Abdou Diallo spielt eine gute erste BVB-Saison - und doch ändert sich alles mit Mats Hummels

rnBVB-Saisonrückblick

Solide Leistungen, innen wie außen. Abdou Diallo überzeugte in der vergangenen Saison durch seine Vielseitigkeit. Das könnte in seinem zweiten Jahr beim BVB noch wichtiger werden.

Dortmund

, 19.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Satte 28 Millionen Euro Ablöse. Für manche wäre das ein großer, vielleicht auch ein zu großer Rucksack auf dem Rücken. Abdou Diallo aber nahm die Summe mit der Gelassenheit, die sein Wesen generell ganz gut beschreibt. Diallo lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, auf dem Platz nicht, abseits des Platzes schon gar nicht.

Borussia Dortmunds zweitteuerster Transfer der Vereinsgeschichte hat die Erwartungen erfüllen können in seiner ersten Saison nach dem Wechsel von Mainz 05. Nicht durchgängig, was aber vor allem daran lag, dass ihn seine Vielseitigkeit in zwölf seiner 28 Bundesliga-Spiele der vergangenen Saison auf eine Position drückte, auf der er seine Stärken bei weitem nicht so ausspielen konnte wie auf seiner Stammposition. Geholt wurde er als Innenverteidiger, zu oft musste Diallo aber links aushelfen.

Diallos Vielseitigkeit wird ihm auch weiterhin helfen

Es war schon bemerkenswert, dass Trainer Lucien Favre auch an dieser Konstellation festhielt, als Alternativen für die linke Seite vorhanden waren. Neun der 15 Spiele, die der junge Franzose nach der Winterpause bestritt, bestritt er auf der linken Außenbahn. Gegen flinke und trickreiche Gegenspieler sah er dort nicht immer gut aus.

Diallo und Manuel Akanji, das war das Duo, mit dem die Borussia für die abgelaufene Saison plante. Als Diallo in Hoffenheim am fünften Spieltag die Rote Karte sah und nach einem Spiel Sperre zurückkam, musste er sich umstellen. Dan-Axel Zagadou hatte ihm den Platz neben Akanji streitig gemacht, dafür brauchte Favre einen Ersatz für den verletzten Marcel Schmelzer. Diallo übernahm klaglos Verantwortung, auch wenn mit zunehmender Dauer klarer wurde, dass es nicht seine Lieblingsposition ist.

Auf dem Platz legt Diallo seine Bescheidenheit ab

Auf eigenen Beinen zu stehen, das wurde dem 23.Jährigen früh mitgegeben. Das älteste von acht Kindern, die Mutter alleinerziehend – Abdou Diallo musste schon früh seinen Mann stehen. Seine Mutter habe ihm beigebracht, „in allen Lebenslagen ruhig zu bleiben“, sagt der immer höflich und bescheiden auftretende Franzose. Auf dem Platz ist er bereit, diese Bescheidenheit abzulegen. Als Kapitän geht er seit Jahren in den diversen Nachwuchsmannschaften voran, und auch wenn er die jetzt beginnende U21-EM wegen eines operativen Eingriffs absagen musste, scheint sein Weg nach oben offen.

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Diallo ging immer einen klaren Weg. Das Ziel, in Frankreichs Weltmeister-Kader aufzurücken, verfolgt er mit einer klaren Linie. Der Transfer von Mainz zum BVB hat ihn verstärkt ins Blickfeld gerückt. Seine Leistungen in der Innenverteidigung waren solide bis gut. 91 Prozent seiner Bälle brachte er in seinem ersten BVB-Jahr an den Mann, das beschreibt eine seiner Stärken. 80,67 Mal war er im Schnitt pro Spiel am Ball.

Außen leidet Diallos Zweikampfquote

Differenziert man zwischen seinen beiden Haupteinsatz-Gebieten, fällt die Diskrepanz zwischen seinem angestammten Platz innen und der Linksverteidiger-Position ins Auge: Aus im Schnitt fast 33 schnellen Läufen resultierten als Linksverteidiger nur 1,58 Flanken pro Spiel. Außen litt auch seine Zweikampf-Quote. 58 Prozent sind ausbaufähig.

Abdou Diallo spielt eine gute erste BVB-Saison - und doch ändert sich alles mit Mats Hummels

Abdou Diallo hat auf der Linksverteidigerposition defensiv wie offensiv noch Entwicklungspotenzial. © imago

Doch das Fazit unter sein erstes Jahr in Dortmund fällt uneingeschränkt positiv aus. Mit dem Wechsel habe er alles richtig gemacht. Daran lässt Abdou Diallo keine Zweifel aufkommen. Er fühlt sich wohl in einem Team, in dem viel Französisch gesprochen wird, auch wenn er fleißig Deutsch lernt. Sein Trainer versteht ihn, menschlich wie fußballerisch. „Und er gibt mir so viel mit“, schwärmt der Franzose. Er habe sich überall signifikant verbessert.

Wo sich Abdou Diallo noch verbessern muss

Und doch hat auch Abdou Diallo noch Luft nach oben. Alles andere wäre in seinem jungen Alter mit immer noch nur begrenztem Erfahrungsschatz (nur 45 Bundesliga-Spiele) auch ungewöhnlich. Resoluter Brände zu löschen, ist einer der Punkte, wo Abdou Diallo sich wie einige seiner Nebenleute sicher noch verbessern wird. In seinen 28 BVB-Einsätzen in der Bundesliga foulte er nur 21 Mal, es gehört zu seinen Prinzipien zu versuchen, Situationen anders, früher und sauber zu lösen.

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Abdou Diallo beschreibt sich selbst als Perfektionisten. Er schaut Videos seiner Konkurrenten, wählt bewusst den schwierigen Weg, um besser zu werden. „ich bin gewechselt, um auf ein höheres Niveau zu kommen“, sagt der 23-Jährige zu seiner Entscheidung für die Dortmunder Borussia. „Ich will mich gegen Widerstände zu beweisen.“ Die musste er auch in seinem ersten BVB-Jahr überwinden. Und wird daran weiter wachsen.

Das ist Diallos Perspektive für die neue Saison

Diallo wird zur neuen Spielzeit wieder nach innen rücken. Dort, wo er sich als Neuzugang im vergangenen Jahr gleich einen Stammplatz erkämpfte, galt er eigentlich zunächst als gesetzt – bis die sich anbahnende Verpflichtung von Mats Hummels die Situation komplett verändert hat.

Kommt der Deal zustande, wird Diallo aus einer hinteren Reihe um Einsatzzeiten kämpfen müssen auf einer Position, auf der die Konkurrenz ohnehin schon groß war. Auch Zagadou will sich nicht so einfach verdrängen lassen, Julian Weigl hat sich Innen neue Perspektiven verschafft. Wie schnell der junge Leonardo Balerdi das Niveau erreicht, bleibt abzuwarten.

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