Alomerovic über ein Jahr 2. Liga und seine Jobsuche

Ex-BVB-Torwart im Interview

Zlatan Alomerovic hatte sich den Herbst 2016 anders vorgestellt. Doch anstatt beim 1. FC Kaiserslautern um den Aufstieg in die Bundesliga zu kämpfen, hält er sich bei seinem Ex-Klub Borussia Dortmund fit. Seit seiner Vertragsauflösung bei den "Roten Teufeln" Ende August ist er vereinslos. Matthias Dersch sprach mit dem 25-Jährigen.

DORTMUND

, 10.11.2016, 06:24 Uhr / Lesedauer: 3 min
Alomerovic über ein Jahr 2. Liga und seine Jobsuche

Zlatan Alomerovic löste im August seinen Vertrag beim 1. FC Kaiserslautern auf. Aktuell hält er sich bei der Dortmunder Zweitvertretung fit. Sein Ziel: die Dritte Liga.

Nach mehr als 100 Spielen für die Zweitvertretung des BVB haben Sie im Sommer 2015 den Sprung in die 2. Bundesliga gewagt. In Kaiserslautern aber wurden Sie nicht glücklich. Warum hat es nicht gepasst?

Ich bin mit der Perspektive nach Lautern gegangen, zu spielen. Mir wurde ein offener Kampf versprochen – mit Vorteilen für mich. Im Endeffekt aber war es kein fairer Zweikampf, es war von Beginn der Vorbereitung an klar, dass der Klub den Weg mit Eigengewächs Marius Müller gehen möchte. Dass nach drei Monaten Trainer Kosta Runjaic und Sportdirektor Markus Schupp entlassen wurden, die mich geholt hatten, kam erschwerend hinzu.

Weil es unter dem neuen Trainer Konrad Fünfstück auch keine Chance für Sie gab?

Lange Zeit war das so, ja. In der Rückrunde durfte ich dann einmal ran, nachdem wir zuvor vier Mal hintereinander verloren hatten. Doch leider verloren wir auch dieses Spiel in Düsseldorf…

Beim 3:4 erwischten Sie keinen guten Tag …

Damals hat es bereits nach 33 Sekunden in meinem Kasten geklingelt, beim dritten Gegentor habe ich dann einen Fehler gemacht. Da hätte ich mich anders verhalten müssen. Aber trotzdem: Ich hatte gehofft, dass man mir danach noch eine weitere Chance gibt. Du wechselst ja normalerweise nach einem Spiel deinen Torwart nicht aus. Aber dem war leider nicht so.

War Ihnen in dem Spiel damals bewusst, dass das Ihre einzige Bewährungsmöglichkeit sein würde?

Nein, nach dem frühen Gegentor dachte ich nur daran, dass wir noch 89 Minuten haben, um das Spiel zu drehen. Aber im Endeffekt ist es von der ersten Minute an gegen mich gelaufen.

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Sind Sie zu naiv an die Aufgabe herangegangen?

Den Schritt in die 2. Liga bereue ich nicht, das war richtig damals. Und der Klub hatte für mich einen großen Namen, eine große Tradition – und dadurch einen großen Reiz. Das Angebot konnte ich eigentlich nur annehmen. Aber ja, Kaiserslautern ist bekannt für seine Torwartschule, da hätte ich vielleicht damit rechnen können, dass Müller einen Vorteil hat. Ich war mit meinen 24 Jahren ja kein klassisches Talent mehr.

 

Gerry Ehrmann hat diese Schule geprägt und viele Torhüter in die Bundesliga gebracht: Roman Weidenfeller, Tim Wiese, Kevin Trapp … Wie lief die Zusammenarbeit mit ihm?

Wir hatten keine Probleme miteinander. Er verfolgt eine klare Linie. Die Torhüter, die er rausgebracht hat, waren alle noch sehr jung, als sie bei ihm angefangen haben. Er konnte sie noch formen. Vielleicht bin ich vier, fünf Jahre zu spät zu ihm gekommen, um einen ähnlichen Weg einzuschlagen wie die Torhüter, die Sie eben genannt haben.

 

Wie kam es zur Trennung?

Ich hatte gehofft, dass vor der laufenden Saison alles auf Null gesetzt werden würde. Wir hatten eine neue Mannschaft, einen neuen Trainer. Aber auch unter Tayfun Korkut bin ich nicht zum Einsatz gekommen in der Vorbereitung. Mitte Juli hat man mir dann mitgeteilt, dass ich mir einen neuen Klub suchen soll.

 

Den haben Sie bis heute nicht gefunden, stattdessen halten Sie sich in Dortmund fit.

Als meine Vertragsauflösung feststand, habe ich Matthias Kleinsteiber, den Torwarttrainer des BVB II, gefragt, ob ich mich bei ihm fithalten darf. Weder er noch Trainer Daniel Farke hatten etwas dagegen. Ich bin ihnen für die Möglichkeit, die sie mir gegeben haben, sehr dankbar. Was hätte ich noch in Lautern gesollt? Hier ist meine Heimat, hier leben meine Familie und meine Freunde. Ich habe auch noch eine Wohnung in Dortmund.

 

Und jetzt warten Sie täglich auf den erlösenden Anruf …

Ja. Leider bin ich darauf angewiesen, dass irgendwem etwas passiert, da die Klubs die Planungen auf der Torhüter-Position längst abgeschlossen haben. Das ist keine schöne Situation, denn man wünscht ja niemandem, dass er sich verletzt. Aber genau das kann mein Glück sein. Das ist meine einzige Chance im Moment. Ich bin bereit und fit.

 

Welche Liga peilen Sie an?

Realistisch ist die 3. Liga. Ich habe dort große Erfahrung, die Vereine kennen mich.

 

Was haben Sie aus Ihrer Zeit in Kaiserslautern mitgenommen für Ihr Leben?

Als Fußballer: Wie es ist, wenn die Stimmung in einer gesamten Stadt vom Ergebnis des Wochenendes abhängig ist. Als Mensch bin ich jetzt erwachsener, vielleicht auch vorsichtiger. Ich war in Lautern das erste Mal auf mich allein gestellt. Das war sehr lehrreich. Ich habe in diesem einen Jahr alle Facetten meines Jobs erlebt und viel gelernt in dieser Zeit.

Zur Person:
Zlatan Alomerovic wurde am 15. Juni 1991 in Prijepolje im heutigen Serbien geboren. Im Alter von acht Jahren zog er mit seiner Familie ins Ruhrgebiet. 1999 begann er seine Fußballer-Laufbahn beim TuS Heven, es folgten Stationen beim SV Bommern 05, SV Herbede und dem FSV Witten. 2006 ging der Torhüter in die Jugend des BVB. Zwischen 2010 und 2015 absolvierte er 112 Spiele für den BVB II und trainierte regelmäßig bei den Profis mit. Im Sommer 2015 wechselte er zum Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, kam dort aber nur einmal zum Einsatz (3:4 in Düsseldorf). Am 31. August 2016 löste er den Vertrag auf. Derzeit hält sich Alomerovic bei der Zweitvertretung des BVB fit.

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