BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer sagt Rechtsextremen den Kampf an - mit klarer Forderung

rnBorussia Dortmund

BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer ist davon überzeugt, dass Vereine eine klare Haltung einnehmen und für Werte stehen müssen. Aber nicht nur die.

Dortmund

, 29.01.2020, 19:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jagdszenen auf Schiedsrichter, Schmähgesänge weit unter der Gürtellinie, Plakate mit beleidigendem oder rassistischem Inhalt im Stadion und das Erstarken rechter Kräfte, die den Fußball unterwandern, um ihn als Bühne für die Verbreitung ihrer Ideologien zu nutzen - der Lieblingssport der Deutschen schreibt auf allen Ebenen immer öfter negative Schlagzeilen abseits des Rasens.

BVB-Geschäftsführer Cramer spricht auf dem Branchenkongress „SpoBis“

„Gesellschaftliche Verantwortung: Läuft der Sport Gefahr, seine Werte zu verlieren?“ Diesem brisanten Thema widmete sich am Mittwoch eine illustre Diskussionsrunde mit BVB-Marketing-Geschäftsführer Carsten Cramer auf dem Branchenkongress „SpoBis“ in Düsseldorf. Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, mahnte als der zweite Vertreter eines Profiklubs die Liga zu deutlich mehr gemeinsamem Engagement und einer klaren Haltung.

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Es herrschte Einigkeit auf dem Podium: Der Fußball erfahre eine öffentliche Wertschätzung wie kaum eine andere Sportart, daraus leite sich die Verantwortung ab, die Popularität auch zu nutzen, um gesellschaftliche Themen anzusprechen und sich klar zu positionieren. „Fußball ist der Kitt der Gesellschaft“, stellte Cramer fest.

Cramer: Diese Klientel brauchen wir ganz bestimmt nicht

Der BVB, führte Cramer aus, stehe seit Jahren zu dieser Verantwortung. Gerade in Dortmund mit einer bekannt starken rechtsextremistischen Szene. Wenn zwei Prozent der Wähler in Dortmund Parteien aus dem rechten Spektrum wählen würden, müsse man kein Rechenkünstler zu sein, „um zu wissen, dass auch unter den 81.000 im Stadion welche sein werden.“

Cramer forderte, „Haltung einzunehmen und für Werte zu stehen! Diese bestimmte Klientel im Umfeld von Borussia Dortmund brauchen wir ganz bestimmt nicht.“

Der BVB erhält viel Zuspruch für sein Engagement

Für seinen engagierten Kampf gegen Diskriminierung, Antisemitismus und Homophobie und eine weltoffene Haltung hat Borussia Dortmund erst in den vergangenen Tagen beim World Holocaust Forum viel Zuspruch erhalten. Regelmäßige Reisen nach Auschwitz und weitere Bildungsreisen sollen Anhängerschaft und Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren.

„Die wesentliche Arbeit findet aber vor Ort statt“, so Cramer. „Wir ignorieren das Problem in Dortmund nicht. Die Stadtgesellschaft braucht einen starken BVB im Kampf gegen Rechts.“

Eintracht-Präsident Fischer beklagt fehlende Bereitschaft

Frankfurts Präsident Fischer, bekannt als ein Mann klarer Worte, übte aber auch deutliche Kritik an der fehlenden Bereitschaft in der Liga zu einem gemeinsamen Vorgehen. „Wir schaffen es nicht, dass wir uns als Liga klar bekennen“, meinte der Eintracht-Präsident. „Wir sind doch aufgeklärt, was in der Gesellschaft passiert. Die katastrophalen Veränderungen sind doch nicht zu übersehen, aber wir sind nicht in der Lage, deutlich Ausgrenzung zu betreiben.“ Dabei, so Fischer, könnten die Klubs mit konzertiertem Vorgehen doch eine Menge bewegen.

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Dem Vorschlag, die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesligaklubs als Muss-Voraussetzung in den Lizenzierungsrichtlinien festzuschreiben, trat Cramer entgegen. Er glaube nicht, „dass es weiteren Zwängen in den Statuten bedarf, die Vereine zu mehr Engagement aufzufordern“, meinte der Dortmunder. Das müsse aus den Klubs heraus geschehen: „Werte und Haltung müssen eine längere Haltbarkeit haben als das Ergebnis vom Wochenende.“

Rummenigge zeigt sich einig mit BVB-Boss Watzke

In einer weiteren Diskussionsrunde sprach sich Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummennigge klar gegen die Planspiele zu Veränderungen der Wettbewerbe in der UEFA und FIFA aus. „Wir sind an einem Punkt, wo wir sagen müssen: Stopp! Machen wir das nur noch für die Kasse?“

Noch mehr Spiele, noch mehr Wettbewerbe, das sei nicht im Sinne des Sports, die Spieler seien an einer Belastungsgrenze angekommen. „Mir fehlt in den Überlegungen der Punkt: Ist das gut für den Fußball?“ Man müsse nicht „reparieren, was nicht kaputt ist.“ In diesem Punkt sei er mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke „klar auf einer Linie!“

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