BVB-Boss Watzke geht bei Borussia Dortmund voran – Gehaltsverzicht, um Krise abzuwenden?

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Die Coronavirus-Krise wird für nahezu jeden wirtschaftliche Einschnitte mit sich bringen. Auch für den BVB – ein Gehaltsverzicht war schon mal die Lösung.

Dortmund

, 19.03.2020, 10:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eines ist klar: Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie werden heftig ausfallen. Auch für Borussia Dortmund und die Fußball-Bundesliga. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke reagiert so, wie er es schon in einer früheren Krise tat: Er verzichtet auf Gehalt.

Die DFL machte jüngst ihre Sorgen öffentlich: Im schlimmsten Coronavirus-Falle droht etlichen Klubs die Insolvenz. Seit Tagen stricken also alle Bundesligisten intensiv an Plänen, wie sie auf extreme Umsatzeinbußen reagieren müssen. Wenn die Millionen aus TV-Töpfen, Sponsoring und Ticketing nur noch stark eingeschränkt fließen. Auch ein Gehaltsverzicht der Lizenzspieler könnte dann auf der Agenda stehen. Hans-Joachim Watzke wartete nicht auf die eventuell eintretende Notlage, sondern reagierte bereits jetzt. Der BVB-Geschäftsführer verzichtet ab sofort auf ein Drittel seines Gehalts. So lange, bis in der Bundesliga wieder gespielt und Geld verdient werden kann.

Borussia Dortmund kennt den finanziellen Überlebenskampf

Das heute finanziell und sportlich gesunde Borussia Dortmund hat eine wirtschaftliche Extremsituation wie die nun ligaweit auf der Schwelle stehende bereits einmal durchlebt. Zwischen 2003 und 2005 spitzte sich die Lage beim BVB sogar derart zu, dass er in „eine existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation“ geriet. Es tobte damals der nackte Überlebenskampf.

Als die Borussia Ende August 2003 das Ticket für die Champions League in der Qualifikation gegen den FC Brügge verpasst hatte, geriet das höchst riskante Finanzkonstrukt des BVB ins Wanken. Da nun die dringend benötigten Millionen aus der Königsklasse fehlten, appellierten Manager Michael Meier und Präsident Dr. Gerd Niebaum an die Spieler, auf 20 Prozent des Grundgehalts zu verzichten. Meier erklärte damals, dass das Geld in Leistungsprämien umfunktioniert werden solle.

Gehaltsverzicht beim BVB: Hitzige Debatten entbrannten

Mit jedem einzelnen Spieler sprachen die Klub-Bosse, Ende September stimmte die Mannschaft zu. „Die Truppe ist charakterlich in Ordnung“, resümierte Trainer Matthias Sammer, der ebenfalls auf einen Teil seiner Bezüge verzichtete. Auch Sportdirektor Michael Zorc tat das. Klub-Legende Leonardo Dede, damals Profi, erinnerte sich später, dass nicht jeder Spieler direkt zustimmte und es teamintern hitzige Debatten wegen des geforderten Gehaltsverzichts gab. „Wenn einem der Chef plötzlich viel Geld wegnehmen will, sagt keiner sofort Ja“, erklärte Dede.

Trotz des erreichten Verzichts der Profis verbuchte der BVB im ersten Geschäftshalbjahr der Saison 2003/2004 fast 30 Millionen Euro Minus, das Rekorddefizit am Ende des Geschäftsjahres betrug gar 67,7 Millionen Euro. Und die Borussia saß auf 118,8 Millionen Euro Schulden. Der Kollaps stand bevor.

Watzke und Rauball verzichteten schon früh auf Gehalt beim BVB

Die finanzielle Existenzkrise erforderte schließlich neue Führungskräfte: Dr. Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke traten an, um den BVB vor der Insolvenz zu retten. Und auch sie verzichteten zu Beginn ihrer Mission auf Bezüge, um den Klub zu entlasten.

Rauball, der das Präsidentenamt von Dr. Gerd Niebaum übernahm, ging im Februar 2005 sogar per Presseerklärung an die Öffentlichkeit, um allen aufkeimenden Spekulationen um sein angebliches Salär entgegenzutreten. „Ich werde die mir übertragende Verantwortung mit großem Engagement unentgeltlich weiter ausüben, weil ich den BVB in keinem Falle im Stich lassen werde“, schrieb Rauball, dem damals auch die sportliche Leitung oblag. Hans-Joachim Watzke setzte ein ähnliches Signal. Als er am 15. Februar 2005 vom Präsidialausschuss zum neuen Geschäftsführer der KGaA als Nachfolger Niebaums bestimmt wurde, arbeitete er von da an über viereinhalb Monate für den BVB, ohne einen Cent Gehalt dafür zu beziehen.

Gehaltsverzicht zeigt: Lage ist ernst bei Borussia Dortmund

Die damalige Rettungsmission war letztlich von Erfolg gekrönt, Borussia Dortmund zählt längst wieder zu den Top-Adressen in Fußball-Europa. Doch eine neue finanzielle Herausforderung steht der börsennotierten Borussia wahrscheinlich nun ins Haus. Der Geschäftsbetrieb sei sichergestellt und eine existentielle Bedrohung des Unternehmens sei gegenwärtig nicht gegeben, vermeldete die BVB-Geschäftsführung zwar am Montag. Sie zog aber die Prognose zurück, im laufenden Geschäftsjahr einen Millionen-Überschuss zu erzielen. Die noch unklaren Auswirkungen der Corona-Krise machten das zwingend nötig. Und wie vor 15 Jahren sendet Hans-Joachim Watzke auch jetzt durch seinen persönlichen Gehaltsverzicht ein Signal, dass die Lage ernst zu nehmen ist.

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