BVB-Abwehrchef Mats Hummels wird im Pokalfinale zum Schlüsselspieler

Borussia Dortmund

BVB-Abwehrchef Mats Hummels überzeugt mit starkem Stellungsspiel und souveränen Auftritten, die Gegner fürchten seinen guten Spielaufbau. Auch darauf wird es im Pokalfinale ankommen.

Dortmund

, 13.05.2021, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mats Hummels (r.) ist einer der Schlüsselspieler im Team von BVB-Trainer Edin Terzic.

Mats Hummels (r.) ist einer der Schlüsselspieler im Team von BVB-Trainer Edin Terzic. © dpa

Robert Lewandowski verlängert mit dem Kopf, Mats Hummels bugsiert den Ball kraftvoll auf das Tor der Münchner, Bayerns Dante hat große Schwierigkeiten, auf der Linie zu klären. Es misslingt ihm sogar! Ehe der Verteidiger mit dem Wuschelkopf das Leder herausprügelt, liegt es schon hinter der Linie. Der Schiedsrichter aber gibt das Tor trotzdem nicht. Hummels kann es nicht fassen. Am Ende gewinnen die Bayern mit 2:0 und können sich DFB-Pokalsieger 2014 nennen.

Seit diesem Finale sind einige weitere ins Land gezogen. Meistens war Hummels beteiligt. Im Folgejahr noch einmal mit dem BVB, dann in der Saison 2017/18 mit Rekordmeister FC Bayern München, mit dem er 2019 sogar zum zweiten Mal in seiner Karriere (nach 2012 mit dem BVB) den Pokal gewann. Innerhalb der BVB-Mannschaft, die heute Abend (20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) in Berlin erneut um den Titel kämpft, kennt sich keiner so gut mit Endspielen in diesem Wettbewerb aus wie der Abwehrchef. Jetzt steht Hummels also erneut in einem Pokalfinale. Mal wieder. Dieses Mal geht es gegen RB Leipzig - und Borussia Dortmund will unbedingt den Titel. Der 32 Jahre alte Hummels wird dabei ein Schlüsselspieler sein.

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Seit seiner Rückkehr aus München ist Hummels ein Fixpunkt im Spiel der Schwarzgelben. Seit Sommer 2019 stand er in 62 von 66 möglichen Bundesliga-Spielen in der Anfangsformation und ist der unumstrittene Strippenzieher der Borussen-Defensive. Allein in dieser Saison kommt er auf die meisten Ligaspiele (31) und Spielminuten, fehlte nur am 31. Spieltag beim 2:0-Sieg in Wolfsburg wegen einer Gelbsperre. Hinzu kommen die vielen weiteren Einsätze in der Champions League und eben im DFB-Pokal. Ist Hummels fit und spielberechtigt, so ist er auch gesetzt.

Mats Hummels überzeugt beim BVB mit seinem Stellungsspiel

Dabei sprechen die Daten und die Spielweise für den Vielspieler Hummels. Seine Aufgaben in der Defensive löst er meist ohne Foul, setzt damit auch klar die Marschroute seines Trainers Edin Terzic um. „Die beste Art, gegnerische Standards zu verteidigen, ist, überhaupt gar keine zuzulassen“, erklärt dieser immer wieder. Zur Veranschaulichung: In seinen insgesamt 362 Bundesliga-Spielen beging Hummels bislang nur 255 Fouls und sah lediglich 41 Gelbe Karten - davon allerdings schon sechs in der laufenden Spielzeit. Hummels überzeugt mit einem starken Stellungsspiel und löscht Situationen so schon oft, bevor sie überhaupt richtig Feuer fangen. Gefahren birgt diese Spielweise trotzdem. Gerade bei Hummels. Und ausgerechnet gegen Leipzig könnte sie zu Problemen führen. Denn: Hummels ist nicht wirklich flink auf den Beinen.

Er jubelte schon, doch sein Tor zählte nicht: Mats Hummels im Pokalfinale 2014.

Er jubelte schon, doch sein Tor zählte nicht: Mats Hummels im Pokalfinale 2014. © imago / Sven Simon

Beim letzten Aufeinandertreffen mit den Sachsen in der Liga am vergangenen Samstag hat der BVB das schmerzhaft zu spüren bekommen. Beim zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleichstreffer in der 77. Minute stahl sich Leipzigs Hee-chan Hwang aus dem Deckungsschatten und Hummels kam diesen berühmten Schritt zu spät, um den Pass noch abzufangen, ließ sich danach abkochen. Das Stellungsspiel ist seine schärfste Waffe, aber kommt Hummels gegen flinke Gegenspieler mal zu spät oder wird auf dem falschen Fuß erwischt, reicht das Tempo oft nicht aus, um den Fehler wieder auszubügeln. Es stellt sich für das Finale daher auch die Frage, welchen Stürmertypen RB-Coach Julian Nagelsmann ihm vor die Füße setzt, Hwang (1,77 Meter, 77 Kilogramm) dürfte Hummels die größeren Probleme bereiten. Mit dem norwegischen Sturmtank und Haaland-Kumpel Alexander Sörloth (1,95 Meter, 90 Kilogramm) dürfte er schon eher fertig werden.

Hummels spielt auch in der BVB-Offensive eine wichtige Rolle

Hummels wäre aber nicht einer der BVB-Schlüsselspieler, wenn er nur einen defensiven Beitrag leisten würde. Auch in der schwarzgelben Offensive spielt er eine große Rolle. Seine Pässe mit dem Außenrist sind exakt und akkurat. Der Abwehrchef kann gegnerische Ketten punktgenau überspielen und so Räume öffnen. In der Liga weist Hummels lediglich eine Fehlpassquote von zehn Prozent auf. Hinzu kommt seine Ballsicherheit im Aufbau. Zwar sind die langen Pässe ein probates Mittel, der Rechtsfuß ist aber auch tief in der eigenen Hälfte eine gern gesehene Anspielstation. Ligaweit hat er nach Leverkusens Edmond Tapsoba die meisten Ballbesitzphasen (2910) und ist im Schnitt 97 Mal pro 90 Minuten am Ball. Schaltet sich Hummels zudem bei offensive Standards mit ein, strahlt er eine gewisse Torgefahr aus. Wettbewerbsübergreifend kommt er in der laufenden Spielzeit in 45 Partien auf sechs Treffer.

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Neben seinen souveränen Defensivauftritten, seiner Extraklasse in Sachen Spielaufbau, seiner Torgefahr bei Standards und seinen Endspielerfahrungen kann Hummels außerdem mit einem weiteren Trumpf aufwarten. Im DFB-Pokal traf er zweimal auf die Sachsen: In der Saison 2017/18 setzte er sich in der zweiten Runde gegen Leipzig mit dem FC Bayern im Elfmeterschießen durch und verwandelte sogar selbst vom Punkt. 2019 gewann er mit München das Endspiel gegen RB. Und: Mats Hummels hat von seinen bisherigen elf Pflichtspielduellen gegen RB Leipzig nur eins verloren (mit dem FC Bayern - am 18. März 2018).

Im Pokalfinale 2021 ist die Torlinientechnik im Einsatz

Der vielleicht größte Mutmacher hat übrigens nichts mit Daten rund um Mats Hummels zu tun, sondern ist technischer Natur: Im DFB-Pokal wird mittlerweile die Torlinientechnik eingesetzt. Die Fehlentscheidung von 2014 kann sich am Donnerstagabend also nicht wiederholen - vielleicht drückt Mats Hummels noch einmal einen Ball über die Linie. Dieses Mal dann gegen Leipzig. Und dieses Mal würde es zählen.

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