Zorc missfällt öffentlicher Eindruck des BVB auf Dienstreise nach London

rnBorussia Dortmund

Der BVB und Wembley, das wird keine Romanze mehr. Eine Niederlage 2013 im Finale gegen Bayern München und nun nach 2017 eine weitere gegen Tottenham. Die Stimmung beim BVB ist angespannt.

London/Dortmund

, 14.02.2019, 19:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieses Mal also 0:3. Für den BVB gab’s im Wembley-Stadium mal wieder nichts zu holen. Das Viertelfinale der Champions League scheint nach der klaren Niederlage gegen Tottenham deutlich weiter entfernt zu sein als die knapp anderthalb Flugstunden, die der schwarzgelbe Tross am Donnerstag benötigte, um nach Dortmund zurückzukehren.

Drei Enttäuschungen für den BVB in einer Woche

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Das Ergebnis am Mittwochabend hatte gesessen – und es wirkte nach. Die dritte große Enttäuschung in nur einer Woche. Raus im Pokal, „3:3-Niederlage“ gegen Hoffenheim in der Liga, gefühlt raus in der Königsklasse. Der einzige, der auf dem Rückflug nach Dortmund immer noch munter „Bonjour“ sagte, war Lucien Favre. Es gebe solche Phasen, er mache sich keine Sorgen. „Es läuft nicht immer top.“

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Die RN-Analyse zum 0:3 des BVB gegen Tottenham

Das freundliche Lächeln und die milden Worte des BVB-Trainers passten so gar nicht in den Gesamteindruck, den der BVB auf der Rückreise aus London hinterließ. Die meisten Spieler starrten mit finsteren Mienen in ihre Smartphones, Raphael Guerreiro holte sich im Flieger ein Trostküsschen bei seinen beiden kleinen Kindern ab. Und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der jüngst erklärt hatte, er verliere etwa 1,5 Kilogramm pro Spiel, schaute so drein, als ob das Spiel gegen die Spurs, das in der zweiten Halbzeit zum Fiasko geworden war, besonders kräftezehrend gewesen sei.

Dienstreise nach London steht unter keinem guten Stern

Irgendwie hatte die ganze Dienstreise auf die Insel unter keinem guten Stern gestanden – und der BVB trug selbst die größte Schuld daran. Erst der vergessene Reisepass von Jadon Sancho und das vergessene Handy von Abdou Diallo vor dem Hinflug, dann das miese Ergebnis in Wembley. Zu allem Überfluss posteten gleich mehrere BVB-Profis am Mittwoch auch noch Videos in den sozialen Netzwerken, wie sie sich vom englischen Starfriseur Sheldon Edwards in London die Haare schön schneiden ließen.

Die Bilder waren Wasser auf die Mühlen derjenigen, die den Verdacht streuen, dass die neue Disziplin beim BVB, die in dieser Saison in die Kabine zurückgekehrt ist, schon wieder Reißaus nimmt aus Brackel.

„Wir werden die Sinne schärfen.“ Michael Zorc

Michael Zorc jedenfalls lächelte am Donnerstag anders als sein Trainer ziemlich selten. Ihm missfiel der sportliche Auftritt des BVB, den der Sportdirektor in der zweiten Hälfte als „unerklärlich“ einstufte. „Darüber bin ich sehr enttäuscht.“ Zorc missfiel auch der öffentliche Eindruck des BVB, der während der London-Reise entstanden war. Der 56-Jährige erklärte zu Recht, dass ein vergessener Reisepass oder ein Friseur im Hotel freilich nicht der Grund für die Niederlage im Stadion gewesen seien. „Dieser Kausalzusammenhang ist lachhaft“, sagte Zorc, räumte aber ein, dass so etwas „trotzdem nicht sein darf“. Es werde in Zukunft nicht mehr vorkommen. „Wir werden die Sinne schärfen.“

Am Montag ist der BVB beim Tabellenletzten gefordert

Dafür bleibt ein bisschen länger Zeit als sonst. Am Montag ist der BVB in der Bundesliga beim Tabellenletzten aus Nürnberg gefordert. Zorc ist laut eigener Aussage froh, dass es ein Montagsspiel und kein Samstagsspiel ist. Favre hat zwei Tage mehr, um die Sorgen, die er sich nicht macht, aus Dortmund zu vertreiben.

Entscheidend wird dabei sein, die Schwäche bei hohen Bällen und gegnerischen Standards schleunigst abzustellen. Neun Gegentore nach einfachstem Strickmuster in den vergangenen drei Spielen sind eine alarmierende Zahl.

Zorc missfällt öffentlicher Eindruck des BVB auf Dienstreise nach London

„Immer, wenn es gegen robuste Mannschaften geht, haben wir Schwierigkeiten, weil wir nicht dagegenhalten.“ - Roman Bürki © imago

Roman Bürki legte den Finger daher schonungslos in die Wunde. „Wir setzen uns zu wenig durch, sind zum Teil nicht aufmerksam und müssen rigoroser verteidigen. Das fängt schon im Training an. Das müssen wir auf jeden Fall verbessern“, erklärte der Torhüter.

Es klang irgendwie so, als müsse Lucien Favre sich vielleicht doch Sorgen machen – und seine Spieler mal daran erinnern, was sie in der Hinrunde so gut aussehen ließ. Nicht auf dem Kopf, sondern auf dem Rasen.

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