BVB gegen Bayern ist eine Partie wie jede andere

Ganz ohne Sticheleien

Dortmund gegen München! In den Vorjahren elektrisierte dieses Duell nicht nur die Fanherzen beider Lager, sondern ganz Fußball-Deutschland, beim Champions-League-Finale 2013 gar ganz Fußball-Europa. In diesem Jahr jedoch ist das Spiel für beide Seiten nicht mehr als eine Partie wie jede andere.

DORTMUND

, 03.04.2015, 17:10 Uhr / Lesedauer: 3 min
Robert Lewandowski (l.), hier im Duell mit Sokratis, kehrt am Samstag erstmals zurück nach Dortmund.

Robert Lewandowski (l.), hier im Duell mit Sokratis, kehrt am Samstag erstmals zurück nach Dortmund.

Die Münchner ziehen einsam an der Liga-Spitze ihre Kreise, die Dortmunder kämpfen im Mittelfeld um den Anschluss an die europäischen Plätze. Ein BVB-Sieg am Samstag wäre zwar wichtig für die Dortmunder Seele. Noch wichtiger aber wird sein, ob die Verantwortlichen der Borussia die richtigen Schlüsse aus dieser insgesamt so enttäuschenden Saison ziehen werden.

Verbaler Vorkampf

Man konnte die Uhr danach stellen: Pünktlich zum Aufeinandertreffen der beiden besten deutschen Klubs der jüngeren Vergangenheit plusterten sich die Bosse zum verbalen Vorkampf auf. Auf der einen Seite Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, der krampfhaft versucht, in die übergroßen Fußstapfen des einstigen Chefpolterers Uli Hoeneß zu treten. Auf der anderen Seite BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der üblicherweise keine Gelegenheit fahrlässig verstreichen lässt, gegen die unliebsame Konkurrenz aus dem Süden zu sticheln.

Doch in diesem Jahr ist alles etwas anders. Nicht einmal kleine Sticheleien konnte man vernehmen. Sowohl Rummenigge als auch Watzke schwiegen weitgehend. Und wenn sie sich dann doch zum bevorstehenden Spiel äußerten, regnete es Komplimente. „Ich schätze Hans-Joachim Watzke als qualitativ hochstehenden Kollegen“, erklärte beispielsweise Rummenigge zu Wochenbeginn bei „Sport1“. „Er hat einen großen Beitrag geleistet, dass die Borussia jetzt da steht, wo sie ist.  Man darf ja nicht nur diese Saison isoliert sehen.“

Kleines Universum

Selbst ein gemeinsames Mittagessen, das es zuletzt aufgrund der Differenzen zwischen den Führungsfiguren nicht mehr gegeben hatte, schloss der FCB-Boss nicht mehr aus. Der Grund für diese aufkeimende Harmonie ist einfach. Es fehlen schlicht die Reizpunkte, an denen sich die beiden Rivalen reiben könnten. Der Zweikampf zwischen München und Dortmund ist keiner mehr, 31 Punkte trennen die beiden Klubs vor dem Spiel im Signal Iduna Park am Samstag.  

Das ist schon keine Welt mehr, eher ein kleines Universum. Und durch die Vertragsverlängerung von Marco Reus vor einigen Wochen ist auch das letzte Fünkchen Konfliktpotenzial erloschen. Der Nationalspieler bleibt beim BVB anstatt nach München zu gehen - anders als seine einstigen Teamkollegen Mario Götze und Robert Lewandowski zuvor. Worüber also noch öffentlich streiten?

Punkte für die Seele

In Dortmund hat man derzeit ohnehin andere Aufgaben. Die teils grotesken Geschehnisse dieser Saison, der temporäre Absturz auf Rang 18, die Fehleinschätzungen innerhalb des Kaders, die anhaltende Verletzungsproblematik - all diese Punkte müssen intern schonungslos aufgearbeitet werden. Am besten schon im laufenden Betrieb - also während die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp die Saison idealerweise zu einem versöhnlichen Ende führt - um im Sommer nicht bei Null anfangen zu müssen. Die Partie gegen den FC Bayern ist da nur eine von acht, die es in dieser Spielzeit noch zu absolvieren gilt.

„Für uns geht es um drei wichtige Punkte. Und nur darum!“, verdeutlicht BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer die Ausgangslage vor dem einstigen Liga-Gipfel. Für den Punktestand wäre ein Sieg eminent wichtig. Aber natürlich auch für die Seele der Dortmunder. Völlig unabhängig davon, wie groß die tabellarische Distanz zwischen beiden Klubs diesmal ist.

Seit sieben Spielen ungeschlagen

Im Hinspiel, als der BVB aufgrund einer Münchner Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte trotz einer 1:0-Führung noch 1:2 unterlag, waren die Borussen nah dran - und das mitten in der größten Krise der Ära Klopp. Jetzt sind die seit sieben Spielen ungeschlagenen Dortmunder wesentlich stabiler. Und gegen höherplatzierte Teams - zu beobachten gegen Wolfsburg, Mönchengladbach, Schalke und eben München - tut sich die Klopp-Elf stets noch etwas leichter.

Über die nötige Betriebstemperatur muss man bei diesem Aufeinandertreffen ohnehin nicht reden. Klopp könnte am Samstag wohl auch ein Papp-Double von sich in der Kabine aufstellen, ohne dass das negative Auswirkungen auf die Motivation seiner Spieler hätte.

Punktuelle Veränderungen

Zu prestigeträchtig ist ein Sieg gegen den schier übermächtigen FC Bayern mit seinem Startrainer Pep Guardiola und seinem luxuriösen Starensemble. Das konnte man vor zwei Wochen am Beispiel von Borussia Mönchengladbach wieder einmal erleben. Ob das Duell in naher Zukunft wieder die internationale Strahlkraft der vergangenen Jahre erhält? Das liegt vor allem an der Borussia. Eine Wiederholung dieser Saison darf es nicht geben. Sonst reißen die Dortmunder mit dem eigenen Hinterteil ein, was sie in jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut haben.  

Ein großer Schnitt aber, der ist nicht geplant. Der Kader soll punktuell verändert und - im Falle einer verpassten Europacup-Qualifikation - verschlankt werden. Ciro Immobile, Henrikh Mkhitaryan, aber auch Kevin Großkreutz, Milos Jojic und Adrian Ramos gelten als Kandidaten, die den Klub verlassen könnten. Wackelkandidaten sind Kapitän Mats Hummels, der zuletzt öffentlich mit Wechselgedanken kokettierte, und Ilkay Gündogan, dessen Vertragsverlängerung noch nicht besiegelt ist. Auch die Torwartfrage scheint nicht abschließend beantwortet. Baustellen gibt es also genug.

SO KÖNNTEN SIE SPIELEN
Dortmund: Weidenfeller - Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Bender - Mkhitaryan, Reus, Kampl - Aubameyang
München: Neuer - Rafinha, Benatia, Boateng, Juan Bernat - Lahm, Xabi Alonso, Schweinsteiger - Müller, Lewandowski, Götze

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