage lässt die Sorgenfalten wachsen.

Dortmund

, 05.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alles andere als entspannt stellt sich derzeit das Infektionsgeschehen in vielen Metropolen Europas dar. Doch genau dort steigen in diesen Tagen etliche Länderspiele, wenn der Betrieb in der Fußball-Bundesliga für zwölf Tage ruht. Mittendrin: Profis von Borussia Dortmund. Insgesamt 16 Spieler entsendet der BVB ab Montag zu den diversen Verbandsteams, Spieler aus dem Kader von Cheftrainer Lucien Favre sind für Einsätze in Island über Moldawien bis Portugal oder Spanien nominiert.

BVB-Trainer Lucien Favre: „Wir müssen das akzeptieren“

„Es steht ein schweres Programm an, die Belastung ist hoch. Aber wir müssen das akzeptieren“, erklärt Favre. Ein schweres Programm, weil es für die meisten der abgestellten Spieler sogar bis zu drei Länderpartien binnen einer Woche geben könnte. „Es ist eine sehr intensive Phase“, betont Sebastian Kehl, Leiter der Dortmunder Lizenzspieler, und sein sorgenvoller Blick verrät, dass die Verantwortlichen des BVB nicht wirklich glücklich darüber sind, in diesen Tagen die Profis hinaus in die Welt ziehen lassen zu müssen.

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Nicht nur aufgrund der erhöhten Verletzungsgefahr, die zusätzliche Einsätze für Nationalmannschaften immer mit sich bringen. Mit Grauen erinnert sich der BVB noch an den jüngsten Ausfall von Thomas Delaney, der sich bei einem Länderspiel seiner Dänen gegen Irland im November 2019 verletzte, und dann monatelang nur zuschauen konnte. Was nun noch dazukommt, sind die Unwägkarkeiten rund um die Corona-Pandemie. „Die Schweizer mit Manuel Akanji spielen in Madrid, einem Corona-Hotspot“, merkt Sebastian Kehl im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten an. Auch im aktuellen Risikogebiet Brüssel werden sich Borussen-Profis bewegen: Axel Witsel und Thomas Meunier empfangen dort mit der belgischen Elf am Donnerstag die Elfenbeinküste. Danach geht es für die Belgier weiter zum Nations-League-Duell mit England um Jadon Sancho, dem wegen einer Party mächtig Ärger droht, nach London, auch auf der britischen Insel klettern die Infektionszahlen derzeit wieder rasant.

BVB will „Geschehen in den betreffenden Spielorten genau beäugen“

Sogar auf Island, wo die Belgier dann zum Abschluss ihres Spiele-Dreierpacks am 14. Oktober antreten müssen, gilt ein hohes Risiko. Ebenso für Raphael Guerreiros Portugiesen am Sonntag in Paris gegen Frankreich oder die deutschen Nationalkicker Julian Brandt, Emre Can und Nico Schulz für ihre Reise nach Kiew in die Ukraine. Mahmoud Dahoud soll dagegen nur im Testspiel für die DFB-Elf gegen die Türkei am Mittwoch in Köln mitwirken. „Wir werden das Geschehen in den betreffenden Spielorten genau beäugen“, erklärte Kehl, „wir sind in engem Austausch mit den Verbänden, dass die Spieler schnell zu uns zurückkommen.“

Die „klaren Richtlinien“, die sich Borussias Sportdirektor Michael Zorc vor wenigen Tagen von der FIFA gewünscht hatte, liegen mittlerweile vor. Der Weltfußballverband hat ein striktes, 145 Seiten umfassendes Präventiv-Protokoll verabschiedet, an das sich alle international spielenden Teams halten müssen. Es kommt dem Sicherheits- und Hygienekonzept der DFL, das die Bundesligaklubs seit Monaten verbindlich umsetzen, sehr nahe. Auch die FIFA setzt auf Abstandsregeln, minimierte Kontakte, häufige Corona-Testungen, angepasste Logistik rund um die Spiele sowie rigorose Kontrollen der beteiligten Teams. Darüber hinaus hat die FIFA auf die auch von den BVB-Verantwortlichen geäußerten Sorgen reagiert, dass eine angeordnete Quarantäne nach einer Rückkehr aus einem Risikogebiet den Spielbetrieb beeinträchtigen oder gar zu Wettbewerbsverzerrung führen könne. Michael Zorc hatte in der Vorwoche angedroht, Spieler nicht freizustellen, sollten sie nach der Rückkehr von ihren Nationalteams ein Pflichtspiel verpassen.

BVB-Spieler sollen bis spätestens 15. Oktober zurück in Dortmund sein

„Klubs müssen ihre Spieler nicht abstellen, wenn für den Ort des Länderspiels eine zwingende Quarantäne von fünf Tagen oder eine Reisebeschränkung zu diesem Ort besteht“, so entschied es die FIFA nun, gültig bis zum Jahresende. Eine Abstellungspflicht bestehe hingegen, wenn die Behörden den Mannschaften eine „Ausnahmebewilligung“ erteilt haben. Das Auswärtige Amt lässt beispielsweise für Rückkehrer aus dem Risikogebiet Belgien eine Umgehung der Quarantäne zu, wenn die Personen einen negativen Coronatest vorlegen können, der maximal 48 Stunden alt ist. Heißt: Axel Witsel und Thomas Meunier dürften im Optimalfall drei Tage nach dem Spiel auf Island für den BVB in Hoffenheim auflaufen.

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Die Lage aber bleibt fragil, schließlich gibt es täglich neue Corona-Entwicklungen. Was passiert in Norwegen, wo für Stürmer Erling Haaland drei Pflichtpartien anstehen? Oder bei den Juniorenteams des DFB, für die Felix Passlack (U21), Youssoufa Moukoko (U20) oder Ansgar Knauff (U19) auflaufen werden. Oder in Andorra, wo Jude Bellingham mit Englands U21 antritt? „Wir müssen abwarten, wie die Situation vor Ort ist“, sagt Michael Zorc. Viel mehr als abwarten kann die Borussia nun in der Tat nicht. Abwarten und hoffen, dass alle Spieler gesund und pünktlich, laut Plan spätestens am 15. Oktober, wieder zurück in Dortmund sein werden.

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