BVB-Erleichterung bei Marco Rose und Marco Reus nach dem 3:1 in Bielefeld. © dpa
Meinung

Bielefeld ist kein Maßstab für den BVB: Mentalitätsfrage wird später beantwortet

Borussia Dortmund kehrt gegen Bielefeld in die Erfolgsspur zurück. Die Arminia ist jedoch kein Maßstab für den personell arg gebeutelten BVB. Die Mentalitätsfrage wird später beantwortet.

Genau so sachlich, wie Marco Rose am Freitag den verletzungsbedingten Ausfall dreier weiterer Stammspieler moderierte und den erneuten Schlag ins personelle Kontor einfach als das akzeptierte, was er war, nämlich eine unverrückbare Tatsache, der man sich stellen muss, so sachlich fiel nach dem 3:1 in Bielefeld auch seine Analyse des Spiels aus: „Reaktion gezeigt“, meinte der 45-Jährige, das war seine Überschrift über eine Partie, die nach dem bedenklichen Auftritt vom Dienstag zum Charaktertest auserkoren worden war.

Mit welchem Pragmatismus Borussia Dortmunds Trainer die nicht enden wollenden personellen Nackenschläge annimmt, das nötigt Respekt ab. Man erinnert sich noch gut an die Vorbereitung vor der vergangenen Saison, die aufgrund der Corona-Pandemie verspätet begann und die für die Spieler eine immense Zahl an Spielen komprimiert auf einen deutlich kleineren Zeitraum bereithielt.

Die Devise von BVB-Trainer Rose lautet: „Nicht rummjammern“

Seinerzeit forderte der damalige Trainer Lucien Favre einen Kader mit „zwei gleichstarken Mannschaften“, um allen auch die notwendigen Pausen geben zu können. Favre meinte das zur Überraschung der BVB-Führungsetage durchaus ernst. Deutete man Favres Regenwetter-Mimik, war dieses Programm ansonsten eigentlich nicht erfolgreich zu stemmen.

Natürlich bekam der Schweizer diesen Wunsch nicht erfüllt, was nicht zur Besserung seiner Laune beitrug. Rose wählt schon seit Wochen einen anderen Ansatz, er vertritt intern wie extern den Standpunkt: „Nicht rummjammern.“ Das passiert natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn nichts wäre in dieser Situation fataler gewesen, als der Mannschaft vor dem Spiel in Ostwestfalen vorzuleben, dass nach drei weiteren Verletzungen der sportliche Niedergang unmittelbar bevorstehen dürfte. Und die Arminia eine kaum zu überwindende Hürde darstellt.

Der BVB ist Bielefeld trotz zahlreicher Ausfälle überlegen

War sie natürlich auch nicht, das wusste Rose durchaus vorher schon. Nach den 90 Minuten lässt sich daher auch folgendes Fazit ziehen: Es muss der Anspruch von Borussia Dortmund sein, so einen Gegner auch dann erfolgreich zu bespielen, wenn gleich neun Kaderspieler der Krankenstation zuzuordnen sind.

Und es macht daher auch absolut Sinn, nach diesem 3:1 nicht gleich den Amsterdam-Auftritt als einmaligen Ausrutscher zu deklarieren. Zum einen, weil er mehr war als das. Zum anderen, weil Rose natürlich gesehen hatte, dass Bielefeld selbst nicht die Kragenweite dieser Dortmunder „B-Elf“ besaß.

Das 3:1 in Bielefeld ist für den BVB allenfalls ein erster kleiner Schritt

Auch die Pokalpartie gegen das Zweitliga-Schlusslicht Ingolstadt am Dienstag dürfte, so ehrlich muss Rose sein, kaum verwertbare Aufschlüsse darüber geben, wie widerstandsfähig der BVB ist, wenn es dann gegen Mannschaften geht, die in der Lage sind, der Borussia mehr zuzusetzen. Wie Ajax am vergangenen Dienstag, wie demnächst dann vielleicht Leipzig, wie im Dezember bestimmt die Bayern.

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Die Frage bleibt, die Antwort gibt es dann in den entsprechenden Spielen. Seine Mannschaft stabiler zu bekommen als in Amsterdam, auf der körperlichen wie auf der mentalen Ebene, muss daher weiter ganz oben in Roses Aufgabenheft stehen. Bielefeld war allenfalls ein erster kleiner Schritt, den man auch erwarten durfte.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe