In Amsterdam völlig überfordert: BVB-Linksverteidiger Nico Schulz. © imago / Revierfoto
Champions League

BVB-Einzelkritik: Schulz und Can sind überfordert – Kobel verhindert ein Desaster

Borussia Dortmund kassiert beim 0:4 in Amsterdam die höchste Niederlage seiner Champions-League-Geschichte. Schulz und Can sind überfordert, Kobel verhindert ein Desaster. Die BVB-Einzelkritik.

Von Ajax Amsterdam vorgeführt, von den niederländischen Fans verhöhnt – Borussia Dortmund erlebt beim 0:4 (0:2) einen katastrophalen Abend in der Champions League und enttäuscht auf ganzer Linie. Die Einzelkritik:


Gregor Kobel:
Bei den Gegentoren eins und zwei machtlos, war beim Freistoß von Gravenberch schon auf dem Weg in die falsche Ecke, dann aber mit einem starken Hand-Reflex. Bewahrte seine Elf mehrfach vor weiteren Gegentreffern. Auch beim dritten kann er nur hinterherschauen. Konnte einem an diesem Abend einfach nur leid tun. Note: 2,0

Thomas Meunier: Seit Wochen eigentlich in guter Form, vor allem offensiv zuletzt oft ein Faktor. Gegen Ajax aber vielleicht zu sehr genau darauf bedacht, vorne Akzente zu setzen. Vernachlässigte die Rückwärtsbewegung und bot Tadic oft viele Räume. Note: 5,0

Manuel Akanji: Der Schweizer mit ungewöhnlich vielen Fehlpässen im Aufbau, hatte gegen „Büffel“ Haller schwer zu kämpfen – am Boden und in der Luft. Kurz vor der Pause im Glück, dass es für seine Aktion gegen den Ajax-Stürmer keinen Elfmeter gab. In der Defensive noch der Beste, aber auch nicht gut. Note: 4,5

Mats Hummels: Der Ausgangspunkt der ersten beiden Gegentreffer. Sein unnötiges Foul führte zum Freistoß, vor dem zweiten Treffer klärt er den Ball dort hin, wo man schon als F-Jugendlicher weiß, da darf er nicht hin: in die Mitte. Starker öffnender Pass auf Haaland (46.). Auch beim 4:0 trifft ihn eine Teilschuld, ließ Haller komplett aus den Augen. Note: 5,0

Nico Schulz: Völlig überfordert mit dem flinken und wendigen Antony, der ihn mehrfach schwindelig spielte. Gewann gefühlt kaum einen Zweikampf. Konnte fast froh sein, dass Rose ihn mit der Auswechslung vor weiteren 45 Minuten verschonte. Note: 5,5

Axel Witsel: Marco Rose betonte auf der Pressekonferenz, das Spiel in hektischen Phasen beruhigen zu wollen. Das nahm Witsel offensichtlich zu wörtlich. Ähnelte Schlafwagenfußball. Note: 4,5

Julian Brandt: Zwei gute Diagonalbälle auf Meunier. Musste viel laufen und nach hinten arbeiten. Das tat er auch. Wenn man einem BVB-Mittelfeldakteur zumindest bescheinigen konnte, dass er stets bemüht war, dann Brandt. Es sprang nur leider trotzdem nichts dabei heraus. Note: 4,5

Jude Bellingham: Gegen Mainz reichte die Kraft nicht einmal mehr zum ausgelassenen Jubel. Und offensichtlich waren die Akkus auch am Dienstag noch nicht wieder voll aufgeladen. War zwar überall auf dem Feld zu finden, kam aber häufig zu spät. Note: 4,0

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Champions League, 3. Spieltag: Ajax Amsterdam – BVB 4:0 (2:0)

Marco Reus: So oft hat er schon das 1:0 erzielt, so auch gegen Ajax. Allerdings in den falschen Kasten. „Das Tor geht auf meine Kappe, ich habe den Ball falsch eingeschätzt“, sagte der BVB-Kapitän. Sieht natürlich unglücklich aus, so wie eigentlich sein gesamter Auftritt in der Amsterdamer Arena. Auch offensiv wollte ihm einfach nichts gelingen. Note: 5,0

Donyell Malen: Trifft nach wie vor zu oft die falschen Entscheidungen. Wenn er es selbst machen muss, legt er ab. Und umgekehrt. Hatte sich seine Rückkehr zu seinem Jugendklub sicherlich anders vorgestellt. Note: 5,0

Erling Haaland: Haller gegen Haaland – das Duell der zwei Topstürmer. Es ging ganz klar an Haller. Und das lag nicht einmal an dessen Treffer. Haaland war einfach zu weit weg von seiner Normalform. Sonst wären die Abschlüsse kurz vor und nach der Halbzeit wohl im Tor gelandet. Note: 4,0

Emre Can (46. für Schulz): Seine Einwechslung war keine Verbesserung. Antony verknotete ihm ähnlich häufig die Beine. Beim 3:0 rückte Can deutlich zu spät raus, da muss er energischer attackieren. Genauso wie beim Kopfballtreffer von Haller. Hochsteigen wäre das Mindeste gewesen. Note: 5,5

Thorgan Hazard (53. für Malen): Ihm fehlt nach seiner Verletzung nach wie vor die Spritzigkeit. Brachte überhaupt nicht die gewünschten Impulse von der Bank. Note: 5,0

Über den Autor
Jahrgang 1991, tritt seitdem er Vier ist selbst gegen den Ball, hat mit 14 das erste Mal darüber berichtet, wenn es andere tun. Wollte seitdem nichts anderes machen und hat nach Studium und ein paar Jahren Lokaljournalismus seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Seit 2021 BVB-Reporter.
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Kevin Pinnow