Nuri Sahin verlässt Borussia Dortmund kurz vor seinem 30. Geburtstag in Richtung Bremen. Es ist ein Abschied mit zwiegespaltenen Gefühlen. Dirk Krampe kommentiert.

Dortmund

, 31.08.2018, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tweet, mit dem Borussia Dortmund am Freitag den sich anbahnenden Wechsel von Nuri Sahin ankündigte, sagte viel aus über den Stellenwert, den dieser Spieler in der BVB-Familie genießt. Er begann mit dem Satz: „Auch wenn es uns schwer fällt…“

Lebenstraum erfüllt

Nach dem Karriere-Ende von Roman Weidenfeller war Sahin der Spieler im Kader der Schwarzgelben, der wie kein anderer für Identifikation und Vereinstreue stand. Noch gut in Erinnerung sind die Tränen, die er vergoss, als er den Klub Richtung Real Madrid verließ, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Damals war er auf dem Zenit seines Leistungsvermögens. Ebenso gut in Erinnerung sein Strahlen, als er nach dem missglückten Abenteuer in seine Heimat zurückkehrte.

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Der BVB lässt Nuri Sahin Richtung Bremen ziehen. Die richtige Entscheidung?

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Dass der BVB, der die gerade begonnene Saison explizit auch unter das Motto „Mehr Identifikation“ und „Leben der Werte des Vereins“ gestellt hat, nun ausgerechnet den Spieler ziehen lässt, der als Paradebeispiel dafür steht, mutet auf den ersten Blick merkwürdig an. Allerdings kann sich ein Profiverein der Realität nicht verschließen und muss ab einem gewissen Zeitpunkt auch unternehmerisch konsequent handeln. Die Entscheidung, sportlich auf Sahin verzichten zu können, war längst gefallen - mit ihm auch noch einen Spieler von der Gehaltsliste zu bekommen, der einen sehr ordentlich dotierten Vertrag hatte, war der Nebeneffekt, der sicherlich auch eine Rolle spielte.

Das Feuer brennt weiter

In erster Linie aber ist es auch bemerkenswert, dass Sahin seine schillernde Karriere nicht einfach so auslaufen lassen wollte. Der Weg schien ja eigentlich vorgezeichnet: Karriere-Ende nach Auslaufen des Vertrages im Sommer 2019 in Dortmund, dann die zweite Karriere, möglicherweise als Trainer-Novize im Jugendbereich, ebenfalls bei dem Klub zu beginnen, der ihm eine Herzensangelegenheit ist. Doch Sahins Entschluss, kurz vor seinem 30. Geburtstag und in seiner 14. Saison als Profi noch ein neues Kapitel zu beginnen, zeigt, dass das Feuer in ihm keineswegs erloschen und sein Ehrgeiz ungebrochen groß ist, sich auf diesem Niveau noch einmal zu beweisen.

BVB-Identifikationsfigur Sahin will sich noch einmal beweisen

Nuri Sahin (M.) feiert gemeinsam mit Lukasz Piszczek (l.) und Sven Bender die Deutsche Meisterschaft 2010/11. © dpa

Niemand im Dunstkreis des BVB wird ihm für diese Herausforderung nicht das Allerbeste wünschen. Sahin hat sich in guten wie in schlechten Zeiten als tadelloser Sportsmann präsentiert, er hat ganz nebenbei erwähnt auch noch genügend in sich, um bei Werder Bremen eine wertvolle Hilfe sein zu können. Und dass er den Weg zurück nach Dortmund kennt, hat er ja schon einmal bewiesen.

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