Borussia Dortmund

BVB besteht Charaktertest in Bielefeld – mit kleinen Schönheitsfehlern

Der BVB besteht den Charaktertest in Bielefeld mit Ernsthaftigkeit und Cleverness. Durch das 3:1 liegt Dortmund in der Bundesliga auf Kurs. Ohne Haaland lahmt die Offensive jedoch gewaltig.
Erleichterung bei den BVB-Profis nach dem 3:1-Sieg in Bielefeld. © dpa

Die Diskussion mit dem Kapitän war kurz. Den Ball, den sich Emre Can nach dem Foul von Cedric Brunner an Donyell Malen geschnappt hatte, gab der Dortmunder Mittelfeldspieler nicht mehr her. Die Szene hätte später eine größere Bedeutung bekommen können, doch genauso selbstbewusst, wie sich Can im Gespräch mit Marco Reus behauptete, verwandelte er dann den fälligen Strafstoß. Das war die Knackpunkt-Situation in einem bis dato schwierigen Spiel für Borussia Dortmund. Mit der 1:0-Führung gewann der stark ersatzgeschwächt angetretene BVB deutlich an Sicherheit und am Ende ungefährdet das Spiel bei Arminia Bielefeld. Mats Hummels legte vor der Pause sehenswert noch das 2:0 nach und traf nun in den vergangenen 14 (!) Spielzeiten als Innenverteidiger mindestens ein Mal.

BVB-Youngster Bellingham macht in Bielefeld den Deckel drauf

Am Ende stand nach dem dritten Treffer (Jude Bellingham, 73.) und dem Ehrentreffer von Fabian Klos (87., Foulelfmeter) gegen einen allerdings sehr schwachen Gegner ein problemlos herausgespieltes 3:1 in einem Spiel, das für die Borussia durchaus richtungweisenden Charakter haben könnte. Denn nach dem 0:4 in Amsterdam und der sich danach dramatisch verschlimmernden Personalsorgen durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Erling Haaland, Thomas Meunier und Nico Schulz wurde die Partie auf der Alm auch zur Charakterfrage erklärt. Diese Prüfung bestand Dortmund am Ende ohne großen Zauber und nicht ohne anfängliche Wackler, immerhin aber mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Cleverness.

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Trainer Marco Rose hatte die vorab angekündigte „Bastelstunde“ bei der Suche nach einer Aufstellung für diese Partie beim Tabellenvorletzten durchaus mit einigen Überraschungen beendet, er löste die Viererkette auf und agierte mit drei Innenverteidigern auf einer Linie, er verzichtete trotz der Personalnot auf Axel Witsel, um im defensiven Mittelfeldzentrum in Emre Can mehr körperliche Robustheit zu bekommen. Marius Wolf kam zu einem verdienten Startelf-Einsatz, ebenso wie Marin Prongracic, der zunächst als Mittelmann der Dreierkette agierte.

Marin Prongracic ist ein Unsicherheitsfaktor in der BVB-Abwehr

Dieses Experiment beendete Rose freilich sehr schnell, weil sich der Wolfsburger Leihspieler im Zentrum unerklärliche Fehler leistete. Schon im Duell mit Robin Hack ließ er sich zu einfach ausspielen (10.), dessen Schuss stellte Gregor Kobel allerdings vor keine Probleme. Schwerwiegende Folgen hätte hingegen Pongracics übler Ballverlust gegen den Ex-Dortmunder Janni Serra haben können. Serra stürmte allein auf Kobel zu, der lange stehen blieb und abwehren konnte. Gegen den heranstürmenden Hack vereitelten Pongracic und Kobel in Teamarbeit, dabei prallte Dortmunds Keeper aber mit der Brust gegen den Pfosten (18.).

Das Dortmunder Spiel in dieser Phase war geprägt von vielen kleinen und größeren Unsauberkeiten. Unruhe auf dem Platz, Unruhe auch am Rand, wo Rose an Manuel Akanji die Order gab, mit Pongracic die Position zu tauschen. Situativ setzte Bielefeld auf ein hohes Pressing und kopierte die Herangehensweise, die den BVB am Dienstag vor so große Probleme gestellt hatte. Zwei Chancen von Donyell Malen (7./8.) dokumentierten eher durchwachsen strukturierte Dortmunder Offensivbemühungen.

Can-Treffer bringt den BVB in Bielefeld auf die Siegerstraße

Hinein in eine Phase, in der Bielefeld mutiger wurde, verhalf allerdings eine gute Gegenpressing-Situation dem BVB zur Führung. Malen war beteiligt, von Brunner wurde der Sommer-Neuzugang im Strafraum von den Beinen geholt, es gab Elfmeter. Den Ball schnappte sich in Abwesenheit von Erling Haaland Can und verwandelte sehr selbstbewusst (31.). Das Tor gab dem BVB endlich die nötige Sicherheit. Mehr Kontrolle, kaum noch Gefahr für das eigene Tor prägten die Minuten bis zur Pause. Und als Hummels eine zu kurze Kopfballabwehr von Amos Pieper technisch anspruchsvoll volley in die lange Ecke beförderte, hatte die Borussia eine Vorentscheidung erzwungen (45.).

Bitter, dass in der Kabine Kobel das Signal zur Auswechslung gab – eine Folge der Aktion am Torpfosten. Ersatzmann Marwin Hitz wurde von Ramos dann gleich ernsthaft geprüft (56.). In der Summe aber war erkennbar, warum der Vorletzte erst vier Treffer erzielen konnte. Offensiv waren die Ostwestfalen viel zu harmlos, ihnen fehlte am Ende auch der Glaube.

BVB kassiert auch in Bielefeld das obligatorische Gegentor

Mit der Führung im Rücken brachte Dortmund das Spiel dann sicher nach Hause. Marco Reus scheiterte noch mit einem Schuss aus sehr spitzem Winkel (57.), Dortmunds Kapitän war dann auch der Initiator des 3:0. Elegant nahm er den Ball aus der Luft an, sein Zuspiel zu Jude Bellingham veredelte der Engländer dann mit einem schönen Dribbling gegen gleich drei Bielefelder inklusive Lupfer über Arminen-Keeper Ortega (73.).

Fotostrecke

Bundesliga, 9. Spieltag: Arminia Bielefeld – BVB 1:3 (0:1)

Bielefeld, das konnte man der Mannschaft anrechnen, resignierte auch danach nicht. Belohnung: Nach Hummels‘ Hakler gegen Wimmer verwandelte Fabian Klos den Elfmeter zum 1:3 (87.). Ohne Gegentor ging es für den BVB auch an diesem Wochenende nicht ab.