Borussia Dortmund hat noch einige Baustellen: Der große BVB-Check

rnRückrundenstart

Eine halbe Woche bleibt Lucien Favre, um Borussia Dortmund für den Rückrundenstart auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Zeit drängt.

Dortmund

, 15.01.2020, 06:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es wird fleißig gewerkelt am BVB-Trainingsgelände in Dortmund-Brackel. Die neuen Räumlichkeiten neben dem Jugendhaus, die im kommenden Sommer von der sportlichen Führung bezogen werden sollen, nehmen Tag für Tag mehr Gestalt an. Die Fortschritte am Bau sind unverkennbar. Fenster, Klinker, es wird langsam.

Borussia Dortmund muss ab Samstag liefern

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Auch auf den Fußballplätzen ein paar Meter weiter wird seit Dienstag wieder malocht. Die Zeit drängt. Ab Samstag muss Borussia Dortmund liefern, wenn es in dieser Saison noch etwas werden soll mit der neunten deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte.

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Ein guter Start in die Rückrunde ist die Grundvoraussetzung für die Mission Aufholjagd - und das Auftaktprogramm gibt Grund zur Hoffnung. Erst beim FC Augsburg, dann daheim gegen den 1. FC Köln und Union Berlin. Bei allem gebotenen Respekt: Es gibt angsteinflößendere Gegner in der Bundesliga.

Zorc: „Wir haben noch einiges zu tun“

Borussia Dortmund wird also in erster Linie auf sich selbst schauen müssen. Die Frage lautet: Wie weit ist der BVB kurz vor dem Rückrundenstart? Sportdirektor Zorc sagt: „Wir haben noch einiges zu tun.“ Ein paar Baustellen gilt es bis zum Wochenende zu schließen. Ein Überblick.


1.) Defensive Stabilität: Hinten drückt der Schuh beim BVB

Wettbewerbsübergreifend kassierte der BVB in den 26 Pflichtspielen dieser Saison 33 Gegentore, allein in der Bundesliga waren es 24. Raphael Guerreiro sagt: „Wir müssen an der Abwehr arbeiten.“ Wenn man Spiele gewinnen wolle, dürfe man keine Tore kassieren. Klingt unter dem Strich gar nicht so kompliziert.

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Manuel Akanji (r.) und die BVB-Defensive müssen noch stabiler werden. © dpa

2.) Siegermentalität: Der BVB und das nicht gern gehörte Wort

Es nervt die Protagonisten beim BVB nicht ohne Grund - und die „Mentalitätsscheiße“ in der Hinrunde kam ja auch nicht von ungefähr. Die Schwarzgelben ließen viele Punkte in Spielen liegen, die sie eigentlich frühzeitig hätten für sich entscheiden müssen. Das 2:2 in Frankfurt, das 3:3 gegen Leipzig, das 1:2 in Hoffenheim - es sind nur die prominentesten Beispiele aus einer verschenkten Hinrunde.

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3.) Konzentration: Favre nennt Ballverluste „lächerlich“

Für den BVB-Trainer sind diese Worte an Deutlichkeit kaum zu übertreffen, vielleicht meinen sie ja sogar alles. So oder so zeigen sie, dass der Schlendrian bei der Borussia zu oft als zwölfter Mann mit auf dem Platz steht. 7 der 24 Ligagegentore kassierte der BVB in der Schlussviertelstunde. Favre meinte dazu jüngst im Interview mit dem „Kicker“: „Wir müssen bis zum Schluss konzentriert sein. Konzentration ist eine Qualität. Das mit den späten Gegentoren kann einmal passieren - aber nicht so oft.“

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Mahmoud Dahoud (r.) und das Mittelfeld müssen die Ballverluste minimieren. © dpa

4.) Personal: Die angespannte Situation hat sich beruhigt

Favre nennt sie „besser als geplant“, perfekt ist sie trotzdem nicht. Kapitän Marco Reus und Neuzugang Erling Haaland haben in der Vorbereitung bislang beide nur eine Testspiel-Halbzeit Wettkampfpraxis in den Beinen. Elf-gegen-Elf-Trainingsspiele sollen in der laufenden Woche Abhilfe leisten. Insbesondere die Integration Haalands wird noch ein bisschen dauern. Der Hoffnungsträger im Sturm habe zuletzt wegen Knieproblemen fast drei Wochen nicht trainieren können, betont Favre. „Er braucht ein wenig Zeit, das ist klar.“


5.) Leidensfähigkeit: Fußballspieler müssen leiden können

Das ist eine dieser neumodischen Trainerfloskeln. Im Spiel, im Training, vermutlich auch auf der Weihnachtsfeier. „Wir müssen viel leiden“ - hört man mittlerweile rund um den Globus. Ganz früher hieß das mal „Kampf annehmen“, später dann „alles raushauen“ - und jetzt eben „leiden“. Der eine oder andere BVB-Profi hat da augenscheinlich noch etwas Nachholbedarf. Mats Hummels forderte bereits nach dem 0:4 in München, dass man „härter zu sich selbst“ werden müsse.

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Der Kapitän und seine Mannschaft müssen mehr leiden. © dpa

Favre zog nun im „Kicker“ den Vergleich zu den Tennis-Topstars Roger Federer und Rafael Nadal - und klang dabei so, als ob er sich in seiner Mannschaft durchaus den einen oder anderen Nachahmer mehr wünschen würde. „Wenn du den Willen hast, hart an dir zu arbeiten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis du Erfolg haben wirst. Federer und Nadal lieben es zu leiden, sie haben Spaß zu leiden. Das macht den Unterschied aus.“


6.) Standardsituationen: Defensiv klappt es beim BVB

Laut Datendienstleister „Deltatre“ kassierte in der Bundesliga keine Mannschaft weniger Gegentore nach ruhenden Bällen als Borussia Dortmund (3). Offensiv dagegen war statistisch gesehen kein Team harmloser als Favres Männer. Nur sieben Prozent der 41 Dortmunder Liga-Tore fielen nach einem ruhenden Ball. Ein Tor durch Elfmeter, ein Treffer nach einer Ecke, einmal jubeln nach einer Freistoßflanke – das war‘s. Besonders harmlos ist der BVB nach Ecken. 116 Ecken für ein Tor bedeuten Platz 18 in der Bundesliga-Hitparade. Zum Vergleich: Union Berlin braucht im Schnitt nur zwölf Ecken für ein Tor. Vielleicht sollte Favre bis Samstag noch ein paar Extra-Schichten auf den Trainingsplan schreiben.

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