Dede tippt auf Borussia Dortmund als neuen Deutschen Meister. Im Interview spricht die BVB-Legende über seine Karriere, die Liebe zu den Fans und verspricht: „Ich werde beim Korso auf dem Borsigplatz mitfeiern.“

Dortmund

, 16.05.2019, 19:09 Uhr / Lesedauer: 4 min

Leonardo Dedeus Santos kommt überpünktlich. Schon fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit steht er in der Redaktion. Dede war eben schon immer ein untypischer Brasilianer. Gut gelaunt plaudert der frühere Publikumsliebling von Borussia Dortmund über seine Erinnerungen aus 13 Jahren beim BVB, den Titelkampf und einen Shampoo-Fehler.


Dede über ...


... seine Fitness: „Sie ist nicht nicht mehr so gut wie früher, aber es reicht noch. Ab und an wiege ich zwei Kilo mehr als zu meiner aktiven Zeit, aber wenn ich Stress habe, verliere ich sofort wieder zwei, drei Kilo. So viel Sport mache ich gerade gar nicht.“


... seine Erlebnisse mit dem Legenden-Team des BVB: „Es war sehr lustig zuletzt in Bangkok. Wir Brasilianer machen Stimmung und viel Musik, aber wir brauchen auch die deutschen Elemente, von Kalle Riedle zum Beispiel. Wir sind schon eine tolle Truppe. Laktatests brauchen wir nicht, auch ein dickes Pferd kann schnell laufen, das hat ja schon Ronaldo mal gesagt. Ich freue mich schon auf das nächste Spiel mit den Legenden am 8. Juni in Hong Kong gegen Liverpool, da wollen wir Borussia würdig vertreten. Unser Ehrgeiz ist immer noch groß. Man kann mal verlieren, aber man muss alles gegeben haben.“


... die Liebe der Fans: „Das ist mit Geld nicht zu bezahlen. Es gibt wichtigere Spieler als mich. Aber einmal Borusse, immer Borusse, das trifft auf jeden Fall auf mich zu. Ich wohne immer noch in Dortmund, das hätte ich nie gedacht, als ich damals kam. Ich bin mit dem Verein durch gute und schlechte Zeiten gegangen, habe nie vergessen, wo ich herkomme und bin allen Menschen immer mit Respekt begegnet.

BVB-Legende Dede: Ich werde beim Korso auf dem Borsigplatz mitfeiern

Die BVB-Fans lieben Dede - und Dede liebt die BVB-Fans. © dpa

... Dortmund: „Heute ist das mein erstes Zuhause. Ich kann immer in meine Heimat nach Brasilien fliegen, wenn ich möchte, aber ich lebe sehr gern hier.“


... einen Job als Trainer: „Stand heute ist ein Cheftrainerposten nichts für mich. Als Co-Trainer und Sportdirektor zu arbeiten, das kann ich mir schon eher vorstellen. Ich habe das bei Michael Skibbe ja schon in der Türkei gemacht. Die Borussia vertrete ich ab und zu, da bin ich immer bereit zu helfen. Vielleicht ja sogar mal als Scout. Der BVB hat ja schon lange keinen Brasilianer mehr geholt.“


... seinen früheren Job als „Integrationsminister“ beim BVB: „Mario Götze oder Marcel Schmelzer habe ich geholfen, als sie noch ganz junge Spieler waren, habe ihnen Ratschläge gegeben, sie an die Hand genommen, habe ihnen immer positiv zugesprochen und sie in unsere Mannschaft integriert.“


... einen fatalen Shampoo-Fehler: „Evanilsons Frau brauchte mal unbedingt Shampoo, und es war Sonntag. Da hatte in Dortmund nur ein kleiner Supermarkt am Bahnhof geöffnet. Ich bin hin, habe aber leider ein falsches Shampoo gekauft. Denn ein paar Tage später sind ihr 70 Prozent der Haare ausgefallen. Da habe ich ganz schön Haue von Evanilson bekommen. Er hat mir verziehen. Seine Frau auch.“

... Motivationsspritzen für das aktuelle BVB-Team: „Nein, das wird nicht nötig sein. Sie werden in Gladbach hoch motiviert sein. Sie haben die Chance auf die Meisterschaft, das kommt nicht so oft.“


... Saison des BVB: „Niemand hätte gedacht, dass es so schnell so gut funktioniert. Ein neuer Trainer, neue Spieler. Dann waren sie neun Punkte vor Bayern, die Fans und die Spieler träumten. Ich war auch Spieler, ich weiß, dass sie immer gewinnen wollten, auch in der Rückrunde, als es nicht mehr so geklappt hat. Aber noch ist die Chance da.“


... den neuen Deutschen Meister: „Das wird der BVB. Denken wir nur an Barcelona, sie haben nach dem 3:0 im Hinspiel danach 0:4 in Liverpool verloren. Es ist also alles möglich. Bei allem Respekt: Bayern spielt nicht überragend. Und Frankfurt ist gut.“


... Erinnerungen an den Titelkampf 2002: „Es war ein Dreikampf am letzten Spieltag. Drei tolle Mannschaften, Leverkusen, Bayern und wir. Tolle Offensiven. Wir haben es dann geschafft. Weil wir immer daran geglaubt haben. Ich hatte vorher eine Meniskus-Operation, es war unklar, ob ich spielen kann. Aber ich konnte - und habe dann eine wichtige Flanke geschlagen.“

BVB-Legende Dede: Ich werde beim Korso auf dem Borsigplatz mitfeiern

Ein Kuss für die Meisterschale im Jahr 2002 (v.l.): Marcio Amoroso, Dede und Evanilson. © dpa

... Trainer Matthias Sammer: „Er war noch jung, aber er hat die Mannschaft sehr gut gesteuert. Obwohl er oft Stars wie Amoroso oder Ewerthon sagen musste, dass sie nicht spielen.“


... Amorosos Späße: „Wir haben gezittert. Wenn es vor dem Spiel an der Zimmertür geklopft hat, hieß es zu 90 Prozent: Da ist der Trainer um dir zu sagen, dass du nicht spielst. Dann klopfte es, wir waren schon geschockt. Dann stand da aber nur Amoroso vor der Tür und hat sich kaputt gelacht.“


... seine Trainer beim BVB: „Jeder Trainer hatte seine Qualitäten und Schwachpunkte, so wie jeder Spieler auch. Ich habe bei jedem Trainer etwas gelernt. Michael Skibbe war wie ein Vater für mich. Ich war gerade aus Brasilien gekommen, konnte kein Deutsch, hatte meine Familie nicht bei mir. Die Sekretärin des BVB hat übers Telefon in der Kabine für mich gedolmetscht. Aber der Trainer hat mich total unterstützt. Auch bei Kloppo in der letzten Saison war es klasse, auch, wenn ich nicht mehr viel gespielt habe. Eigentlich hätte ich sauer sein sollen, aber es war immer ein respektvoller Umgang miteinander. Die Mannschaft hat gewonnen, Schmelle hat gut gespielt auf meiner Position, alles war also in Ordnung. Jürgen Klopp hat sich seinen Erfolg mit seiner Emotion und seinem Einsatz zu 100 Prozent verdient.“


... sein schönstes Tor: „Bei meinem Abschiedsspiel. Da habe ich von der Mittellinie aus getroffen, das schafft nicht jeder. Da hatte bestimmt Gott seine Hand im Spiel.

BVB-Legende Dede: Ich werde beim Korso auf dem Borsigplatz mitfeiern

Gute Freunde: Dede (r.) und Lincoln. © imago

... seine Rivalität zu Schalke: „Die Schalker Asamoah, Rafinha und Lincoln waren oft bei mir zuhause. Wir haben gegrillt, haben zusammen Musik gemacht. Aber auf dem Platz haben wir uns bekämpft, waren sauer aufeinander, haben getreten. Danach war alles wieder gut.“


... sein Sonntagsprogramm, wenn der BVB Meister wird: „Dann setze ich mir eine Mütze auf, verstecke mich zwischen den Fans und komme zum Korso an den Borsigplatz und feiere mit. Auf jeden Fall. Das wäre ein großer Tag für Dortmund.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt