Borussia Dortmund spürt die Panik an den Finanzmärkten – die Aktie rauscht in den Keller

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Die BVB-Aktie rauscht wegen des Coronavirus in den Keller. Immerhin: Borussia Dortmund ist deutlich besser für die Coronakrise gewappnet als die meisten anderen Vereine der Bundesliga.

Dortmund

, 22.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer verstehen will, wie sich das Coronavirus auf den Profifußball auswirkt, der kann das im Fall von Borussia Dortmund ganz gut schwarz auf weiß im Internet nachlesen. Ein Blick auf die Entwicklung der BVB-Aktie genügt. Ein immenser Absturz in nur einem Monat, das Wertpapier, das am 21. Februar, als gerade bekannt geworden war, dass 1&1 als neuer Trikotsponsor beim BVB einsteigen und viele Millionen Euro dafür bezahlen würde, noch 9,49 Euro wert war, war am 20. März nur noch gut fünf Euro wert.

BVB-Sponsor verpasst Traumeinstieg

Der „Kicker“ rechnete in seiner Donnerstagsausgabe vom 19. März am Beispiel von 1&1 sehr anschaulich vor, was der Panikmodus an den Finanzmärkten für das Kommunikationsunternehmen, das ab der kommenden Saison bei allen Bundesligaspielen die BVB-Brust zieren wird, in reinen Zahlen bedeutet. Am 2. März erwarb die „Ralph Dommermuth Beteiligungen GmbH (Ralph Dommermuth ist Vorstandsvorsitzender und größter Aktionär der United Internet AG, dem Mutterkonzern von 1&1) 5,004 Prozent an der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Das Aktienpaket kostete Dommermuth und 1&1 etwa 35 Millionen Euro, drei Wochen später war es nur noch rund 21 Millionen Euro wert. Ein Traumeinstieg sieht anders aus.

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Borussia Dortmund hat auf die Coronakrise längst reagiert. Am vergangenen Montag, 16. März, um 17.48 Uhr zog der BVB seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr per Ad-hoc-Mitteilung („DFL-Clubs beschließen weitere Aussetzung des Spielbetriebs/Auswirkungen auf die Gewinnprognose“) zurück. Ursprünglich hatte es im Geschäftsbericht 2018/2019 unter dem Punkt „erwartete Ertragslage“ geheißen: „… Vor diesem Hintergrund wird seitens der Geschäftsführung trotz einer positiven Entwicklung des Marktumfeldes derzeit ein Jahresergebnis im mittleren einstelligen Millionenbereich für Borussia Dortmund im kommenden Geschäftsjahr 2019/2020 prognostiziert. Dieses kann bei entsprechendem sportlichen Erfolg und in der Prognose nicht berücksichtigten zusätzlichen Transferüberschüssen deutlich positiv abweichen.“

Zu viel Geld steht auf der Kippe – auch beim BVB

Das klang zwar etwas hölzern, aber durchweg optimistisch. Zum zehnten Mal nacheinander wurde ein positives Jahresergebnis in Aussicht gestellt, doch seit das Coronavirus auch den Profifußball im Klammergriff hält, kann niemand mehr seriös prognostizieren, wohin das laufende Geschäftsjahr noch führen wird. Zu vieles ist derzeit völlig unklar, zu viel Geld steht auf der Kippe: Zuschauereinnahmen brechen weg, Sponsoringerlöse und TV-Einnahmen wackeln bedenklich.

Existenzbedrohlich wie bei anderen Bundesliga-Klubs sei das alles noch nicht, betont der BVB immer wieder mit Nachdruck. Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Dortmunder Geschäftsführung, sagte jüngst im Interview mit „11 Freunde“, aktuell sei Borussia Dortmund „weit weg“ von einer Situation, „die uns Liquiditäts- oder gar Existenz-Sorgen bereiten müsste“. Doch Watzke sagte auch, er kenne keine andere Branche auf der Welt, „die es problemlos hinnehmen könnte, wenn von den drei relevantesten Einnahmeströmen, in unserem Fall also TV-Vermarktung, Sponsoring und Spiel¬tags¬ein-nahmen – Ticketing, Catering und Merchandising am Spieltag – je ein Drittel weg¬fallen würde“. Borussia Dortmund, erklärte der BVB-Boss, würde unter dem Strich „einige Monate“ auskommen, „wenn in den nächsten Monaten nicht ein Cent dem BVB-Konto gutgeschrieben werden würde“.

BVB hat richtungsweisende Entscheidung getroffen

Dafür hat der Klub schon im Januar eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Neben den finanziellen Rücklagen, die der BVB in den vergangenen Jahren gebildet hat, hilft auch ein erweiterter Kontokorrentrahmen, also eine Art Dispokredit, um liquide durch die Corona-Krise zu kommen. Laut „Kicker“ wurde der Kontokorrentrahmen von 30 auf 60 Millionen Euro erweitert. Watzke erklärte dazu gegenüber „11 Freunde“: „Als weit¬sichtig hat sich erwiesen, dass wir unsere Kreditlinie schon früh sehr erweitert haben, so dass wir – auch in der jetzigen Situation, in der mehrere Erlöse auf der Kippe stehen – kein Liquiditätsproblem haben werden.“

Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass Borussia Dortmund den Kampf gegen das Coronavirus deutlich länger führen kann als die meisten anderen Klubs der Bundesliga. Ewig aber wird auch der BVB freilich nicht auf fest eingeplante Einnahmen verzichten können, auch deswegen appelliert Watzke mit aller Vehemenz („Wir müssen diese Saison zu Ende bringen“) für eine Fortführung der laufenden Spielzeit, um zumindest die noch ausstehenden TV-Gelder einstreichen zu können. Am 30. März berät die Deutsche Fußball Liga das nächste Mal darüber, wann und ob in der Bundesliga wieder gespielt werden kann – nicht nur die 850 Mitarbeiter des BVB und die vielen Fans werden dann sehr gespannt nach Frankfurt blicken, sondern auch die Aktionäre des Klubs. Bevor es in der Liga nicht weitergeht, ist für Borussia Dortmund keine Entspannung in Sicht, das gilt auch für die Aktie.

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