Alfred "Aki" Schmidt feiert seinen 80. Geburtstag

BVB-Idol

Heute begeht Alfred "Aki" Schmidt seinen 80. Geburtstag, am Sonntag wird groß gefeiert. Zuvor spielten sich die BVB-Legende und Hermann Beckfeld die Bälle zu. Unser Chefredakteur gab die Vorlagen, Schmidt, BVB-Idol und ehemaliger Nationalspieler, vollendete die Sätze.

DORTMUND

, 05.09.2015, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Junge war ich … ...ein Lumpsack. Ich pöhlte den ganzen Tag auf dem Bolzplatz. Schule war nur ein notwendiges Übel.

Der Dortmunder Vorort Berghofen steht für mich … ...für meine Kinder- und Jugendzeit. Unwillkürlich denke ich sofort an meine Eltern, die mich in schweren Zeiten immer behütet haben.

Mein Vorbild war … ...Fritz Walter. Ihn habe ich schon als Kind bewundert. Für mich ging ein Traum in Erfüllung, als ich mit dem großen Fritz zusammen in der Nationalmannschaft auflief. Ich glaube, wir hatten vieles gemeinsam, zum Beispiel, dass wir in der Nacht vor großen Spielen kein Auge zubekamen.

Wenn ich nochmal 20 wäre, … ...würde ich mit kleinen Abweichungen alles genauso machen. Nur eins steht fest: Ich würde mehr lernen.

Jetzt lesen

Als ich das erste Mal das BVB-Trikot anzog … ...da wusste ich: Ich bin angekommen.

Der BVB bedeutet mir … ...mein Leben.

Mein schönstes Erlebnis auf dem Platz war … ...natürlich der Gewinn des Europapokals in Glasgow mit dem BVB als erste deutsche Vereinsmannschaft.

Nicht so gerne erinnere ich mich … ...an die verlorenen Endspiele gegen Nürnberg und den Hamburger SV. Und als wir mit der Niederlage gegen 1860 München 1966 die Meisterschaft verspielten.

Der beste Trainer für mich war … ...Sepp Herberger. Aber dann kommt sofort Hennes Weisweiler, mit dem ich sehr gut befreundet war.

Trainer Helmut Schneider, der mich im Finale 1957 nicht aufstellte, würde ich heute sagen, … ...dass er feige und nicht ehrlich zu mir war. Und dass er sich von Spielern und Spielerfrauen nicht in die Aufstellung reinreden lassen durfte.

Viele Mitspieler vom Team, das 1966 im Finale stand, sind schon tot. Wenn ich erträumen könnte, wer von ihnen bei meiner Geburtstagsfeier dabei sein könnte … ...dann natürlich alle. Wir waren eine tolle Truppe. Bundestrainer Sepp Herberger hat mal gesagt, diese Elf wäre ihrer Zeit Jahrzehnte voraus. Als Kumpel hielten wir zusammen, wir kamen fast alle aus Dortmund und Umgebung und konnten als Mannschaft auch richtig ausgelassen feiern.

Meine ewige Mannschaftaufstellung des BVB wäre … ...so wie 1966 im Finale gegen Liverpool, weil mir dieses Team und diese Kumpel ans Herz gewachsen sind. Aber natürlich weiß ich, dass ich vielen anderen tollen Spielern nicht gerecht werde. Ich könnte bestimmt fünf, sechs Mannschaften aufstellen, mit Max Michallek oder Adi Preißler oder heute mit Marco Reus und Mats Hummels. Ach, es sind so viele, die ich aufstellen würde.

Beim ersten Länderspieleinsatz habe ich mit Boss Helmut Rahn das Zimmer geteilt. Wenn ich an den Weltmeister von 1954 denke, dann … ...denke ich an den besten Rechtsaußen der Welt und an einen ganzen besonderen Menschen. Aber ganz ehrlich. Mit ihm zusammen zu spielen, war unerhört schwierig. Er forderte ständig den Ball. Den Ball wieder abzugeben, war nicht sein Fall. Er suchte immer den Abschluss, wollte nur selbst Tore schießen. Wenn ihm das nicht gelang, war er nach dem Spiel stinkig und zu nichts mehr zu gebrauchen.

Das schönste Tor meiner Karriere habe ich geschossen … ... in Amsterdam beim 2:1 Sieg in meinem ersten A-Länderspiel. Ausgerechnet vom Boss, der ja ansonsten lieber selbst Tore erzielte als Vorlagen zu geben, bekam ich den Ball, lief auf den Torhüter zu, lupfte die Kugel über ihn, sprang über den Schlussmann, wobei ich strauchelte und zu Fall kam. Am Boden liegend habe ich dann den Ball ins Tor befördert.

Borussia Dortmund wird in dieser Saison … ...mindestens Platz drei erreichen. Es ist schon beachtlich, wie Thomas Tuchels Handschrift schon abzulesen ist. Er macht auf mich einen authentischen Eindruck. Das mögen die Menschen hier.

Der Unterschied zwischen Jürgen Klopp und Thomas Tuchel ist … ...meiner Meinung nach gar nicht so groß. Beide wollen unbedingt gewinnen, beide haben einen guten Draht zu ihren Spielern und heben nach den ersten Erfolgen nicht ab.

Wenn ich kein Fußballer geworden wäre, dann … ...auf jeden Fall Musiker. Ich hätte gerne Klavier gespielt, aber für intensiven Unterricht hatten meine Eltern verständlicherweise kein Geld.

Wenn ich heute lese, dass sich einige nach zwei guten Spielen als Star fühlen, denen würde ich sagen … ...bleibt bloß auf dem Teppich, den dauerhaften Erfolg müsst ihr euch schwer erarbeiten. Ich werde nie vergessen, wie ich nach dem normalen Training durch Berghofens Wälder gerannt bin. Aber auch nicht den Moment, als Bundestrainer Sepp Herberger nach einem Spiel mit dem BVB vor unserer Kabinentür stand und dem Betreuer sagte: Der „Aki“ Schmidt ist beim nächsten Länderspiel dabei.

Als Trainer war ich … ...sehr streng. Ich ließ nichts durchgehen.Zum Geburtstag wünsche ich mir … ...Gesundheit für alle Menschen und keine Kriege. Und für meine Borussia, dass „Aki“ Watzke und Reinhard Rauball noch ganz lange den Verein führen.Fürs Leben sehr geprägt hat mich … ...eine Szene kurz vor Kriegsende. Da kletterte ich nach dem letzten Bombenangriff aus dem Bunker und alles lag in Trümmern. Ganz allein stand ich da, in diesem Moment konnten mir auch mein Vater und meine Mutter nicht helfen. Da ging mir durch den Kopf: So etwas möchte ich nie erleben, so hilflos will ich nie mehr sein. Ich möchte immer für mich selbst sorgen können. Vielleicht sagen deshalb viele, ich hätte nicht einen Igel in der Tasche, sondern eine ganze Igelfamilie.

Lesen Sie jetzt