Bartra: "Ich bin am Leben, der Arm ist egal"

Bewegendes Interview

Das geht unter die Haut. Der beim Anschlag auf den BVB-Bus von Metallsplittern getroffene Marc Bartra hat sich in einem emotionalen Interview erstmals zu den Minuten im Bus geäußert. Dem Fernsehsender "Sky" sagte er, dass er im entscheidenden Moment nur an seine Tochter gedacht habe.

DORTMUND

, 01.06.2017 / Lesedauer: 3 min
Bartra: "Ich bin am Leben, der Arm ist egal"

Marc Bartra erlebte nach seinem Comeback einen emotionalen Moment vor der Südtribüne.

„Ich bin am Leben, das war mein Gedanke. Der Arm ist egal. Selbst, wenn sie ihn abschneiden: Ich bin am Leben.“ - Mit diesen Worten endet das vom Pay-TV-Sender „Sky“ veröffentlichte Interview mit dem 26 Jahre alten Spanier. Nach dem Gewinn des DFB-Pokals mit Borussia Dortmund blickt Marc Bartra sichtlich bewegt auf die Geschehnisse am  11. April zurück. 

"Fühlt sich eigenartig an"

"Es fühlt sich tatsächlich sehr eigenartig an, darüber zu reden. Denn es ist ja etwas, das ich eigentlich niemandem so gerne erzählen würde", erklärt der Spanier. Dann schildert er die Minuten im Bus aber ganz genau.

Er habe hinten im Bus gesessen und auf einem Handy etwas angeschaut. Was es war, daran könne er sich nicht mehr erinnern. "Wir fahren los und keine zehn Sekunden später - ich weiß gar nicht, wie ich das in Worte fassen soll - hörten wir einen lauten Knall. Ich habe auf einmal einen furchtbaren Schmerz in meinem Arm gespürt. Ich wusste nicht, ob sie auf mich geschossen hatten, mir schlug ein sehr, sehr starker und vor allem sehr heißer Luftzug ins Gesicht.“ 

Wie gelähmt

Wie gelähmt sei er gewesen. "Es waren zehn Sekunden, in denen wir nicht wussten, von wo es uns trifft und was da über uns hereinbricht. Erst danach haben wir angefangen, zu realisieren - wenn man es denn so nennen kann - dass sie uns angreifen. Und dann hatte ich ein Gefühl, dass ich wegtrete. Ich weiß nicht, ob das am Schmerz oder am Schock lag."

Eine Physiotherapeutin habe ihn angebrüllt, später sogar immer wieder ins Gesicht geschlagen. „Schlaf nicht ein, nicht einschlafen! Du darfst nicht einschlafen! Bleib stark!“, habe sie gesagt. „Und dann dachte ich nur noch an meine Tochter. Ich sagte mir, ich darf jetzt nicht wegtreten, ich muss wach bleiben. Ich dachte nicht mehr an Fußball oder irgendetwas anderes auf der Welt: Nur noch an meine Tochter. Und, dass ich überleben will. - Diese Minuten kamen mir wie Stunden vor“, sagt Bartra. Erst als der Notarzt kam, sei er etwas ruhiger geworden. 

Besonderer Titel

Bekanntermaßen nahm die Geschichte ein verhältnismäßig glimpfliches Ende. Bartra und alle Betroffenen haben den Anschlag überlebt, vergessen werden sie ihn aber wohl nie. Vielleicht hilft aber, dass auch der Spanier rund fünf Wochen nach dem Attentat wieder auf dem Platz stand. Zuletzt konnte er sich ausgelassen über den Gewinn des DFB-Pokals freuen – ein vor diesem Hintergrund besonderer Titel.

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