Dede holte 2002 und 2011 den Meistertitel mit dem BVB. Im Interview spricht die Klub-Ikone über den Kampf um die Schale, seine Fitness - und verrät, warum er kein Trainer sein kann.

Dortmund

, 12.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Mehr als 300 Partien absolvierte Dede für den BVB, der linke Außenverteidiger zählt ohne Zweifel zu den Klub-Ikonen der jüngeren Vereinshistorie. Sascha Klaverkamp hat mit ihm über den bevorstehenden Saisonendspurt gesprochen.


Dede, Sie spielen wieder für Borussia Dortmund. Im neuen Legendenteam. Wie gut ist die Truppe?

Es macht uns einfach riesigen Spaß, da läuft die alte Generation auf den Rasen, die es genießt, zusammen Fußball zu spielen. Mit einigen Brasilianern zusammen ist die Stimmung ja sowieso immer bestens. Es wird viel gelacht.


Wie fit sind Sie noch?

Ich habe mein Gewicht fast gehalten. Ein bisschen weniger Muskeln, aber ich treibe noch viel Sport. Ich laufe, gehe ins Fitnessstudio, spiele Beachvolleyball in Brasilien. Ich bin einer der Fitten. Und ich spiele noch ab und zu Tennis gegen Dr. Reinhard Rauball.


Wer ist denn der bessere Tennisspieler: Sie oder der BVB-Präsident?

Dr. Rauball ist ein guter Spieler, trotz seines Alters läuft er noch viel. Aber er ist der Präsident, deswegen lasse ich ihn natürlich auch mal gewinnen (lacht).

BVB-Ikone Dede im Interview: Der Druck liegt bei den Bayern

Im Jahr 2002 gewann Leonardo Dede mit dem BVB erstmals die Meisterschaft. © imago

Es klingt danach, als sei Ihr Kontakt zur Borussia noch immer exzellent.

Auf jeden Fall. Ich übernehme einige Termine für den Verein, war zuletzt bei einem Fantreffen dabei. Das mache ich sehr gerne, denn als ich damals kam, haben mich die Menschen hier in Dortmund mit offenen Armen empfangen, viel für mich getan. Mittlerweile bin ich schon richtig verwurzelt, ich habe immer noch mein Haus in Dortmund.


Fühlen Sie sich schon mehr als Deutscher? Seit 2007 haben Sie ja neben dem brasilianischen auch den deutschen Pass …

Vor ein paar Jahren war ich noch zu 70 Prozent Brasilianer und zu 30 Prozent Deutscher. Heute ist es schon eher 50:50. Ich habe schnell gemerkt, dass ich hierhin passe.


Sie haben 13 Jahre für die BVB-Profis gespielt, haben viel Erfahrung gesammelt. Wie muss die Borussia jetzt mit dem 0:5 in München umgehen?

Das 0:5 tut erstmal weh. Aber ich habe auch schon hoch gegen die Bayern verloren - und das Leben ging danach weiter. Der BVB muss nur auf die Tabelle gucken und sehen, dass er nur einen Punkt zurückliegt. Und alle Borussen müssen jetzt weiter daran glauben, dass sie Meister werden können. Sie dürfen nicht aufgeben. Wir hatten doch eine ähnliche Situation 2002: Da lagen wir drei Spieltage vor Saisonschluss fünf Punkte hinter Leverkusen – und haben am Ende die Meisterschaft geholt.


Was spricht denn jetzt im Endspurt für den BVB?

Ich glaube fest daran, dass Dortmund Meister wird. Die Mischung im Team passt, es hat viel Qualität. Und der große Druck liegt jetzt bei den Bayern, die die Spitze verteidigen müssen. Ich glaube nicht, dass die Bayern alle sechs Spiele gewinnen. Und wenn es die Chance für den BVB gibt, vorbeizuziehen, dann muss er sie nutzen. Die aktuelle Mannschaft erinnert mich an unsere von 2002, damals hat uns auch am Anfang der Saison keiner zugetraut, dass es so schnell so gut funktionieren könnte.

BVB-Ikone Dede im Interview: Der Druck liegt bei den Bayern

Überragender Abschluss: In seiner letzten BVB-Saison feierte Dede 2011 erneut die Deutsche Meisterschaft. © imago

Dortmund kann am Samstag im Titelkampf gegen Mainz vorlegen, Bayern spielt erst am Sonntag in Düsseldorf. Kann der BVB den Druck erhöhen?

Ja, der BVB muss ein Signal setzen, dann muss Bayern erstmal nachlegen. Dortmund weiß ja, wie schwer ein Spiel in Düsseldorf ist. Außerdem können sich die Borussen mit einem Sieg gegen Mainz viel Selbstvertrauen zurückholen und die Fans wieder mitreißen. Wenn sie alles geben, wenn sie kämpfen.


Sie wissen, wie es ist, mit dem BVB Meister zu werden. Warum lohnt es sich für Reus, Sancho und Co, alles zu geben?

Mit Dortmund die Meisterschale zu holen, ist einzigartig! Die Fans, die Stimmung, das sind Gänsehaut-Momente, die du nie wieder vergisst.


Im Restprogramm wartet auch noch das Revierderby gegen Kellerkind Schalke 04 auf die Schwarzgelben. Auf dem Papier sieht das leicht aus für die Borussia.

Ein Derby gegen Schalke ist nie leicht. Egal, wer vorher wo in der Tabelle steht, das spielt dann keine Rolle. Manchmal kippt ausgerechnet im Derby alles in die Richtung, die keiner erwartet hat. Lincoln ist seit meiner Kindheit einer meiner besten Freunde. Fast wie ein Bruder. Als er bei Schalke spielte und ich in Dortmund, da haben wir viel gemeinsam gemacht, er hat mich oft besucht. Aber wenn das Derby anstand, haben wir ein paar Tage nicht miteinander gesprochen. Dieses Spiel ist einfach etwas Besonderes.


Sie feiern in der nächsten Woche Ihren 41. Geburtstag. Was hält das Leben nach dem Fußball für Sie bereit? Den Trainerjob?

Nein, irgendwann ein Cheftrainer zu sein, das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür bin ich zu lieb. Als Trainer musst du manchmal Härte zeigen, und ich würde am liebsten alle Spieler aus dem Kader immer spielen lassen. Erst einmal mache ich eine Pause vom Fußball, und dann schaue ich, was auf mich zukommt. Aber eine Art Botschafter für den BVB zu sein, das könnte mir gefallen.

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