Axel Witsel ist bei Borussia Dortmund aus dem Takt geraten - vor allem gegen den Ball

rnBVB-Sechser

Axel Witsel läuft seiner Topform aus der Vorsaison hinterher. Der Belgier strahlt nicht mehr die Präsenz auf dem Platz aus, die ihn so schnell unverzichtbar werden ließ beim BVB.

Dortmund

, 12.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Plötzlich war sie da, diese eine Szene, auf die Borussia Dortmund noch gehofft hatte. Thorgan Hazard brachte die Ecke von der rechten Seite in den Strafraum, Mats Hummels stieg hoch zum Kopfball, der Ball fand den Weg zu Axel Witsel, der aus zwei Metern Torentfernung völlig frei das 4:4 auf der Stirn hatte. Doch Witsel, nicht im Abseits, köpfte drüber, die letzte Chance verpuffte in der 90. Spielminute.

Witsel wollte es nicht so richtig glauben, stützte sich erst einmal fassungslos am Pfosten des Leverkusener Tores ab – und die BVB-Spieler in Schwarz und Gelb schlichen wenige Momente später mit gesenkten Köpfen vom Rasen der BayArena. 3:4. Es war vorbei.

Witsel war bei Leverkusen gegen Dortmund überfordert

Für Witsel war die vergebene Großchance kurz vor dem Schlusspfiff der negative Höhepunkt eines gebrauchten Abends. Zwar spielte der Belgier auch gegen die Werkself wie gewohnt kaum Fehlpässe, seine Quote angekommener Zuspiele lag erneut bei starken 95 Prozent, doch andere Zahlen offenbarten sehr deutlich, dass der vermeintliche Taktgeber im Dortmunder Mittelfeld an diesem Abend überfordert gewesen war.

Witsel kam nur auf 58 Ballkontakte, das sind 20 weniger als er durchschnittlich in einem Bundesliga-Spiel sammelt. Darüber hinaus gewann der 31-Jährige nur 40 Prozent seiner Zweikämpfe, sonst sind es in der Liga durchschnittlich 52 Prozent. Anschaulicher als der prozentuale Wert aber waren die absoluten Zahlen, die in Witsels Statistik auftauchten. Er führte überhaupt nur 15 Zweikämpfe, von denen er neun verlor – und dass auf der Position im defensiven Mittelfeld. Zum Vergleich: Bei Neuzugang Emre Can, der nach 87 Minuten ausgewechselt wurde, waren es immerhin 20 geführte Zweikämpfe, von denen er zehn für sich entschied.

Witsel ist in Zweikämpfen plötzlich nicht mehr unantastbar

Und so drängte sich bei Witsel nicht ohne Grund der Eindruck auf, dass die Duelle, die er gar nicht erst geführt hatte, den BVB ärger in Bedrängnis gebracht hatten als die, die er verloren hatte. Vor dem 0:1 beispielsweise verteidigte er gegen Kai Havertz nicht energisch genug nach vorne, der Ball konnte weiter zu Nadiem Amiri wandern, der in der Folge ohne Druck Kevin Volland in Szene setzte. Vor Havertz‘ Pfostenschuss nach 64 Minuten verschätzte sich Witsel zunächst bei Tahs langem Ball – und schaute dann nur zu, als Volland den durchgelaufenen Havertz auf die Reise schickte, obwohl er zusammen mit Manuel Akanji deutlich mehr Druck auf Volland hätte ausüben können.

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Und vor dem 3:3 schließlich hatte Witsel erneut keinen Zugriff auf Havertz, der Volland im Strafraum fand. Der „Sechserraum“ des BVB glich in diesem Moment eher einer Rangierfläche für schwere LKW als einer entschlossen zu verteidigenden Zone auf dem Fußballplatz. Ein Grund dafür dürften auch Witsels Geschwindigkeitsdefizite gewesen sein. Seine Maximalgeschwindigkeit lag am Samstag bei nur knapp 28 Kilometern in der Stunde. Das ist herzlich wenig. Oder einfach langsam.

Axel Witsel ist aktuell nicht in Topform

Auch Witsel, einer der wichtigsten Spieler der Vorsaison, ist aktuell nicht in Topform. Das ist unübersehbar – und die Zahlen belegen es, auch wenn er jetzt schon so viele Torbeteiligungen vorweisen kann wie in der vergangenen Spielzeit (7). In der Vorsaison gewann er 60 Prozent seiner Zweikämpfe, in dieser Saison nur noch 52 Prozent, statt durchschnittlich auf 84 Ballkontakte pro Spiel kommt er in dieser Spielzeit auf durchschnittlich 78 Ballaktionen pro Partie. Es fehlt freilich nicht viel, aber Witsel hat auf dem Platz an Präsenz verloren – und es ist ein wichtiges Puzzleteil auf der Suche nach den Gründen für die mitunter fehlende Dominanz und Souveränität im Dortmunder Spiel.

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Lucien Favre, BVB-Trainer, sagt: „Wir müssen in der Balleroberung besser werden“. Es ist ein Satz, der plötzlich auch für Axel Witsel gilt – und der womöglich auch zeigt, wie sehr Witsel davon profitiert hat, wenn Thomas Delaney als Abfangjäger neben ihm spielte. Der Däne fällt seit November verletzt aus, vielleicht kann Emre Can in den kommenden Wochen ja Abhilfe leisten – oder Witsel selbst quält sich ein bisschen mehr im Spiel gegen den Ball. Zeit dafür würde es.

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