BVB ist bei Arminia Bielefeld gefordert: Der laute Herr Favre

Borussia Dortmund

Fehlende Emotionalität an der Seitenlinie war lange ein Kritikpunkt an Lucien Favre. Die Geisterspiele aber belegen, dass Borussia Dortmunds Trainer auch anders kann.

Dortmund

, 31.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Emotional an der Seitenlinie: BVB-Trainer Lucien Favre.

Emotional an der Seitenlinie: BVB-Trainer Lucien Favre. © dpa

Der schrille Unterton in seiner Stimme wies auf die Dringlichkeit der Ansprache hin. Lucien Favre gestikulierte und rief immer wieder. „Breit, breit, Außen, Außen!“ Gegen Zenit St. Petersburg ließen sich seine Spieler immer wieder in die Mitte locken und liefen damit in die Falle. Ohne Spiel über die Außen, ohne Tempo über die Seiten fiel es dem BVB erkennbar schwer, Lücken ins russische Abwehrbollwerk zu reißen. Entsprechend zäh gestalteten sich die 90 Minuten, Favre war an der Linie permanent gefordert.

BVB-Trainer Lucien Favre: „Jetzt können mich alle hören“

Auch wenn sie es zu selten umsetzten: immerhin verstanden ihn seine Spieler endlich einmal. In diesem Punkt, meinte der 62-Jährige am Freitag vor dem BVB-Auswärtsauftritt bei Arminia Bielefeld (Sa., 15.30 Uhr, live bei Sky), hätten die Geisterspiele wenigstens etwas Gutes: „Sonst erreiche ich maximal die Außenspieler direkt vor mir, weil es einfach zu laut ist. Jetzt können mich alle hören.“

Von diesem Umstand machte der Dortmunder Trainer gegen St. Petersburg exzessiver Gebrauch als geplant, dennoch war Favre mit dem Verlauf dieses Spiels und der nächsten Englischen Woche nicht unzufrieden. Sieg im Revierderby, Sieg in der Champions League, beide Partien ohne Gegentor und nahezu ohne gegnerische Chancen – da ließ sich die spielerische Armut und der fehlende Ideenreichtum vor allem in der Partie am Mittwoch leichter verschmerzen.

BVB bereitet sich auf Bielefelder Pressing vor

Gut möglich, dass die Borussia am heutigen Samstag ein ähnlicher Spielverlauf herausfordern wird. Gleich fünf Mal hatte Favre den Aufsteiger beobachtet, es müssen angesichts der engen Taktung mit Spielen im Drei-Tages-Rhythmus einige nächtliche Video-Sitzungen gewesen sein im Hause des Trainers.

Favres Erkenntnisse: „Wir müssen vorbereitet sein.“ Bielefeld könne ähnlich defensiv spielen wie St. Petersburg, sie könnten aber auch versuchen, den BVB durch frühes Pressing zu stören. Die klare Erwartung an die Mannschaft, egal wie der Gegner spielt, ist ein Auswärtssieg, der Favres besten Saisonstart als BVB-Trainer weiter ausbauen würde.

Das letzte BVB-Duell gegen Arminia liegt weit zurück

Mit dem heutigen Gegner verbinden sich für die Borussia einige spezielle und persönliche Geschichten. Arminias Trainer Uwe Neuhaus hat sechs lange Jahre beim BVB als Co-Trainer der Bundesliga-Mannschaft unter vier Cheftrainern (Sammer, Skibbe, Kraus, Lattek) und Sportdirektor Michael Zorc gearbeitet. „Er ist ein super Typ, der als Trainer einen hervorragenden Weg gegangen ist“, sagt Zorc. „Das freut mich sehr für ihn!“

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Lange Jahre mussten die Ostwestfalen, gefangen zwischen zweiter und dritter Liga, auf reizvolle Duelle gegen den BVB warten. Das letzte fand im Mai 2009 statt, als der BVB mit 6:0 siegte und den Doppeltorschützen Sebastian Kehl feierte – nie zuvor und nie wieder danach gelangen dem designiertem Zorc-Nachfolger in einem Pflichtspiel für den BVB noch einmal zwei Treffer.

Nur leichte Symptome bei Can - Schulz fällt aus

Kurios auch, dass Marco Reus noch nie ein Pflichtspiel gegen die Arminia bestritt. Das zumindest dürfte sich heute ändern, auch wenn Favre mit einem nahezu kompletten Kader im Rücken erneut Versteck spielen konnte und natürlich nicht verriet, wie seine erste Elf aussehen wird. Fehlen werden nur die verletzten Marcel Schmelzer, Dan-Axel Zagadou und Nico Schulz, bei dem erneut Beschwerden aufgetreten sind, sowie Emre Can, dessen Covid 19-Erkrankung weiter mit nur leichten Symptomen verläuft, wie Zorc auf Anfrage der Ruhr Nachrichten bestätigte. Kurz vor Anpfiff teilte der BVB zudem noch mit, dass Erling Haaland verletzt ausfallen wird.

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Dass rotiert wird, verstehe sich aber von selbst. Und ohne der Arminia zu nahe zu treten, darf man spekulieren, dass Favre im Hinblick auf die kommende Woche mit wichtigen Spielen in der Champions League in Brügge und in der Liga gegen die Bayern tiefer in die Trickkiste greifen wird als vielleicht üblich. Im Zweifel gut für den Dortmunder Trainer: Auch in Bielefeld wird ohne Zuschauer gespielt. Sollte es nicht laufen, werden seine Kommandos erneut zu hören sein.

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