Manuel Akanji und Mats Hummels: Dieses Innenverteidiger-Duo würde BVB-Trainer Marco Rose am liebsten immer spielen lassen - ging bislang aber nicht. © imago images/Team 2
Borussia Dortmund

BVB-Abwehr bleibt die größte Baustelle – nicht nur wegen der Verletzungsmisere

Borussia Dortmund kämpft die ganze Saison über schon in der Defensive mit Verletzungsproblemen. Doch das ist nicht der einzige Grund, wieso die Abwehr die größte Baustelle beim BVB bleibt.

Wenn Namen wie Thorgan Hazard, Axel Witsel oder Marius Wolf in der Viererkette von Borussia Dortmund auftauchen, lässt sich recht schnell erahnen, dass irgendetwas nicht stimmt. Aus Jux und Tollerei stellt BVB-Trainer Marco Rose die eigentlich offensiveren Kräfte dort hinten sicherlich nicht auf. Aber: Er kann aktuell einfach nicht anders. Denn von denen, deren Hauptaufgabe es ist, Tore zu verhindern, fehlen ihm einfach immer wieder zu viele. Wie ein roter Faden zieht sich das nun schon durch die ganze Saison. Die Abwehr bleibt das Sorgenkind von Borussia Dortmund. Nicht nur wegen der vielen Verletzungen.

Manuel Akanji hat sich zum BVB-Abwehrchef entwickelt

Schon in der Vorbereitung war die Defensive die größte Baustelle von Marco Rose. Alle Spieler der Stamm-Viererkette waren für ihre Länder bei der Europameisterschaft im Einsatz, stießen somit erst später zur Mannschaft. Und das dann – wie im Falle von Mats Hummels und Raphael Guerreiro – sogar verletzt. Thomas Meunier erkrankte dann auch noch an Corona. Einzig und allein Manuel Akanji konnte und musste (in der Liga an der Seite von Aushilfsinnenverteidiger Axel Witsel) sofort ran – und stand bis jetzt mit Ausnahme der Zweitrunden-Partie im Pokal gegen Ingolstadt in allen Spielen über 90 Minuten auf dem Platz.

Aber Akanji spielt nicht nur viel, sondern auch gut. Der Schweizer hat in Sachen Robustheit noch einmal zugelegt, was die Spieleröffnung angeht, hat er einen riesigen Entwicklungssprung gemacht. Während die Gegner vor noch nicht allzu langer Zeit bewusst Mats Hummels zugestellt haben, um Akanji den Aufbau zu überlassen, wagt sich das nun kaum noch jemand. Akanji hat sich in vielerlei Hinsicht zum wahren BVB-Abwehrchef entwickelt. Das betonter auch sein Trainer immer wieder. Er sei ein echter Führungsspieler, einer, der vorangeht, der Spiel und Mannschaft lenkt.

Für BVB-Verteidiger Mats Hummels geht es in die richtige Richtung

Kaum auszudenken, was passieren würde, wenn auch er noch, der bisher zuverlässigste BVB-Verteidiger, verletzungsbedingt ausfallen würde. Immerhin: Dan-Axel Zagadou ist wieder zurück. Nach langer Leidenszeit hat er am Samstag in Leipzig sein Comeback gegeben. „Ich fühle mich gut. Es war schön, zurück im Team zu sein, auf dem Rasen, in der Bundesliga“, sagte der Franzose nach seinem Kurzeinsatz. Mit dem 22-Jährigen hat Rose in der BVB-Innenverteidigung (oder wahlweise auch in der Dreierkette) wieder eine Option mehr.

Auch für den Fall, dass bei Mats Hummels die Probleme an der Patellasehne doch wieder größer werden. Zwar stand der deutsche Nationalspieler seit der letzten Länderspielpause in jedem Spiel auf dem Rasen, ihm war aber deutlich anzumerken, dass die Verletzung immer noch nicht vollständig auskuriert ist und sie ihm wie ein Klotz am Bein hängt. Vieles ging ihm deutlich schwerfälliger von der Hand (oder besser gesagt vom Fuß) als sonst, der Körper wollte nicht so, wie Hummels wollte. Aber: „Es geht in die richtige Richtung.“ Pausen wird er dennoch immer mal wieder brauchen.

Borussia Dortmund mit großen Problemen bei Standards

Bislang war Neuzugang Marin Pongracic, der vom VfL Wolfsburg ausgeliehen ist, dann die einzige Alternative, doch nach gutem Start in Dortmund zeigte dessen Formkurve zuletzt doch deutlich nach unten. Gegen Bielefeld, Köln und auch Leipzig unterliefen dem Kroaten kapitale Böcke, die glücklicherweise unbestraft blieben.

25 Gegentore in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal sind ohnehin schon zu viele für eine Mannschaft wie Borussia Dortmund. Diese hohe Quote ist natürlich nicht nur den Verteidigern zuzuschreiben, dennoch vermisst man des Öfteren eine gewisse Hartnäckigkeit im Zweikampfverhalten. Gerade auf letzter Linie verteidigt die Defensivreihe recht luftig, steht nicht nah genug an den Gegenspielern – sowohl bei Flanken-Versuchen als dann auch im Sechzehner. Gesehen gegen Ajax und Leipzig. Häufig fehlt die Abstimmung. Bei Standards verhalten sich die Borussen phasenweise gar dilettantisch. Toreschießen gegen den BVB, das geht zu einfach.

Raphael Guerreiro fehlt dem BVB in Sachen Offensivbemühungen

Angesprochen auch die Defensiv-Probleme und die vielen Gegentore hat Marco Rose immer wieder bekräftigt, daran arbeiten zu wollen. Nur mit denen, mit denen er daran arbeiten wollen würde, konnte er das bislang kaum. Weder im Training, noch im Spiel. Immer wieder fehlte ein Akteur verletzungsbedingt. Die vermeintliche 1A-Viererkette (Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro) stand bloß viermal in dieser Formation auf dem Platz. Sonst gab es immer wieder improvisierte Notlösungen und neue Kombinationen.

Was in den letzten Wochen vor allem daran lag, dass nach den Verletzungen von Raphael Guerreiro und Nico Schulz und der Reha von Mateu Morey kein einziger gelernter Linksverteidiger mehr zur Verfügung stand.

Gerade der Ausfall von Guerreiro wiegt besonders schwer. Nicht unbedingt in der Arbeit gegen den Ball, sondern viel mehr in Sachen Offensivbemühungen. Zuletzt fand er zwar nicht immer die perfekte Balance zwischen diesen beiden Aufgaben, wenn er sich ihr aber nur annähert, ist das goldwert für das Dortmunder Spiel. Am Montag konnte er immerhin schon wieder Teile des Mannschafstrainings absolvieren.

Thomas Meunier mit einer bis dato sehr guten Saison

Immerhin gibt es die gleichen Probleme nicht auch noch auf der rechten Seite zu beklagen. Nachdem Felix Passlack Thomas Meunier in den ersten Partien der Saison mehr schlecht als recht vertreten hat, hat der Belgier nach seiner Corona-Infektion gezeigt, dass er deutlich stärker ist, als es die Auftritte im Trikot von Borussia Dortmund aus der letzten Saison vermuten ließen. Meunier hat sich gefangen, ein paar Unsauberkeiten hat er zwar immer noch in seinem Spiel. Aber sie sind merklich weniger geworden. Und er schaltet sich offensiv deutlich stärker mit ein, seine scharfen Hereingaben fanden schon häufiger dankbare Abnehmer.

Auffällig: Spielen die Stammverteidiger zusammen, hat der BVB bislang jedes Spiel gewonnen. Sowohl in der Liga als auch in der Champions League. Doch zu häufig fehlt von ihnen mindestens einer. Und dann tauchen zwangsläufig eben doch Namen wie Thorgan Hazard, Axel Witsel oder Marius Wolf dort hinten auf.

Über den Autor
Jahrgang 1991, tritt seitdem er Vier ist selbst gegen den Ball, hat mit 14 das erste Mal darüber berichtet, wenn es andere tun. Wollte seitdem nichts anderes machen und hat nach Studium und ein paar Jahren Lokaljournalismus seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Seit 2021 BVB-Reporter.
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Kevin Pinnow

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