Ballbesitz gegen Konter: So will der BVB gegen Ex-Trainer Bosz bestehen

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Borussia Dortmund trifft auf Bayer Leverkusen. Ex-BVB-Coach Peter Bosz stellt mit seinem System eine echte Herausforderung für Tüftler Lucien Favre dar. Unsere Taktikanalyse.

von Tobias Escher

Dortmund

, 14.09.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Borussia Dortmund trifft am Samstag auf die eigene Vergangenheit: Peter Bosz ist mit Bayer Leverkusenzu Gast im Signal Iduna Park. Es ist das zweite Aufeinandertreffen zwischen dem niederländischen Coach und seinem Ex-Verein. Beim ersten Duell im vergangenen Februar stellte Bosz einen Rekord auf: 67 Prozent Ballbesitz konnte Bayer Leverkusen verbuchen. Kein anderer BVB-Gegner erreichte in der vergangenen Saison einen Wert über 60 Prozent, nicht einmal Bayern München.

Peter Bosz präsentiert sich flexibler

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Das entspricht ganz der Philosophie des Niederländers. Sein Team soll offensiv auftreten, den Ball kontrollieren und das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagern. BVB-Fans werden sich aber auch an die Schattenseiten des Bosz-Stils erinnern: In Dortmund zeigte er sich unflexibel, gegnerische Konter wurden schlecht abgesichert.

An diesem Manko scheint Bosz in den vergangenen Monaten gearbeitet zu haben. Tatsächlich präsentiert er sich bei Bayer taktisch wesentlich flexibler als zu BVB-Zeiten. An seiner grundsätzlichen Strategie hält er zwar fest, in den Details verändert er seine Elf von Spiel zu Spiel.

Bosz hat mehrere Ausweichsysteme entworfen

In Leverkusen hat Bosz dafür neben seinem Stammsystem 4-3-3 mehrere Ausweichsysteme entworfen. Leverkusen fühlt sich auch in einer Dreierkette sehr wohl. Dadurch kann Bosz variieren: Während das 4-3-3 das Aufbauspiel über das Mittelfeldzentrum forciert, läuft der Spielaufbau im 3-4-3 oder 3-5-2 eher über die Außen. In der Dreierkette werden die Außenverteidiger-Positionen in mit offensivstarken Akteuren besetzt, Karim Bellarabi und Leon Bailey liefen hier bereits auf.

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Auch setzt Bosz nicht mehr einseitig auf Kurzpassspiel. Als es gegen Hoffenheim nicht lief, wechselte er in Lucas Alario einen Strafraumstürmer ein. Bayer fütterte ihn mit Flanken. 0:0 stand es am Ende nur aufgrund Bayers mangelhafter Chancenverwertung.

Aranguiz lenkt das Bayer-Spiel

Beim Werksklub profitiert Bosz davon, dass die Spieler zu seiner Philosophie passen. Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf Torjäger Kevin Volland und Jahrhundert-Talent Kai Havertz konzentriert, prägen andere Figuren das Spiel: Nationalverteidiger Jonathan Tah spielt mehr Pässe als jeder andere Bundesliga-Innenverteidiger. Im Mittelfeld ist der Chilene Charlez Aranguiz der Grund, warum Leverkusen Konter wesentlich besser absichert als der BVB. Sein Timing im Gegenpressing nach Ballverlusten ist überragend, seine Aggressivität sucht in der Liga ihresgleichen.

Ballbesitz gegen Konter: So will der BVB gegen Ex-Trainer Bosz bestehen

Das Tempo von Jadon Sancho könnte gegen Leverkusen den Unterschied ausmachen. © dpa

Der BVB wird alles daran setzen, diese Waffen der Leverkusener aus dem Spiel zu nehmen. Lucien Favre dürfte ähnlich wie im Spiel im Februar kein hohes Pressing favorisieren. Eher dürfte der BVB versuchen, Tahs Pässe auf die Außen zu lenken. Die Leverkusener Verteidiger neigen im Aufbau dazu, viele Querpässe zu spielen und damit das Tempo zu verschleppen. Favres oberstes Gebot dürfte lauten, gegen Leverkusens Ballbesitzspiel stets kompakt zu verteidigen.

Witsel-Rückkehr für den BVB von großer Bedeutung

Positiv für den BVB ist die Nachricht, dass Axel Witsel ins Training zurückgekehrt ist. Der Belgier kann im zentralen Mittelfeld mit seiner Ballsicherheit dazu beitragen, Ballverluste zu vermeiden. Nach Ballgewinnen muss es schnell gehen. Favre wird auf den offensiven Positionen Tempo bevorzugen, um Konter schnell abzuschließen.

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Eine Schwachstelle der Leverkusener könnte Kerim Demirbay sein. Der aus Hoffenheim verpflichtete Mittelfeldspieler spielt überragende Pässe, fremdelt aber noch mit Boszs System. In den ersten Spielen trat seine langsame Beschleunigung zum Vorschein. Dortmund könnte diese für schnelle Gegenstöße nutzen.

BVB gewinnt mit nur 33 Prozent Ballbesitz

Auch im Spielaufbau wartet auf den BVB eine schwierige Aufgabe: Leverkusen presst aggressiv nach vorne, sucht auch am gegnerischen Strafraum den Zweikampf und kommt nach Ballgewinnen schnell zum Abschluss. Fehler darf sich Dortmund nicht erlauben.

Für den BVB ist die Partie ein erster Fingerzeig, in welche Richtung die Saison verlaufen könnte. Auf viel Dortmunder Ballbesitz sollte man derweil nicht wetten. Der ist aber bekanntlich nicht alles im Fußball. Im Februar gewann der BVB mit nur 33 Prozent Ballbesitzanteilen mit 3:2.

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