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BVB-Legende Lothar Huber und das Derby: „Ich wäre der Depp gewesen“

Borussia Dortmund

Alt-Borusse Lothar Huber besitzt eine reiche Derby-Vergangenheit. Im Interview spricht er über besondere Partien, eine schlaflose Nacht und das aktuelle Spiel.

Dortmund

, 23.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Lothar Huber im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. (Archiv)

Lothar Huber im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. (Archiv) © David Inderlied

Er kam aus Kaiserslautern – und blieb bis heute. Von 1974 bis 1987 lief Lothar Huber für den BVB auf, spielte insgesamt 369 Mal im schwarzgelben Dress und gehört damit zu den dienstältesten Spielern der Dortmunder Vereinsgeschichte. Huber, langjähriger Platzwart der Borussia, ist mittlerweile 68 Jahre alt – und spricht im Interview über besondere Derby-Erlebnisse und die nahende Partie gegen Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr/live im TV).


Herr Huber, Sie haben elf Revierderbys im Trikot des BVB gespielt. Was kommt Ihnen sofort in den Kopf, wenn Sie an diese Duelle denken?

Wenn das Derby anstand, hat man sich tagelang nur noch Gedanken über Schalke gemacht. Das fing beim Montagstraining an – und hat erst aufgehört, wenn der Schiedsrichter das Revierderby abpfiffen hatte. Damals wie heute ging es darum, wer die Macht im Revier ist. Es gibt ja diesen sehr richtigen Spruch: Man darf alles verlieren, nur das Derby gegen Schalke nicht.

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Was war Ihr schönstes Derby-Erlebnis? Das Anfang November 1977, als Sie zum 2:1-Siegtreffer trafen?

Ja, ganz klar. Das war herrlich, ein Spiel, das ich nie mehr vergessen werde.


Klaus Fischer hatte einen Treffer von Manfred Burgsmüller gekontert. Dann traten Sie zum Elfmeter an.

Es war ein Spiel auf Augenhöhe, es ging hin und her. In der zweiten Halbzeit waren wir vielleicht ein bisschen besser als Schalke. Und als der Schalker Torwart unseren Wolfgang Frank im Strafraum umgerissen hat, ein dummer Fehler, gab es Strafstoß. Ich war erster Schütze, habe mir den Ball geschnappt – und ihn reingehauen. Zum Glück. Ich wäre sonst der Depp der Nation gewesen.

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War Ihnen das in dieser 87. Minute bewusst?

Nein, überhaupt nicht. Erst später im Bett ist mir klar geworden, was da hätte schiefgehen können. Dann habe ich mir plötzlich den Kopf zermartert – und konnte nicht richtig schlafen.


Zuvor wurde sicherlich zünftig gefeiert.

Klar! Wir haben uns mit den Jungs getroffen, die Frauen waren dabei. Wir haben etwas gegessen, haben ein Bierchen getrunken. Schon da kam das Elfmeter-Thema aber mal zur Sprache. Lothar, wenn Du den verschossen hättest, dann dürften wir diesen schönen Abend gar nicht verleben, haben mir die Kollegen gesagt. Und das stimmte natürlich. Ich wäre wahrscheinlich sofort nach dem Spiel nach Hause gefahren – und hätte mich versteckt. (lacht)


Ihre Derby-Bilanz ist insgesamt positiv, nur zweimal haben Sie mit dem BVB verloren. Im November 1978 allerdings äußerst heftig – mit 1:5 auf Schalke.

Da hatten wir keine Chance, das stimmt. Rüdiger Abramczik hat uns damals große Probleme bereitet, der hat richtig gut gespielt, zwei Tore gemacht – und wir kamen gar nicht in Tritt. Solche Spiele gibt es ab und an. Dass es aber ausgerechnet im Derby passiert ist, war sehr ärgerlich für uns.


Wie fielen die Reaktionen auf dieses 1:5 aus?

Wenn man ein Derby knapp verliert, ist es ärgerlich. In den Zeitungen kommt man nicht gut weg. Aber man kann immer noch darauf verweisen, dass es auch anders hätte laufen können. Nach dem 1:5 auf Schalke war das natürlich nicht der Fall. In der Zeitung stand, wir hätten eine ordentliche Ohrfeige abgekriegt. Und das war leider richtig.

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Das Parkstadion war seinerzeit mit 40.000 Zuschauern gefüllt. Am Samstag sind wegen der Pandemie – höchstwahrscheinlich – nur 300 Fans zugelassen. Verliert das Derby dadurch seinen Reiz?

Ein Fußballer lebt von den Emotionen, das weiß jeder. Normalerweise wären 81.000 Zuschauer da – und würden ordentlich Alarm machen, die Spieler nach gewonnen Zweikämpfen feiern, Tore bejubeln. All das wird Samstag leider fehlen. Das Derby ist deshalb anders als wir es lieben. Allerdings bleibt die Bedeutung dieselbe. Die Spieler sind sich ihrer Verantwortung hoffentlich bewusst.


S04 ist stark angeschlagen, trotz des Unentschiedens gegen Union Berlin. Ist der BVB also klarer Favorit?

Nein, da muss man vorsichtig sein. Dass Schalke keine gute Phase hat, ist bekannt. Aber klar ist auch: Schalke hat Qualität. Und unsere Mannschaft musste am Dienstag ein wichtiges Champions-League-Spiel in Rom bestreiten. Während sich die Schalker Mannschaft eine Woche auf das Derby vorbereiten konnte, hatte es der BVB also komplizierter. Wenn wir nicht sehr früh das erste und zweite Tor erzielen, rechne ich mit einem engen Spiel.

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Erling Haaland, Jadon Sancho, Jude Bellingham oder Giovanni Reyna – die Dichte der Top-Talente ist aktuell äußerst hoch. Viele schwärmen – machen Sie mit?

Absolut, mir macht’s sehr viel Spaß, diesen Jungs zuzusehen. Die spielen richtig frei, machen sich keinen großen Kopf. Manchmal übertreiben sie es noch ein wenig, aber das ist der Jugend geschuldet. Und so soll es letztlich ja auch eigentlich sein: Sie sind unberechenbar für den Gegner. Hoffentlich auch für Schalke am Samstag.


Zum Abschluss noch: Wie endet dieses Derby?

Ich gehe davon aus, dass wir gegen Schalke gewinnen werden. Aber: Im Derby ist alles möglich. Ab und an denke ich noch daran, dass wir 2017 zwischenzeitlich 4:0 geführt haben – und alle dachten, dass die Schalker sechs, sieben Stück von uns bekommen werden. Zum Schluss stand es dann 4:4. Das sollte Warnung genug sein.

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