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Meinung

Bei Bellingham kann man nur noch staunen – einige BVB-Spieler müssen sich hinterfragen

Auch das BVB-Spiel gegen Ingolstadt zeigt: Über die Anführer-Qualitäten eines Jude Bellingham kann man nur noch staunen. Einige andere Spieler müssen sich hingegen hinterfragen.

Amtierender Pokalsieger empfängt Zweitliga-Schlusslicht, das ist eine Konstellation, bei der der haushohe Favorit eigentlich nur verlieren kann. Dass der BVB erst in der 71. Minute dafür sorgte, dass dieses Szenario nicht zum Tragen kam, ändert nichts am hochverdienten Erfolg des Bundesligisten, der Geduld bewies und nicht unruhig wurde, als sich der Knoten auch nach der torlosen ersten Hälfte zunächst nicht lösen wollte.

Hazard und Brandt machen beim BVB auf sich aufmerksam

Welche Erkenntnisse bietet ein solches Spiel dem Trainer? Auf der Positivseite sicher, dass für Joker Thorgan Hazard die Saison jetzt so richtig losgehen könnte. Von Verletzungen geplagt und logischerweise ohne Rhythmus, machte der Belgier einen wichtigen Schritt nach vorn, nicht nur wegen seiner beiden Tore. Die Treffer dürften Selbstvertrauen geben, das Borussia Dortmund angesichts der dünnen Personaldecke in den kommenden Wochen gut gebrauchen kann.

Auch Julian Brandt machte auf sich aufmerksam. Ihm gelang nun wahrlich nicht alles, seine Torvorbereitungen allerdings waren blitzsauber. Brandt blieb immer aktiv, er resignierte nicht. Auch das ist für Rose ein gutes Signal. Über die sehr bemerkenswerten Anführer-Qualitäten eines Jude Bellingham muss man ja gar nicht mehr sprechen, darüber kann man nur noch staunen.

Felix Passlack ist beim BVB derzeit komplett außen vor

Partien unter diesen eindeutigen Voraussetzungen, zudem in einer Phase mit vielen Verletzungsproblemen, bieten Bewährungschancen für die so genannte „zweite Reihe“. Aus dieser standen gegen Ingolstadt dann auch einige Akteure auf dem Rasen: ein Reinier, ein Steffen Tigges, aber erst sehr spät ein Felix Passlack, der sich in der aktuellen Situation als Verlierer fühlen muss, reichte es doch einmal mehr nicht für eine Startelf-Nominierung. Dabei ist Passlack aktuell neben Meunier der einzig gesunde Außenverteidiger. Wenn der Maßstab gilt, dass die Trainingsleistungen über die Aufstellung entscheiden, scheint bei ihm an irgendeiner Stelle etwas zu fehlen. In diesem Punkt muss sich Passlack ernsthaft hinterfragen.

Ob die anderen eine Hilfe sind, wenn es in den kommenden Spielen deutlich anspruchsvoller werden wird als am Dienstag, daran sind Zweifel erlaubt. U23-Kapitän Tigges deutete bei zwei Szenen im Fünfmeterraum der Schanzer zwar seinen Torriecher an, er wirkte ansonsten aber wenig eingebunden ins Dortmunder Spiel. Der Sprung auf Bundesliga-Niveau ist halt gewaltig.

BVB-Leihgabe Reinier spielt zu wenig zielführend

Das gilt auch für Reinier, der auch nach 18 Monaten in Dortmund noch nicht verinnerlicht hat, dass in Deutschland weniger Schickschnack mehr ist. Es sieht oft nett aus bei ihm, bringt aber ebenso oft zu wenig. Der Brasilianer mag am Ball keine Grenzen kennen, er setzt seine Fähigkeiten aber weiter zu wenig zielführend ein. So wird er auch in seinem zweiten Jahr den Nachweis schuldig bleiben, eins der größten brasilianischen Talente zu sein. Eine Hilfe ist er allemal nicht.

Daher wird Rose in den kommenden Spielen weiter auf eine relativ kleine Gruppe setzen müssen, die nur langsam anwächst. Am Samstag wird Youssouffa Moukoko zurückerwartet, für ihn gilt aber ähnliches wie für Hazard. Keine Praxis, kein Rhythmus, auch mit dem Selbstvertrauen dürfte es beim bald 17-jährigen Supertalent angesichts des bislang sehr holprigen Saisonverlaufs nicht allzu weit her sein.

Wann kehrt BVB-Mittelfeldspieler Giovanni Reyna zurück?

Das größte Rätsel bleibt momentan Giovanni Reyna. Der Amerikaner fehlt nun schon seit zwei Monaten, eine Rückkehr ist weiter nicht in Sicht. Neben dem noch einige Wochen fehlenden Erling Haaland ist der 18-Jährige das große Sorgenkind. Und das sind keine guten Nachrichten für Marco Rose.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe