Auf Bewährung und unter Beobachtung: Wenn der BVB am Samstag auf die TSG Hoffenheim trifft, könnten bei einem Fehlverhalten der Fans harte Sanktionen greifen - ein Punktabzug inbegriffen.

Dortmund

, 07.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit der von Mehrheitsgesellschafter Dietmar Hopp (78) früher großzügig alimentierte Dorfverein aus Hoffenheim in die Bundesliga aufgestiegen ist, wiederholen sich die Anfeindungen von Fans vieler anderer Bundesliga-Klubs. Mal mehr, mal weniger groß gerät der Lärm, mit entsprechenden Reaktionen.

Bereits 2008 erklärte der Jurist und heutige DFB-Vizepräsident Rainer Koch, „mit Platzsperren und Geldstrafen“ gegen Vereine vorgehen zu wollen, deren Anhänger mit Beleidigungen, Schmähungen und Hassplakaten gegen Hopp protestieren.

Zuschauer des BVB wurde schon mehrmals auffällig

Geändert hat sich seitdem trotz einer Vielzahl von Verurteilungen durch das DFB-Sportgericht wenig. Nicht nur, aber vor allem Borussia Dortmunds Szene ist immer wieder auffällig geworden. Mit Blick auf den vorliegenden Maßnahmenkatalog denkt Sportgerichts-Vorsitzender Hans E. Lorenz auf Nachfrage auch über äußerste Mittel nach: „Ich kann nicht ausschließen, dass wir, wenn alle anderen Mittel nicht den gewünschten Effekt erzielen, auch über einen Punktabzug nachdenken.“

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BVB-Fans vs. Hopp: Sind die angedrohten Strafen des DFB-Sportgerichts angemessen?

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Fans von Borussia Dortmund hatten bei beiden Gastspielen in Hoffenheim im Mai und im September Dietmar Hopp sicht- und hörbar angegriffen. Auf das Fehlverhalten im Mai reagierte der Milliardär mit Strafanzeigen gegen mehr als 30 BVB-Sympathisanten, die zusätzlich mit einem Stadionverbot in Sinsheim belegt wurden.

Das wirkte erwartungsgemäß nicht deeskalierend, am 22. September kochte die Stimmung erneut hoch. Mit einer konzertierten Aktion wurden aus dem schwarzgelben Block Schmährufe laut, auf einem Banner wurde Hopp als „Hurensohn“ beleidigt. Auch der Doppelhalter mit dem SAP-Mitgründer Hopp im Fadenkreuz tauchte zum wiederholten Male auf.

BVB-Fans gegen Hoffenheim auf Bewährung - Punktabzug nicht ausgeschlossen

In der Hinrunde sorgten Zuschauer im BVB-Block mit Hassplakaten gegen Dietmar Hopp für einen Eklat. © dpa

Hopp stellte erneut Strafanzeige. Gegen 41 identifizierte und dem Dortmunder Lager zugeordnete Fans wird nach Informationen dieser Redaktion wegen des Verdachts der Beleidigung ermittelt. Ihnen drohen unter anderem Geldstrafen.

Auf Vereinsebene steht der BVB am Pranger. Der Klub musste nicht nur 50.000 Euro Strafe zahlen, sondern die Richter verhängten auch einen Zuschauer-Teilausschluss auf Bewährung für die nächsten Auswärts-Pflichtspiele in Hoffenheim in den kommenden drei Spielzeiten, dessen Vollstreckung bis zum 30. Juni 2022 zur Bewährung ausgesetzt ist.

Fans stehen in der Verantwortung

Was bedeutet das? „Der Widerruf der Bewährung kommt dann ins Spiel, wenn es speziell bei Spielen zwischen Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim erneut zu einschlägigen Vorfällen kommt“, erklärt DFB-Richter Lorenz. „Wenn beispielsweise Plakate oder Banner mit den bekannten inhaltsgleichen Beleidigungen, Beschimpfungen oder Verunglimpfungen auftauchen wie zuletzt. Das wird dann ja sofort sichtbar und auf Fotos oder Videos festgehalten.“

„Im Fall Borussia Dortmund liegt es nun an den Fans, ob sie in den nächsten Jahren nach Hoffenheim fahren dürfen oder nicht.“
Hans E. Lorenz, Sportgerichts-Vorsitzender

Der zur Bewährung ausgesetzte Teilausschluss gehört zu den schärferen Strafen des DFB-Sportgerichts und folgt auf Geldstrafen und die bloße Androhung von Teilausschlüssen. Erst bei einem weiteren Vergehen müsste der Gäste-Block in Hoffenheim tatsächlich freibleiben und der BVB den entstandenen Schaden zahlen. Lorenz: „Ich möchte gerade die erzieherische Wirkung einer Bewährung betonen gegenüber einer sofortigen Bestrafung. Im Fall Borussia Dortmund liegt es nun an den Fans, ob sie in den nächsten Jahren nach Hoffenheim fahren dürfen oder nicht.“

Bei fortgesetzten Anfeindungen wäre mit einem Punktabzug für den Verein laut Lorenz auch das letzte Mittel eben nicht ausgeschlossen: „Den sportlichen Wettbewerb zu tangieren, ist das letzte, was wir wollen. Aber ausschließen will ich das nicht. Ich hoffe, es kommt nicht dazu.“

Unter Beobachtung und auf Bewährung: Die BVB-Fans haben - wie nicht wenige andere Fanlager auch - ein Problem mit Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Bleiben sie in ihrer Kritik bei ihrer derben Ausdrucksweise, könnte daraus für den ganzen Verein ein noch viel größeres Problem erwachsen.

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