Wird schmerzlich vermisst: BVB-Torjäger Erling Haaland. © imago / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

BVB fiebert Haaland-Comeback entgegen – und will an die Schmerzgrenze gehen

Marco Rose befeuert die Hoffnungen auf ein Haaland-Comeback noch vor Weihnachten. Der BVB ist auf seinen Torjäger angewiesen - in den Spielen und auf dem Weg zu Titeln.

Zur Sicherheit drückte er nicht nur einmal kräftig auf die Hupe, sondern gleich mehrfach hintereinander. Es sollte bitteschön jeder mitbekommen, wer da vom Hof fuhr. Erling Haaland verabschiedete sich nach seiner Reha-Einheit am Freitagmittag unüberhörbar laut vom Trainingsgelände der Dortmunder Borussia. Nötig gewesen wäre das Getöse aus seinem wuchtigen Gefährt gar nicht: Auch wenn er nicht spielfähig ist, bleibt der BVB-Torjäger ein großes Thema.

Erling Haaland absolviert seine Reha seit dieser Woche in Dortmund

Sein Trainer Marco Rose betonte bei der Spieltagspressekonferenz den folgenden Satz gleich zweimal mit aller Bedachtheit: „Wir sind vorsichtig optimistisch, dass Erling dieses Jahr nochmal auf dem Feld steht“, und er ergänzte mit einem breiten Schmunzeln: „Im Trikot, nicht nur im Trainingsgewand.“

Bezüglich eines Comebacks noch vor Weihnachten hatte es zuletzt eher skeptische Aussagen gegeben. Seit Beginn der Woche, nach der notwendigen Ruhephase, arbeitet Haaland in Dortmund an der Fitness nach seinem muskulären Schaden im rechten Hüftbeuger. Bleiben Rückschläge in der Reha aus, könnte er tatsächlich Mitte Dezember wieder auf Torejagd gehen.

Ohne Erling Haaland spielt der BVB eine Klasse schlechter

Rose dürfte bewusst sein, dass er mit dieser Andeutung eines Comebacks von Haaland große Hoffnungen bei den schwarzgelben Fans schürt. Er schickte deshalb eine Mahnung an sich selbst hinterher: „Ich hoffe nicht, dass ich damit jetzt gnadenlose Debatten auslöse.“

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Gnadenlos oder nicht: In den Partien ohne Haaland spielte der BVB eine Klasse schlechter, die Ergebnisse der Partien gegen Ajax (1:3) und in Leipzig (1:2) schickten die Borussen mit einem unguten Gefühl in die vierzehntägige Spielpause. Wohl noch nie war der Klub derart abhängig von einem Spieler. Zwei seiner drei Bundesliga-Niederlagen kassierte Dortmund ohne den Norweger, der beim 0:1 in Mönchengladbach ebenso fehlte wie zuletzt beim 1:2 in Leipzig. Haaland kam nur in sechs der elf Bundesliga-Spiele 2021/22 zum Einsatz – dabei erzielte er überragende neun Treffer und gab drei Torvorlagen. Zudem übertraf er den Rechenliebhabern zufolge sich selbst: Die Statistiker hielten bei den „Expected Goals“ nur 6,1 Tore für erwartbar.

Ohne Haaland verpasst Norwegen die Qualifikation für die WM

Während Haalands zuvor einziger längerer Ausfallzeit hatte Dortmund im Dezember 2020 ebenfalls schwer zu kämpfen. Damals fiel der körperlich durchaus anfällige Angreifer für vier Spieltage aufgrund von Knieproblemen aus. Von diesen vier Partien wurde nur eine gewonnen, zweimal ging der BVB als Verlierer vom Platz. Durch diese Schwächephase verlor die Borussia vor Jahresfrist entscheidenden Boden auf den FC Bayern München – vor Haalands Verletzung betrug der Rückstand auf den FCB vier Punkte und vergrößerte sich dann bald auf acht Zähler. Und nicht zufällig verschlimmerte sich der schleichende Abwärtstrend unter Trainer Lucien Favre in dieser Phase so sehr, dass der Schweizer nach einem 1:5 gegen den VfB Stuttgart seinen Job los war.

Alles Haaland, oder was? Was für den BVB mehr als nur in Ansätzen stimmt, traf auf Norwegens Nationalmannschaft vollumfänglich zu: Ohne ihren Torjäger verpassten die Skandinavier vergangene Woche die WM-Qualifikation. Im nächsten Herbst hat Haaland also frei.

BVB wird bei Erling Haaland bis an die Schmerzgrenze gehen

Wessen Trikot der blonde Hüne dann trägt, ist weiter absolut offen. Dem 21-jährigen Ausnahmestürmer ist sogar das Kunststück gelungen, selbst in Abwesenheit vom Rasen die Begehrlichkeiten nach ihm zu verstärken. Auf dem europäischen Boulevard werden für ausgewählte Topklubs Haaland-Pakete erdacht, die mit Ablöse, Boni und Gehalt 400 Millionen Euro schwer sein sollen.

Doch noch hat auch der BVB die Hoffnung nicht aufgegeben, ihn mit einem Angebot an der absoluten Schmerzgrenze damit zu locken, in Dortmund ein weiteres Mal auf die Hupe zu hauen. Nicht an seinem Geländewagen, sondern beim Korso um den Borsigplatz. Auch dazu sind die Chancen mit Haaland x-fach größer. „Vorsichtig optimistisch“ bezeichnet diese Pläne keiner.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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Jürgen Koers

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