BVB-Idol Riedle über Klopps Engagement bei Liverpool

"Er soll das Feuer neu entfachen"

Von 1997 bis 1999 ging Karl-Heinz Riedle für den FC Liverpool auf Torejagd. Der 50-jährige Ex-Stürmer und heutige Botschafter von Borussia Dortmund kennt die „Reds“ gut. Im Gespräch mit BVB-Reporter Matthias Dersch erklärt er, warum die LFC-Fans so scharf sind auf Jürgen Klopp - und welchen Fehler der 48-Jährige unter keinen Umständen machen sollte.

DORTMUND

, 09.10.2015, 13:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Idol Riedle über Klopps Engagement bei Liverpool

Ex-BVB-Stürmer Karl-Heinz Riedle (l.), hier im Trikot der „Reds“, kennt den FC Liverpool aus eigener Erfahrung. Er sagt: „Klopp und der LFC – das passt!"

Herr Riedle, warum sind die Liverpooler Fans so scharf auf Jürgen Klopp? Karl-Heinz Riedle: Das liegt auf der Hand: Sie haben die Hoffnung, dass er in Liverpool das wiederholt, was er in Dortmund erreicht hat. Die Situation ist ja vergleichbar mit seiner Anfangszeit beim BVB. Der LFC hat seit Jahren keinen Titel mehr gewonnen, das Umfeld des Klubs ist hungrig nach Erfolgen. Und in England ist nicht verborgen geblieben, was er aufbauen kann, wenn er etwas Zeit bekommt. Fachlich ist er top, dazu kommt sein sensationeller Umgang mit den Fans. Die Fans des LFC ticken ähnlich wie die des BVB. Sie sind emotional und treu. Sie warten nur darauf, dass Klopp das Feuer im Klub neu entfacht.

LFC und Klopp - passt das auch aus sportlicher Sicht? Was soll da nicht passen? (lacht) Wenn er erst einmal den sehr speziellen Dialekt gelernt hat, sehe ich da gar keine Probleme. Und das geht schnell.

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Sie haben selbst zwei Jahre in Liverpool gespielt. Verfolgen Sie noch genauer, was beim LFC passiert? Ja, aber nicht so genau wie mein Sohn, der glühender Anhänger des LFC ist. Von ihm musste ich mir schon etwas anhören, weil ich in einem Interview vor ein paar Tagen was Falsches über den Klub erzählt habe … (lacht)

Sportlich läuft es seit längerem nicht mehr rund, mit Ausnahme der Saison 2013/2014, als man erst kurz vor dem Saisonende den Meistertitel verspielte. Was wurde in den vergangenen Jahren falsch gemacht?Sie haben vor allem bei den Transfers nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie trotz guter finanzieller Möglichkeiten nicht an die Finanzkraft von Klubs wie Manchester City, United, Arsenal oder Chelsea herankommen. Die machen im Zweifel die Tasche eben noch etwas weiter auf.

Wie schätzen Sie die aktuelle Mannschaft ein? Sie haben trotz der großen Konkurrenz in England keinen schlechten Kader. Daniel Sturridge etwa ist normalerweise überragend. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Spieler wie Adam Lallana, der für mehr als 30 Millionen Euro verpflichtet wurde, aber kaum spielt. Die Basis insgesamt aber, die ist da. Klopp hat in Dortmund ja hinlänglich bewiesen, dass er mit der nötigen Ruhe aus guten Spielern Weltklasse-Spieler formen kann.

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"Das Schöne am englischen Fußball ist: Wir haben viele englische Wochen." Lukus Podolski war schon immer ein Profi-Analytiker. Nach dem FC Arsenal spielte er zunächst bei Inter Mailand. Jetzt schießt er seine Tore für Galatasaray Istanbul.© Foto: Julien Warnand / dpa
"Es ist nicht wichtig, was man über einen denkt, wenn er kommt, sondern wenn er geht." Selten viel ein Abschied so schwer. Jürgen Klopp bei seiner Abschlussrede. Er verließ den BVB am Ende der Saison. (Jürgen Klopp 1)© Foto: Michael Sohn / dpa
"Wir haben alle unsere Trikots in den Gästeblock geworfen, damit die Fans wenigstens etwas mitnehmen können." Rene Adler und der Hamburger SV hatten in der vergangenen Saison viel zu entschuldigen, auch nach der 0:4-Niederlage gegen Leverkusen.© Foto: Marcus Brandt / dpa
"Ich habe meine Frau vor die Wahl gestellt: Mallorca oder HSV? Aber ich habe sie nicht ausreden lassen." Bruno Labbadia kam, sah und siegte. Er rettete die kriselnden Hamburger in der vergangenen Saison vor dem Abstieg.© Foto: Daniel Naupold / dpa
"Ein Verein gehört nicht einem Menschen - er gehört den Menschen und Mitgliedern, die sich mit ihm identifizieren." Nicht umsonst ist Christian Streich so beliebt bei den Freiburger Fans.© Foto: Rolf Vennenbernd / dpa
"Wenn im Himmel Fußball gespielt wird, dann ab sofort erfolgreich." Udo Lattek war einer der ganz Großen im Trainergeschäft. Das weiß auch Benedikt Höwedes.© Foto: Ina Fassbender / dpa
"München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin. Kann ziemlich weh tun. Kann aber auch glimpflich ausgehen." Sebastian Prödl weiß, dass ein Auswärtsspiel beim FC Bayern weh tun kann. In der vergangenen Saison gingen die Bremer 0:6 unter.© Foto: Carmen Jaspersen / dpa
"So eine schöne Grätsche an der Außenlinie kann ja auch etwas Magisches haben." Nix schön spielen. Lauterns Florian Dick liebt das Rustikale.© Foto: Fredrik von Erichsen / dpa
"Kevin hat drei Wochen Urlaub in Dortmund gemacht. Der kam kreidebleich zu uns. Aber mit schönen Tattoos." Kevin Großkreutz war immer einer der Spaßvögel beim BVB. Und Jürgen Klopp machte mit. Großkreutz steht mittlerweile bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag. (Jürgen Klopp 2)© Foto: Roland Weihrauch / dpa
"Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées." Mit seinem 1:0 in der vergangenen Saison gegen Leverkusen schoss Franck Ribéry sein 100. Pflichtspieltor. Bayern Boss Karl-Heinz Rummenigge fand die passenden Worte.© Foto: Tobias Hase / dpa

Klopp wirkt sehr stark durch seine mitreißende Art und seine Rhetorik. Kann er das auch in England vermitteln? Man sollte nicht den Fehler begehen und Klopp allein auf seine Sprache reduzieren. Das wäre lächerlich. Außerdem ist es für die Premier-League-Profis grundsätzlich auch nichts Neues, wenn sie von einem Trainer heiß gemacht werden. Das ist gang und gäbe und unter den Trainern dort eine weit verbreitete Methode, einzig der eher reservierte Arsene Wenger arbeitet beim FC Arsenal etwas anders. Das Fachliche ist also viel wichtiger – und da ist Klopp ein Großer. Er wird den englischen Fußball bereichern.

Welchen Tipp geben Sie ihm für das Leben in Liverpool mit? Ich war jetzt schon länger nicht selbst vor Ort, aber im Vergleich zu meiner Zeit damals soll sich einiges geändert haben. Es wurde viel investiert, so sind schöne Ecken entstanden. Außerhalb der Stadt kann man außerdem sehr gut wohnen. Da haben fast alle LFC-Stars ihre Häuser. Es lässt sich insgesamt schon sehr gut leben in Liverpool.

Und welchen Fehler sollte er als LFC-Trainer auf keinen Fall begehen? Die Derbys gegen Everton sollte er nicht verlieren, sonst wird es ungemütlich! (lacht) Aber das kennt Klopp ja aus Dortmund von den Revierduellen mit Schalke.

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