Abheben ist für die BVB-Profis verboten - Lucien Favre wird für Systemumstellung belohnt

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Der BVB spielt gegen Düsseldorf wie aus einem Guss - und gibt Grund zur Hoffnung, dass der Sieg in Berlin ein nachhaltiger Brustlöser war. Lucien Favre wird für die Systemumstellung belohnt.

Dortmund

, 07.12.2019, 19:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kurz nach dem Abpfiff schlenderte Hans-Joachim Watzke vergnügt über den Rasen des Signal Iduna Parks in Richtung Spielertunnel. Der BVB-Boss sah zufrieden aus. Hier eine Umarmung, da ein freundliches Winken gen Tribüne. Dann verschwand er in den Katakomben - und hatte allen Grund zur Freude.

Denn Watzke hatte einen BVB gesehen, der gegen im zweiten Durchgang völlig überforderte Gäste aus Düsseldorf wie aus einem Guss spielte, mitunter Zauberfußball bot und das erschütternde 3:3 gegen den SC Paderborn, das so viele BVB-Fans vor zwei Wochen an gleicher Stelle noch so fassungslos zurückgelassen hatte, endgültig vergessen ließ.

Gruseliger BVB-Abend gegen Paderborn

Zu allzu großer Euphorie führte die Gala gegen Düsseldorf trotzdem nicht bei den Protagonisten in Schwarzgelb. Zufriedenheit ja, Selbstzufriedenheit nein, darauf wird es nun weiter ankommen bei Borussia Dortmund. Den eingeschlagenen Weg müsse die Mannschaft weitergehen, forderte Michael Zorc. Nach dem Paderborn-Spiel seien die richtigen Schlüsse gezogen worden, meinte der Sportdirektor - und schlug damit in dieselbe Kerbe wie Watzke vor zwei 14 Tagen bei der Mitgliederversammlung, als er verkündet hatte, er habe das Gefühl, dass in der Mannschaft etwas passiert sei nach diesem gruseligen Abend am 22. November.

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BVB-PK mit Lucien Favre und Friedhelm Funkel

Beim 1:3 in Barcelona waren davon bestenfalls Ansätze zu sehen, beim 2:1 in Berlin präsentierte sich der BVB dann endlich als geschlossene Einheit - und nun gegen Düsseldorf zeigte die Borussia, wie schön Fußball aussehen kann, wenn die nötigen Grundtugenden mit dem vorhandenem Talent in Einklang gebracht werden. Die Formkurve zeigt wieder in die richtige Richtung. Seit diesem 5:0 gegen Düsseldorf gibt es berechtigten Grund zur Hoffnung, dass der Erfolg in Berlin ein nachhaltiger Brustlöser war für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre, die in dieser Hinrunde viel zu oft durch Wankelmut aufgefallen ist.

BVB-Trainer Favre hat entscheidenden Anteil am Aufschwung

Entscheidenden Anteil am momentanen Aufschwung hat der Trainer, der mit einer taktischen Änderung Mut bewiesen hat - und dafür auch gegen Düsseldorf belohnt wurde. Favres Umstellung auf ein sehr offensiv ausgelegtes 3-4-2-1-System trug sowohl in Berlin als auch gegen die Fortuna zweimal spielerische Früchte. Die Mannschaft trat einmal mehr entschlossen auf, spielte zielstrebig nach vorne. Julian Brandt glänzte auch gegen die Fortuna in zentraler Rolle, Thorgan Hazard traf zum zweiten Mal nacheinander als Spieler in vorderster Front, Jadon Sancho und Marco Reus kombinierten gegen Düsseldorf wie zu besten Zeiten der Vorsaison.

All das macht Mut für die letzten vier Pflichtspiele des BVB in diesem Fußballjahr. Der Wind hat sich, wie das im Fußball manchmal so ist, sehr schnell gedreht in Dortmund - und die BVB-Profis sind bestens beraten, den aufkommenden Rückenwind mindestens bis in die Winterpause kräftig pusten zu lassen. Tragen lassen sollten sie sich, abheben dürfen sie nicht.

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