BVB-Boss Watzke zeigt emotionale Seite: „Dann geht es mir nicht gut“

Borussia Dortmund

Hans-Joachim Watzke ist ein knallharter Entscheider. Der BVB-Boss hat aber auch eine sehr emotionale Seite und verrät, warum eine Auswärtsfahrt nach Augsburg ein ungutes Gefühl auslöst.

Dortmund

, 27.11.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 4 min
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. © Inderlied/Kirchner-Media

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ist vielen nur als der eloquente Geschäftsmann bekannt, der Borussia Dortmund vor der Pleite bewahrt und zurück an die nationale und internationale Spitze geführt hat. Doch der Unternehmer hat auch eine ziemlich emotionale Seite, die er im Podcast von Sandra Maischberger offenbart. Der 61-Jährige spricht offen über den Verlust seines Vaters, seine Beziehung zu ranghohen Politikern und welche Rolle Borussia Dortmund in seinem Leben spielt.

Das sagt BVB-Boss Hans Joachim Watzke über...

... seinen Spitznamen Aki: „Das ist die Kurzform von Joachim, weil ich als kleines Kind den Namen nicht so gut aussprechen konnte. Das ist bis heute so geblieben und eigentlich ganz gut, weil es kurz und prägnant ist. Nur noch meine 90-jährige Mutter sagt noch Hans-Joachim zu mir, wenn sie sauer auf mich ist.“

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... die besondere Beziehung zu seinem verstorbenen Vater: „Er war mein Freund. Ich bin sehr liberal erzogen worden, die Kinder durften zu Hause immer ihre Meinung sagen. Das hat mich sehr geprägt. Es gab nie eine Situation, wo wir mal zwei Tage nicht miteinander gesprochen hätten oder so. Auch wenn ich mir mal die Haare habe lang wachsen lassen, hat ihn das vielleicht gestört, aber mein Vater hat das nie kritisiert.“


... den Verlust seines Vaters: „Wir hatten ein Auswärtsspiel in Augsburg und vorher habe ich noch mit meinem Vater gesprochen. Er wusste, dass es das letzte Mal ist, dass wir miteinander reden werden. Er hatte Krebs und ihm fehlte die Kraft. Er hat mir aber gesagt, egal, was passiert, ich soll nach Augsburg fahren mit dem BVB. In der zweiten Halbzeit ist er dann gestorben. Das war dann eine besondere Situation. Jedes Mal, wenn wir nach Augsburg kommen, dann geht es mir nicht gut.“

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... seine Beziehung zu CDU-Politiker Friedrich Merz: „Wir sind keine engen Freunde, aber wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis. Auch die Familien kennen sich und er war ja zehn Jahre lang bei mir beim BVB in den Gremien. Um gleich einen Gegenpol zu setzen: Ich habe auch ein sehr, sehr gutes Verhältnis mit Armin Laschet. Und Jens Spahn gehört zu meinen persönlichen Freunden.“


... Bücher und Filme zur Zerstreuung: „Ich lese Krimis und Biografien. Zuletzt habe ich mich an der von Franz Josef Strauß abgearbeitet. Filme schaue ich eher seltener, wenn dann Serien. Gerne Netflix und auch Sachen aus der ARD- und ZDF-Mediathek. Zuletzt habe ich mir wegen meiner Tochter ‚Queen’s Gambit’ angeschaut.“


... seinen Musikgeschmack: „Ich bin nicht so komplett festgelegt. Ich habe bestimmt so 7.000 bis 8.000 Songs, die ich selbst geladen habe im Laufe der letzten zehn oder 20 Jahre. Aber ich bin da komplett offen. Ich höre gerne Stefan Waggershausen, Beatles, auch ganz normal, was heute so läuft. Lana Del Rey finde ich zum Beispiel total cool, wenn ich gerade mal nicht so gute Laune habe. Ich habe da nicht so diesen festgefahrenen Musikgeschmack.“


... Ex-BVB-Coach Jürgen Klopp: „Wenn du sieben Jahre mit einem eng zusammenarbeitest, dann bist du auch befreundet: Das ist ein sehr enges Verhältnis. Mit dieser speziellen Art hat er es mir auch leichter gemacht. Wenn du so einen kongenialen Partner mit an Bord hast, ist das Leben deutlich angenehmer. Er ist jemand, wenn er in den Raum kommt, strahlt sofort die Sonne.“


...Thomas Tuchel: „Es heißt ja immer, man soll vor seiner eigenen Tür kehren. Aber ich sehe da bis heute nicht den großen Fehler bei mir. Es ist eine Tragik eigentlich. Tuchel ist ein außergewöhnlich guter Trainer. Nach Jürgen Klopp war das eine Top-Lösung, weil er auch unfassbare Fähigkeiten auf dem Platz hat. Es gibt aber manchmal Dinge, die harmonieren einfach nicht. Es hat ja mit keinem der Protagonisten beim BVB funktioniert. Aber ich würde jetzt Tuchel auch nicht zu meinen Feinden zählen. Thomas ist ein schwieriger Mensch, aber ein fantastischer Trainer.“

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... den ehemaligen Bayern-Chef Uli Hoeneß: „Er hat mir nie das ‚Du‘ angeboten und ich bin auch nicht böse, dass er es nie getan hat. Ich habe Respekt vor dem, was er geleistet hat. Aber wenn er zum Beispiel meinen Verein kritisiert, was meint er, was er dafür von mir bekommt? Lob etwa? Ich weiß auch nicht, warum er so ist. Das führt halt nicht dazu, dass ich sage: Toller Typ.“


... seine Kritik an Dietmar Hopp: „Ich habe immer versucht, in der Sache zu bleiben. Ich hätte aber erkennen müssen, dass das möglicherweise andere Menschen nicht so differenzieren können. Das ist immer ein schmaler Grat. Ich habe mich gegenüber Dietmar Hopp nie im Ton vergriffen. Mir passt es einfach nicht, wenn sich einfach einer so einen Klub schnappt und dann sind die oben. Das Verhältnis ist eigentlich gar nicht so schlecht. Wir haben einen Dissens: Ich sage, wenn du dich in den Fußball hineinbegibst, musst du auch mit den negativen Begleiterscheinungen leben. Wenn ich nach Gelsenkirchen komme, da sind mir vor fünf Jahren Dinge entgegengeschleudert worden. Dagegen war das, was dem Dietmar Hopp passiert ist, noch harmlos – auch wenn es schon schlimm genug war. Aber ich wusste einfach, das ist einfach dann so. Das war er nie bereit zu akzeptieren.“


... BVB-Coach Lucien Favre: „Er ist ein sehr netter Mensch, sehr gut erzogen, sehr bescheiden. Er hat enorme Stärken. Er ist nicht der emotionalste – aber jeder Mensch hat seine Stärken. Ich finde die Arbeit, die er für den BVB bisher geleistet hat, kann sich durchaus sehen lassen.“

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...sein Karriereende nach 2022: „Eigentlich war mein Plan, in 2021 sich Gedanken zu machen, wie es weitergeht. Ich wollte mich mit Reinhard Rauball zusammensetzen und gucken, wie stellen wir den Verein zukunftsträchtig auf? Ich hatte aber nicht mit Corona gerechnet. Wenn ich das Gefühl habe, wir haben diesen Berg bestiegen, werde ich mir Gedanken machen. Und selbst wenn ich irgendwann kein Amt mehr habe, werde ich den Verein immer verfolgen. Es gibt für mich kein Leben ohne den BVB.“

Der komplette ARD-Podcast mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke:

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