BVB-Gegner Inter Mailand und das Streben nach neuem Glanz

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Hinter BVB-Gegner Inter Mailand liegen Jahre der fußballerischen Tristesse. Noch 2010 war der Klub ganz oben - seither läuft nicht mehr viel zusammen. Mit viel Geld wird dem nun entgegengewirkt.

Dortmund

, 22.10.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bilder sind noch omnipräsent. Und doch so unendlich weit weg. Diego Milito ist der große Held, 2:0 gegen Bayern München, ein Doppelpack des Argentiniers hievt Inter Mailand auf den Fußballthron Europas. Ein Jubelmeer in Schwarz und Blau. Ganz oben angekommen. Champions-League-Sieger 2010. Triple-Sieger. Mehr geht nicht. Tutto bene, alles gut.

2010 war das. Mittlerweile, neun Jahre später, ist längst nicht mehr alles gut bei Inter Mailand. Vom nächsten Champions-League-Sieg der Nerazurri, der Schwarzblauen, träumen selbst die tollkühnsten Tifosi nur noch nach zu viel Chianti.

Nüchtern betrachtet ist man eher froh, dass man noch bei den Besten der Besten in Europa mitspielen darf. Zu viel ist passiert, zu viel ist schiefgelaufen seit dem großen Triumph im altehrwürdigen Santiago Bernabeu von Madrid vor neun Jahren.

Inter Mailand manövrierte sich ins Abseits

Im Erfolg begehe man die größten Fehler, heißt es, und in Mailand wurden viele Fehler begangen in der jüngeren Vergangenheit. Angefangen hat das alles mit Jose Mourinhos Wechsel zu Real Madrid 2010. Seitdem veränderten sich die Gesichter auf Inter Mailands Trainerbank schneller als die Designer-Kollektionen auf den Laufstegen der norditalienischen Mode-Hauptstadt.

„Wer keinen Willen hat, der spielt bei mir nicht, selbst wenn er das letzte Mal der Beste war.“
Antonio Conte

Dazu gab’s Ärger mit dem Financial Fairplay und immer wieder Rassismus-Probleme in der eigenen Anhängerschaft.

Dieser so stolze Verein, für den einst unter anderen Lothar Matthäus, Andreas Brehme, Matthias Sammer, Jürgen Klinsmann oder Karl-Heinz Rummenigge die Fußballstiefel schnürten, manövrierte sich mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Abseits - und ins sportliche Niemandsland der Serie A. Die Platzierungen seit 2010: Zweiter, Sechster, Neunter, Fünfter, Achter, Vierter, Siebter, Vierter, Vierter.

Inter-Querelen in der Führungsetage

Dazu gesellten sich Querelen in der Führungsetage. 2013 wurde der Klub, über viele Jahrzehnte in Besitz der Moratti-Familie, zunächst nach Indonesien verkauft. 2016 dann wechselte der Besitzer erneut. Dieses Mal bediente sich der chinesische Großkonzern mit dem Namen Suning Holdings Group.

Seit Oktober 2018 führt Steven Zhang, ein erst 28 Jahre alter Chinese, den Verein. Zumindest ist er der Präsident, der in einem vom Verein veröffentlichtem Video gerne Sätze sagt wie „wenn ich die Augen schließe, dann sehe ich eine Stadt voller Geschichte, die fortgeschrieben werden muss. Ich bin bereit. Seid ihr es auch?“

Bislang war Inter Mailand es nicht. Die fetten Jahre sind vorbei. Doch ab jetzt soll alles wieder besser werden. Und die Hoffnung, dass es auch wirklich so kommt, trägt einen Namen: Antonio Conte. Er ist der 13. Trainer seit Mourinho.

Personeller Umbruch bei Inter Mailand im Sommer

Der ehemalige Nationaltrainer Italiens, der als Spieler und Trainer ausgerechnet mit Juventus Turin seine größten Erfolge feierte und bis zum Sommer 2018 beim FC Chelsea auf der Kommandobrücke stand, soll den Glanz früherer Tage ins Giuseppe-Meazza-Stadion zurückbringen.

Unterstützt wird er dabei von Sportdirektor Giuseppe Marotta, ebenfalls ein ehemaliger Juventino, der von 2010 bis 2018 für große Erfolge bei der „Alten Dame“ verantwortlich zeichnete. Die Aufteilung ist klar: Zhang liefert das Geld, Conte und Marotta sollen den sportlichen Erfolg liefern.

BVB-Gegner Inter Mailand und das Streben nach neuem Glanz

Trainer Antonio Conte soll Inter zu Titeln führen. © dpa

Dafür wurde im Sommer kräftig aufgeräumt bei Inter Mailand. Ehemalige Leistungsträger wie Ivan Perisic, Mauro Icardi oder Radja Nainggolan mussten gehen, neue Hoffnungsträger wie Romelu Lukaku, der aktuell verletzte Alexis Sanchis oder Diego Godin wurden verpflichtet.

Insgesamt gab Inter auf dem Transfermarkt knapp 100 Millionen Euro mehr aus, als es einnahm. Ein paar Yuan hatte die Suning Holdings Group also anscheinend noch übrig.

Inter-Trainer Conte ist gefordert

Nun liegt es an Conte, das neu formierte Team schnell in die Spur zu bringen. Diesen Job erledigte er zu Juventus-Zeiten mit Bravour, formte aus einer heterogenen Mannschaft eine Einheit der Verschworenen - und wurde dreimal nacheinander italienischer Meister.

Sein Credo ist klar und für jeden Spieler verständlich. „Wer keinen Willen hat“, sagt er, „der spielt bei mir nicht, selbst wenn er das letzte Mal der Beste war.“ Und weiter: „Die Zukunft erbaut man in der Gegenwart, nicht mit den Meriten der Vergangenheit.“ Das klingt noch nicht nach neuem Glanz, aber nach einem Plan.

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