Eigentlich war die Karriere von Leon Burggraf schon vorbei - in der Bezirksliga. Doch die Liebe zum Spiel setzt sich durch. Jetzt geht er beim BVB II in der Regionalliga seinem Traum nach.

Dortmund

, 05.07.2018, 10:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Irgendwann im Zug zwischen Köln und Limburg an der Lahn kam die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen könne. Leon Burggraf pendelte die einstündige Strecke zwischen der Rheinmetropole und der Heimat hin und her, er wollte es ja so, das Studium in Wirtschaftsrecht sollte nun Priorität in seinem Leben haben und nicht mehr der Ball, der es seit frühester Kindheit und in seinen Jugendfußballjahren bei Eintracht Frankfurt, Wehen-Wiesbaden oder der JFV Dietkirchen gewesen war. Fußballprofi zu werden, das war als Jugendspieler sein Traum, aber, sagt Burggraf, „es gab bei mir immer mal Punkte, wo die Luft raus war und der Fußball in den Hintergrund gerückt ist.“

Der Ball fordert seinen Platz zurück

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Studieren und nebenbei ein bisschen kicken bei seinem Heimatverein TuS Dehrn in der Kreisoberliga, die der Bezirksliga im Ruhrgebiet entspricht, wo man nicht soviel trainieren muss, dafür zusammen mit seinem Kumpel Raphael Schmidt stürmen kann, das klang zunächst nach einer wirklich guten Idee. Und sportlich passte es ja auch, von den 72 Saisontoren in der Saison 2015/16 machten Burggraf und Schmidt 56. Aber irgendwann zu Beginn der darauffolgenden Saison merkte der Linksfuß dann doch: „Das reicht mir nicht.“ Der Ball, der immer einen großen Platz in seinem Leben eingenommen hatte, forderte ihn nun zurück.

Der Jugendförderverein Dietkirchen/Offheim ist im Fußballkreis Limburg-Weilburg für seine hervorragende Jugendarbeit bekannt. Burggraf spielt dort in der B-Jugend, als Florian Dempewolf ihm zum ersten Mal auffällt: „Man hat einfach gemerkt, dass er mit seinem überragenden linken Fuß der beste Mann auf dem Platz war“, sagt der damalige Coach der Herren, der den B-Jugendlichen damals schon beim Verbandsliga-Team mittrainieren und ihn danach nicht mehr aus den Augen lässt.

Drei Minuten für das erste Tor

Als Leon Burggraf sich im Winter 2016 entscheidet, dem Fußball doch noch eine echte Chance zu geben, ist Dempewolf - mittlerweile Trainer beim Oberligisten Rot-Weiß Hadamar - einer der ersten, der sich meldet. „Seine Schnelligkeit, sein starker linker Fuß, seine Bereitschaft, auch dann immer Vollgas zu geben, wenn es mal nicht so läuft, das zeichnet ihn aus“, schwärmt Dempewolf. Für sein erstes Tor benötigt Burggraf nach der Einwechslung nur drei Minuten, von da an ist er Stammspieler, trifft in den ersten vier Spielen fünfmal. Eineinhalb Jahre später hat der nun 20-Jährige in 34 Oberligaspielen 22 Tore erzielt. „Er braucht nicht viele Chancen“, sagt Dempewolf.

Damit passt er perfekt ins Anforderungsprofil der U23 von Borussia Dortmund, die den Markt im Winter 2018 nach treffsicheren Angreifern sondiert. BVB-II-Trainer Jan Siewert hat Burggraf schon länger im Blick, in der Ecke da unten kennt er sich aus, der DFB-Stützpunkt des Fußballverbandes Rheinland liegt nur ein paar Kilometer entfernt von Burggrafs Heimatstadt Dehrn. „Als das Angebot kam, musste ich nicht lange überlegen“, sagt Burggraf.

Sehnsuchtsort Signal Iduna Park

Also zieht er zusammen mit seiner Freundin nach Dortmund, wohnt nur zehn Minuten von dem Stadion entfernt, das für so viele Fußballer ein Ort der Sehnsucht ist: „Ich war erst einmal als Zuschauer im Signal Iduna Park und völlig beeindruckt von der Atmosphäre“, sagt Burggraf: „Wenn du Fußballer bist, ist es glaube ich das Größte, da mal drin zu spielen.“ Was nicht heißt, dass er das schon vor sich sieht.

Beim Test gegen Osnabrück spielte Leon Burggraf im offensiven Mittelfeld.

Beim Test gegen Osnabrück spielte Leon Burggraf im offensiven Mittelfeld. © Bielefeld


Auf der anderen Seite ist die Vorstellung, dass einer, der eben noch auf Dorfplätzen unterwegs war, plötzlich in einem Fußballtempel wie dem in Dortmund aufläuft, ein fantastisches Märchen. Er selbst, sieht seine Entwicklung realistisch: „Es kann sein, dass es noch weiter geht, es kann aber auch sein, dass jetzt Schluss ist. Aber wenn ich schon hier bin, will ich natürlich auch noch ein Stück weiter. Und ich glaube, das ist auch der Anspruch von jedem, der hier spielt. Sich weiterzuentwickeln und noch ein Stück höher zu spielen.“

Langsam an das höhere Niveau heranführen

Zunächst einmal will er aber in der Regionalliga Fuß fassen. In der Mannschaft ist er schon angekommen, womit er selbst nicht unbedingt gerechnet hatte: „Ich habe schon gedacht, dass hier wegen des Konkurrenzkampfes mehr die Ellenbogen ausgefahren werden, aber das kam jetzt nicht so rüber. Ich habe schon viele Freunde gefunden und auch außerhalb des Platzes waren wir schon fünf-, sechsmal zusammen Essen.“

Sein Trainer Jan Siewert will ihn „langsam an das höhere Niveau heranführen“, ließ seinen Neuzugang im ersten Test im offensiven Mittelfeld ran, damit er mehr Ballkontakte bekommt. Burggraf sagt: „Er hat mir gesagt, ich soll ganz locker bleiben und nicht denken, dass ich jetzt hier irgendwie der Größte in der Mannschaft werden muss. Das habe ich mir zu Herzen genommen.“

Das erste Tor

Im dritten Testspiel schob Siewert ihn dann in die vorderste Angreiferposition. Burggraf lief viel, kam kurz, ließ klatschen und erzielte nach 34 Minuten sein erstes Tor für Schwarzgelb. Der Fußball steht bei ihm wieder im Vordergrund. Da, wo er für einen wie ihn hingehört.

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