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Blick zurück auf Dortmunds schönste Jubelnacht

Finale 1997

Dr. Peter Schütze war von 1982 - 2004 Sportchef dieser Redaktion und berichtete natürlich auch vom Champions League-Triumph in München. Vor Ort erlebte er die unbändige Freude hautnah mit. Für uns hat er sich erinnert.

DORTMUND

von Von Peter Schütze

, 25.05.2013 / Lesedauer: 5 min
Blick zurück auf Dortmunds schönste Jubelnacht

Da ist das Ding: 1997 gewannen Andreas Möller, Stephane Chapuisat und Michael Zorc (v.l.) mit Borussia Dortmund das Champions-League-Finale gegen Juventus Turin mit 3:1. Es schlossen sich ausgiebige Feierlichkeiten an.

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Die Champions League-Saison 1996/97

Die Champions League-Saison 1996/97 endete mit einem Paukenschlag: 3:1 gewann Borussia Dortmund das Finale im Münchner Olympiastadion gegen Juventus Turin. Wir zeigen die besten Bilder der Saison.
22.05.2013
/
So ging die Saison zu Ende: Einwechselspieler Michael Zorc reckt am späten Abend des 28.5.1997 im Münchner Olympiastadion triumphierend und unter dem Jubel seiner Mannschaftskameraden den gewonnenen Europapokal in die Höhe. Dortmund gewann 3:1 gegen Juventus Turin.© Foto: dpa
In der Gruppenphase unterlag der BVB 1:2 bei Atletico Madrid.© Foto: dpa
Im Viertelfinal-Spiel gegen Auxerre ist Stéphane Chapuisat am Ball.© Foto: dpa
Hier klärt Goma, der Torwart von Auxerre vor dem Dortmunder Karl-Heinz Riedle.© Foto: dpa
Karl-Heinz Riedle traf im Viertelfinal-Hinspiel zum 1:0 gegen Auxerre im März 1997.© Foto: dpa
Riedles Jubel nach dem Tor.© Foto: dpa
Lars Ricken hatte im Halbfinale zum 1:0 gegen Manchester United im Old Trafford Stadion getroffen. Nachher bejubelten die Spieler mit einer Laola den Einzug ins Finale.© Foto: dpa
Warmmachen vor der finalen Partie im Olympiastadion.© Foto: dpa
Der Dortmunder Martin Kree wird am Mittwoch wird vom Italiener Christian Vieri (verdeckt) gefoult.© Foto: dpa
Das Jahrhundert-Tor: Lars Ricken zieht einfach mal ab und trifft zum 3:1.© Foto: dpa
Schon vorher wurde Karlheinz Riedle (rechts unten) nach seinem Treffer zum 2:0 von seinen Mannschaftskameraden (v.li.) Paul Lambert, Stefan Reuter, Jürgen Kohler und Stephane Chapuisat beglückwünscht. © Foto: dpa
Danach kannte der Jubel keine Grenzen.© Foto: dpa
Lars Ricken in den Armen von Trainer Ottmar Hitzfeld.© Foto: dpa
Karlheinz Riedle reckt den Pokal in die Höhe.© Foto: dpa
Den Champions-League-Pokal präsentieren am Samstag (31.5.97) Karl-Heinz Riedle (r) und Andreas Möller (l) den Dortmunder Zuschauern. Vor dem Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln liefen die Borussen mit dem Pokal eine Ehrenrunde durch das Westfalen-Stadion. Karl-Heinz Riedle hatte mit seinen beiden Treffern entscheidenden Anteil am 3:1-Sieg gegen Juventus Turin am Mittwoch in München. dpa COLORplus© Foto: dpa
Auf dem Dortmunder Rathaus feierten die Dortmunder Karlheinz Riedle, Matthias Sammer und Frank Riethmann (v.r.n.l.) am darauf folgenden Sonntag.© Foto: dpa
Schlagworte BVB

30 000 Dortmunder unter den 59 000 Zuschauern im Münchner Olympiastadion badeten in gelb-schwarzer Glückseligkeit. Zwei Treffer von Kalle Riedle, der nachts zuvor von eben diesem Doppelpack geträumt hatte, und ein Jahrhundert-Tor des 15 Sekunden zuvor für Chapuisat eingewechselten Jungspunds Lars Ricken hatten die von den Tifosi als Halbgötter angehimmelten Juve-Stars hammerhart auf den Boden deutscher Tatsachen geholt. Ihr Trainer, das Paul Newman-Double Marcello Lippi, rätselte noch in der Pressekonferenz: „Ich weiß nicht, warum wir verloren haben.“

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Die Champions League-Saison 1996/97

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In der Gruppenphase unterlag der BVB 1:2 bei Atletico Madrid.© Foto: dpa
Im Viertelfinal-Spiel gegen Auxerre ist Stéphane Chapuisat am Ball.© Foto: dpa
Hier klärt Goma, der Torwart von Auxerre vor dem Dortmunder Karl-Heinz Riedle.© Foto: dpa
Karl-Heinz Riedle traf im Viertelfinal-Hinspiel zum 1:0 gegen Auxerre im März 1997.© Foto: dpa
Riedles Jubel nach dem Tor.© Foto: dpa
Lars Ricken hatte im Halbfinale zum 1:0 gegen Manchester United im Old Trafford Stadion getroffen. Nachher bejubelten die Spieler mit einer Laola den Einzug ins Finale.© Foto: dpa
Warmmachen vor der finalen Partie im Olympiastadion.© Foto: dpa
Der Dortmunder Martin Kree wird am Mittwoch wird vom Italiener Christian Vieri (verdeckt) gefoult.© Foto: dpa
Das Jahrhundert-Tor: Lars Ricken zieht einfach mal ab und trifft zum 3:1.© Foto: dpa
Schon vorher wurde Karlheinz Riedle (rechts unten) nach seinem Treffer zum 2:0 von seinen Mannschaftskameraden (v.li.) Paul Lambert, Stefan Reuter, Jürgen Kohler und Stephane Chapuisat beglückwünscht. © Foto: dpa
Danach kannte der Jubel keine Grenzen.© Foto: dpa
Lars Ricken in den Armen von Trainer Ottmar Hitzfeld.© Foto: dpa
Karlheinz Riedle reckt den Pokal in die Höhe.© Foto: dpa
Den Champions-League-Pokal präsentieren am Samstag (31.5.97) Karl-Heinz Riedle (r) und Andreas Möller (l) den Dortmunder Zuschauern. Vor dem Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln liefen die Borussen mit dem Pokal eine Ehrenrunde durch das Westfalen-Stadion. Karl-Heinz Riedle hatte mit seinen beiden Treffern entscheidenden Anteil am 3:1-Sieg gegen Juventus Turin am Mittwoch in München. dpa COLORplus© Foto: dpa
Auf dem Dortmunder Rathaus feierten die Dortmunder Karlheinz Riedle, Matthias Sammer und Frank Riethmann (v.r.n.l.) am darauf folgenden Sonntag.© Foto: dpa
Schlagworte BVB

Wie Millionen vor den TV-Schirmen hatten auch die Spieler Mühe, die Sensation, die sie soeben geschafft hatten, zu begreifen. Wie in Trance stürzten sie sich in die Jubelorgie auf dem nächtlichen Rasen. Als es zur Siegerehrung ging, drängte die Mannschaft ihren erst kurz vor dem Abpfiff eingewechselten Kapitän Michael Zorc, als Erster auf das Podest zu steigen. Als dieser sich zierte, fuhr ihn sein damals noch rothaariger Stellvertreter Matthias Sammer in echter Feuerkopf-Manier an: „Mach voran und geh endlich rauf!“

Noch augenfälliger war die Reserviertheit, die Ottmar Hitzfeld (Foto) in den Minuten scheinbar grenzenloser BVB-Euphorie an den Tag legte, der längst Nacht geworden war. Er blieb bei dem ausgelassenen Siegesjubel seiner Spieler seltsam unbeteiligt. Zwar hatte er alle umhalst, einschließlich des auf die Bühne verbannten Wolfgang Feiersinger, musste dann aber regelrecht in die Jubelbilder hineingezerrt werden. Und während sich seine Männer auf der Ehrenrunde austobten, stand der Mann im Trenchcoat abseits am Siegerpodest. Und diese Geschichte um Hitzfeld ging in der Nacht, die sportlich eigentlich seine bisher schönste als Trainer sein sollte, noch weiter. Vor 600 geladenen Gästen in Bogenhausen fand Präsident Niebaum, in der Süddeutschen Zeitung als „Sonnengott von Dortmund“ tituliert, kein Wort des Dankes oder des Lobes für seinen Duzfreund, mit dem er längst nicht mehr das Vertrauensverhältnis der Meisterjahre 95 und 96 hatte. Und auch Sammer, den Hitzfeld schon mal zurechtgewiesen hatte „Matthias, erst denken, dann reden!“, ließ in Interviews keine Gelegenheit aus zu betonen: „Ohne die Appelle von Dr. Niebaum an die Mannschaft wären wir nie Europapokal-Sieger geworden!“ Hitzfeld meisterte diese Situation mit Bravour. Er ist zu sehr kopfgesteuerter Pflichtmensch, als dass er sich und allen anderen, die feiern wollten, diesen grandiosen Anlass vermiest hätte. Also stülpte er sich bereitwillig eine Pickelhaube auf den Kopf, steckte sich eine Zigarre in den Mund und dirigierte den Marsch „Alte Kameraden“, zu dem eine Blaskapelle aus Unna durch den Saal marschierte. Aber wie er darin aussah ...

Die durch eine beispiellose Verletztenmisere mitbedingte miserable Rückrunde in der Bundesliga, harsche, freilich teilweise berechtigte Präsidentenkritik (die freilich auch den Trainer traf) an einer vermeintlich überalterten, müden und satten Mannschaft, eigenartige Interviews von Spielern, hochgespielte Zweifel an Hitzfelds Vertragstreue (obwohl dieser ein Angebot von Real Madrid abgelehnt hatte) hatten das Ein-Herz-und-eine Seele-Verhältnis zwischen Chef und Coach mehr als abgekühlt. Freilich wirkte Hitzfeld, dem Niederlagen immer am Gesicht abzulesen war, auch ausgebrannt und angeschlagen, fühlte sich zudem ungerecht behandelt, dachte an Rücktritt, „weil Niederlagen in Duisburg und  ielefeld mehr zählen als Erfolge gegen Auxerre, Manchester United und Juventus Turin.“ Am anderen Mittag erlebten die Journalisten auf dem Flughafen einen völlig anderen Ottmar Hitzfeld als Stunden zuvor. Völlig entspannt, aufgeräumt, lässig und launig. Offensichtlich hatte er in der Nacht noch einen wichtigen Entschluss gefasst: Er legte den Trainer-Posten beim BVB nieder, nahm das Angebot, hier als Sportdirektor zu arbeiten, an. Sein Nachfolger wurde Nevio Scala.

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Diese Nacht im Sheraton war geprägt von einem Hauch von Ungläubigkeit bei den Gästen – so als wähnten sie sich in einem schönen Traum, aus dem sie bei allzu lautem Jubel jäh erwachen könnten. Nur zweimal schwappte der Jubel über den niedrig gehängten Pegel. Als Michael Zorc um 1:20 Uhr mit dem Henkelpokal eintraf, jubilierte der Saal „…und wir haben den Pokal, halleluja!“ Und als Gerd Niebaum, der „eigentlich keine Rede für die Geschichtsbücher halten, sondern nur einen auf unseren großartigen Sieg trinken“ wollte, dann doch euphorisierte: „Riedle und Ricken haben Tore für die Unsterblichkeit geschossen“, gab es orkanartigen Beifall. Andreas Möllers Kommentar zum 3:1-Schützen: „Der Lars muss ein Glückschwein gefressen haben!“

Die vage Befangenheit im Festsaal, ob denn das alles nun Realität oder nur ein wunderbarer Film sei, wich auch nicht, als von Gartenerstlingen umrahmte, gebratene Riesengarnelen, Kalbsfilet unter Stangenspargel und süße BVB-Überraschung als Dessert aufgetischt wurden. Kabarettist Bruno Jonas und Roberto Blanco („Ein bisschen Spaß muss sein“) blieben Statisten, Hauptfiguren in dieser Nacht waren andere, auch als die längst in Münchner Discos verschwunden waren. Als hätte es noch eines besonderen Ausrufezeichens bedurft: Am Tag nach dem Finale verzögerte eine kurz vor dem Abflug der Maschine telefonisch eingegangene Bombendrohung die Rückkehr der Dortmunder. Zweieinhalb Stunden durchsuchten Grenzschützer mit Spürhunden Maschine und Umgebung – ohne Ergebnis. Inzwischen hatte Eurowings-Chef Reinhard Santner neben einer Entschuldigung für die Unbill auch eine kleinere ATR 42 nach Bayern geschickt. In ihr hieß es endlich: Frauen und Kinder, Spieler und Pokal zuerst. Das Flugzeug landete 15.10 Uhr in Dortmund, um 16 Uhr begann der Korso ab Borsigplatz. Niebaums Schlusswort zu Borussias schönster Reise: „Besser zu spät mit Pokal als pünktlich ohne!“

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