BVB-Boss Watzke über Bundesliga-Geisterspiele: „Das ist ja kein Hobby“

rnBorussia Dortmund

Bald soll der Ball in der Bundesliga wieder rollen. Hans-Joachim Watzke ist hocherfreut und sieht den Fußball in der Bringschuld. Den Vorwurf einer Sonderrolle weist der BVB-Boss zurück.

Dortmund

, 20.04.2020, 19:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Montag signalisierten auch die beiden wichtigsten Ministerpräsidenten Deutschlands ihre Zustimmung erstmals öffentlich. Markus Söder (CSU, Bayern) und Armin Laschet (CDU, Nordrhein-Westfalen) halten Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga für denkbar, „vielleicht ab dem 9. Mai frühestens“, wie Söder betonte. Laschet ergänzte bei „Bild“, dass die akribischen und detailreichen Vorbereitungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) überzeugt hätten. „Das, was die DFL in diesen Tagen vorgelegt hat, lässt erkennen, dass es Schutzvorkehrungen gibt. Ich könnte mir vorstellen, dass wir zum Zustand der Geisterspiele zurückkehren können.“

BVB-Boss Watzke begrüßt den Vertrauensvorschuss der Politik

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Die Fußball-Lobby hatte im Hintergrund intensiv dafür geworben, wieder spielen zu dürfen. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke begrüßte im Gespräch mit dieser Redaktion die Entscheidung der Politik ausdrücklich. „Es handelt sich um einen Vertrauensvorschuss der Politik“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung. Die Maßnahmen, mit denen die DFL die Gefahren durch die Corona-Pandemie auf ein Minimum reduzieren will, haben offensichtlich überzeugt. „Hätte die Liga nicht so ein durchdachtes Konzept vorgelegt, hätte die Politik womöglich anders entschieden. Wir sind jetzt in der Bringschuld“, meint Watzke.

Partien vor leeren Rängen und mit der kleinstmöglichen Zahl an Menschen in den Stadion gehören ebenso zum Plan wie wöchentlich mehrere Tests auf das Coronavirus bei den Spielern in den Klubs. Wenn wieder gespielt wird, soll das ein kleiner Schritt zurück zur Normalität sein, auch wenn Fußball im Fernsehen und ohne Zuschauer nicht das Stadionerlebnis ersetzen kann. „Ich hoffe“, so Watzke, „dass im Mai viele Fans ein bisschen Freude empfinden können, wenn ihre Vereine wieder spielen.“

BVB-Boss Watzke stellt klar: „Fußball nimmt keine Sonderrolle ein“

Den Vorwurf, das Business Bundesliga konterkariere mit den geplanten Geisterspielen alle gesellschaftlichen Anstrengungen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, lässt Watzke nicht stehen: „Der Fußball nimmt keine Sonderrolle ein. Bei den Autobauern rollen die Bänder, auf Baustellen wird gearbeitet, Friseure öffnen, andere Geschäfte ebenfalls. Wir gehen in der Bundesliga unserer Arbeit nach, das ist ja kein Hobby, sondern Beruf.“

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Noch größer als die sozialen Aspekte, die mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs einhergehen, dürfte jedoch der wirtschaftliche Druck innerhalb der Bundesliga gewesen sein. Mehrere Klubs wären bereits ohne die Vorabzahlung des TV-Senders Sky in eine kritische Schieflage geraten. Mit dem Wiederanpfiff bekämen die Klubs, sofern die Saison zu Ende gespielt werden kann, zumindest etwas Planungssicherheit. BVB-Boss Watzke, der Borussia Dortmund finanziell widerstandsfähig aufgestellt hat, sorgt sich um klammere Klubs. „Ich wünsche mir, dass wir auf dieser Strecke nicht einen einzigen Traditionsverein in der Bundesliga verlieren. Darum kämpfen wir.“

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